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Eithne Ní Bhraonáin - kaum einer, der nicht der irischen Sprache mächtig ist, wäre wohl in der Lage, ihren Geburtsnamen richtig auszusprechen. Darum ist uns die Künstlerin, die sich hinter diesem Namen verbirgt, auch nicht unter selbigem bekannt, sondern nur unter dem Pseudonym Eyna. Die Aussprache ihres Vornamens Eithne ist fast identisch mit der ihres Pseudonyms, aber um Probleme bei der Betonung zu vermeiden, hat Enya die Schreibweise ihres Namens der Aussprache angepasst. Enya ist folglich die pseudo-phonetische Schreibweise von Eithne, die es der Irin ermöglicht hat, doch noch unter ihrem eigenen Namen bekannt zu werden.
Enya wurde am 17. Mai 1961 als sechstes von neun Kindern im County Donegal in Irland geboren. 1968 gründen ihre älteren Brüder Ciarán und Pól und ihre Onkels Pádraig und Noel Ó Dúgáin die Band An Clann As Dobhair ("Die Familie von Dore") und treten mit ihrer traditionellen irischen Musik auf Festivals auf. Einge Jahre später stößt Enyas Schwester Máire zu der Gruppe, unter dem neuen Namen Clannad feiern sie internationale Erfolge. Auch Enya wird 1980 nach Abschluss der Schule Mitglied bei Clannad, spielt Keyboard und singt im Background bei zwei Alben.
1982 trennen sich Clannad von ihrem langjährigen Manager und Produzenten Nicky Ryan. Enya ist zu dieser Zeit immer noch Background-Sängerin und frustriert darüber, dass man ihr nicht mehr zutraut. Ryan jedoch erkennt das Talent der jungen Irin. Enya verlässt Clannad und geht nach Dublin, um mit Ryan und seiner Frau Roma zusammen zu arbeiten.
1986 beginnt die BBC an einer sechsteiligen Dokumentation über die Geschichte und den kulturellen Einfluss der Kelten zu arbeiten. Enya wird beauftragt, die Musik für die Serie einzuspielen, eine Auswahl der Stücke erscheint 1986 auf ihrem Debutalbum "Enya". 1987 wird Rob Dickins von WEA Music UK auf sie aufmerksam und die Unterstützung von WEA macht die Aufnahmen für Enyas zweites Album möglich. 1988 erscheint "Watermark". Obwohl eigentlich keine Singleauskopplungen geplant sind, ist es die Veröffentlichung von "Orinoco Flow", die für Furore sorgt und Enya weltbekannt macht.
Mit weltweit über 8 Millionen verkauften Exemplaren und 32 Platin-Auszeichnungen in 14 Ländern gelingt Enya mit "Watermark" der Durchbruch. 1991 erscheint "Shepherd Moons" und stellt den Erfolg des vorherigen Albums sogar noch in den Schatten - 11 Millionen verkaufte Exemplare, 18 Platin-Auszeichungen in 18 Ländern und als Sahnehäubchen noch einen Grammy! Das 1995 erscheinende Album "The Memory Of The Trees" bringt Enya, die neben Englisch auch in Irisch singt, einen weiteren Grammy.
Die Musik von Enya ist nicht ihr alleiniges Werk, sondern, wie sie selber immer betont, das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen ihr selbst (Musik, Arrangements), Nicky Ryan (Produktion, Arrangements) und Roma Ryan (Texte). Wer jedoch hofft, die Sängerin einmal live erleben zu können, der hofft vergeblich. Es dauert Wochen bis Enya einen Song im Studio eingespielt hat, da alle Gesangsparts von ihr selber stammen. Ein Chor auf der Bühne wäre nicht der Lage, das zu leisten, was sie selber in wochenlanger Arbeit mühevoll arrangiert.
Der ursprünglich von der amerikanischen Radiostation KIIS-FM kreierte Remix des Enya-Titels "Only Time", der mit Ausschnitten aus TV-Berichten über die Terroranschläge in den USA unterlegt ist, gehört nach den Anschlägen auf das WTC zu den beliebtesten Radiosongs. Enyas Plattenfirma distanzierte sich zwar und verwies darauf, dass alle Versionen des im vergangenen Jahr veröffentlichten Tracks nicht authorisiert seien. WEA und Enya, die keine eigene Version plant, sehen in den Remixen gar einen Verstoß gegen das Urheberrecht, wollen dagegen aber nicht juristisch vorgehen.
