Porträt

laut.de-Biographie

Boney M.

Ihre Longplayer heißen "Nightflight To Venus" oder "Oceans Of Fantasy". Es gibt kaum eine Plattensammlung, in der sie fehlen. Üppig mit Perlen besetzte Kopfbedeckungen und in grellen Farben leuchtende Kostüme verraten Boney M. schnell als Kinder des 70er Jahre Disco-Fiebers.

Boney M.: "Daddy Cool" stirbt an Herzinfarkt Aktuelle News
Boney M. "Daddy