Anfang 2002 erobert Enya erneut die Spitze der Charts. Dieses Mal ist es "May It Be", einer von zwei Beiträgen der Irin zum Soundtrack von Herr Der Ringe, der die Herzen und Geldbeutel der Konsumenten erobert. Erstmals zeigt sich hier, dass Enyas Stimme nicht nur vor ihren eigenwilligen Synthie-Sounds Wirkung erzielt, sondern auch in Zusammenarbeit mit einem großen Orchester. Ein wesentlicher Grund für Enyas Weigerung, live aufzutreten, ist damit hinfällig. Und tatsächlich kündigt die scheue Irin, die zurückgezogen auf einem Schloss bei Dublin wohnt, kurz vor der Veröffentlichung von "Amarantine" im November 2005 - nach über 60 Millionen Platten in 20 Jahren - erstmals eine Konzertreise an.
Die "Stimme Irlands" spricht über die kalte Jahreszeit, Melancholie und 9/11.
Enya, "Poetin der Stille", ist seit zwei Dekaden mit sphärisch-träumerischen Songs enorm erfolgreich. Seit langem warten Fans sehnsüchtig darauf, dass die New-Age-Künstlerin endlich einmal auf Tour geht. Gerade hat sie ihr siebtes Album mit dem Staatsballett Berlin im Schloss Charlottenburg vorgestellt. Und wieder gab es statt Live-Performance lediglich Musik aus den Boxen. "And Winter Came ..." ist gerade erschienen.
laut.de-Autor Matthias von Viereck trifft Enya in einem der elegantesten Hotels Berlins unweit des Gendarmenmarkts. Der Prunk ist keine Überraschung, schließlich ist "die Stimme Irlands", wie die Sängerin auch genannt wird, stolze Besitzerin eines Schlosses. Sie ist trotz Interview-Marathon sehr entspannt, während andernorts zur gleichen Zeit fleißig Stimmen gezählt werden: Es ist Election Day in den USA. Enya und Politik? Das will nicht recht zusammen passen. Oder vielleicht doch?
Es ist genau 20 Jahre her, dass Sie mit "Orinoco Flow" Ihren ersten großen Hit hatten. Seitdem haben Sie mehr als 70 Millionen Platten verkauft. Sie müssen ein glücklicher Mensch sein?
In den letzten Monaten, die sehr intensiv waren, hatte ich nicht wirklich Zeit darüber nachzudenken. Wir mussten ja die Platte fertig stellen. Ich habe mich immer wieder gefragt: Werde ich je damit fertig? Denn ich bin eine sehr langsame Komponistin. Und dann kommt er doch, der Punkt, an dem Nicky, Roma (mit Nicky und Roma Ryan produziert und schreibt Enya ihre Songs, Anmerk. d. Red.) und ich das Gefühl haben, dass es nun okay ist und wir dem Boss unserer Plattenfirma die Songs vorspielen können. Aber es fühlt sich immer so an, als hätte es gar keinen Erfolg davor geben, der die Aufnahme einer neuen Platte einfacher machen würde. Auch wenn man erfolgreich ist, ist es nicht einfach, den nächsten Song zu schreiben. Es ist immer noch eine Herausforderung.
Die neue Platte ist als Winteralbum konzipiert. Passend dazu war zu lesen, dass viele Enya-Fans Ihre Musik besonders gern im Winter hören.
Ja, das habe ich auch gehört. Ich glaube, das liegt daran, dass der Winter eine sehr nachdenkliche Zeit ist. Ich genieße diese Zeit, aber es kann auch sehr hart sein. Es ist das Ende des Jahres und man fragt sich, ob man all das geschafft hat, was man sich vorgenommen hatte. Ich habe erst jetzt während der Arbeit an der neuen Platte gemerkt, dass ich die meisten Songs im Winter schreibe, während ich im Frühling und Sommer eher an den Arrangements arbeite.
Der Winter in Deutschland kann sehr grau und deprimierend sein, wie ist das in dem Teil von Irland, in dem Sie leben?
Ich bin auf dem Land im Nordwesten Irlands groß geworden, direkt an der Atlantikküste. Die See dort ist rau und wild, sehr dramatisch. Stürmisches Wetter. Ich mag zwar auch Urlaub in der Sonne, aber das Wetter in Irland ist inspirierender. Es reinigt den Kopf. Im Moment lebe ich zwar nicht am Atlantik, schaue aber direkt auf die Irish Sea. Gerade ist es sehr hübsch dort, da die Blätter ihre Farben wechseln. Ich mag Herbst und Winter und leide nicht unter Winter-Blues.
Ja, das stimmt. Im Sommer lachen zwar alle und sind fröhlich, im Winter muss man sich jedoch ernster mit dem eigenen Leben auseinandersetzen und ehrlicher zu sich selbst sein.
Ursprünglich sollte das neue Werk eine reine Weihnachtsplatte werden.
Wir haben auf der Platte zwei Versionen von alten Weihnachtsliedern: "Stille Nacht", welches ich schon vor 20 Jahren einmal gesungen habe, und "O Come, O Come, Emmanuel", ein Adventslied aus dem Frankreich des 15. Jahrhunderts. Wir wollten herausfinden, wie ein Weihnachtslied im 21. Jahrhundert klingen muss. Dann habe ich die Songs "And Winter Came" und "Trains And Winter Rains" (erste Single vom neuen Album, Anmerk. der. Red.) geschrieben und festgestellt, dass sie nichts mit Weihnachten zu tun haben, sondern den Winter behandeln. So haben wir beschlossen, Weihnachten und Winter zu verbinden.
Wie feiert Enya Weihnachten?
Weihnachten ist mir sehr wichtig! Mein Schloss wird mit lauter Weihnachtsbäumen dekoriert und sieht sehr schön aus. Es ist mir auch wichtig, mich mit der Familie und Freunden zu treffen. Ob man Weihnachten mag, hängt allerdings immer davon ab, wo man sich gerade im Leben befindet.
Haben Sie auf der neuen Platte wieder alle Gesangsspuren selbst eingesungen, oder ist an einigen Stellen ein Chor zu hören?
Nein, ich habe alles selbst gesungen.
Nach dem Abend mit dem Staatsballett Berlin habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, Enya einmal mit einem Orchester und einem Chor auf der Bühne zu sehen.
Nicky hat sich in der Tat einige Chöre angesehen. Ich weiß aber gar nicht, ob wir mit einem Chor und einem Orchester die Interpretation meiner Musik hinbekommen, nach der wir suchen. Es geht ja dabei nicht so sehr um mich, sondern die Performance meiner Musik. Es gibt aber schon Chöre, die meine Stücke gesungen haben. Erst vor kurzem hat ein französischer Chor "On Your Shore" vom ersten Album interpretiert. Das klang auch sehr nach Weihnachten.
Nein. Was wir aber hoffentlich an Weihnachten machen werden, ist ein Live-Auftritt in einer Kirche mit einem Chor und Musikern. Wir wollen sehen, ob das funktioniert.
Wenn man aus der Musik schließt, müssen Sie eine sehr romantische, ja melancholische Person sein. Täuscht dieser Eindruck?
Nein, das stimmt. Das Melancholische gehört einfach zur irischen Kultur. Man findet das auch in der irischen Literatur. Die Leute verwechseln aber Traurigkeit mit Melancholie. Bei der Melancholie geht es ja auch um Leidenschaft und Tiefe. Ja, ich bin auch romantisch. Ich lebe schließlich in einem höchst romantischen Schloss aus dem 19. Jahrhundert mit großen Fenstern und Lüstern. Das Schloss heißt Manderley, benannt nach dem Roman Rebecca von Daphne du Maurier.
In Deutschland war vor allem Ihr Song "Only Time" nach dem 11. September 2001 ein großer Erfolg. Bedauern Sie, dass das Lied in diesem Kontext benutzt wurde? Die Fernsehsender, die den Song spielten, haben ja wahrscheinlich nicht um Erlaubnis gefragt?
Ich habe das nicht bereut. Und CNN hat mich auch vorher gefragt, ob sie es benutzen dürfen und mir das Bildmaterial gezeigt, zu dem sie den Song gespielt haben. Ich hatte auch das Gefühl, dass ich den New Yorkern damit etwas Hoffnung gebe. Wir haben das Lied dann auch in den USA als Single herausgebracht. Die Erlöse gingen an das Fire Department New York. Der Song hat geholfen, Schmerzen zu lindern.
Heute ist Wahltag in den USA. Sind Sie ein politischer Mensch?
Ich habe das schon verfolgt, möchte aber nicht sagen, für wen ich bin. Aber ich glaube, dass können Sie sich denken (lacht). Es liegt auf jeden Fall ein schwieriger Winter vor uns, politisch als auch finanziell. Da brauchen die Leute Fluchtmöglichkeiten. Ob das nun das Theater ist, Bücher oder Musik.
Sie malen auch. Könnten Sie sich ein Leben ganz ohne Musik vorstellen?
Nein, das könnte ich nicht. Ich war das erste Mal mit drei Jahren auf einer Bühne, und ich empfinde immer noch eine große Liebe für die Musik. Und Malerei ist ganz anders. Ich fühle mich dabei viel entblößter als bei meiner Musik.
Paint The Sky With Stars (Best Of) (1997), The Memory Of Trees (1995), The Celts (1992), Shepherd Moons (1991), Watermark (1988), Enya (1987)
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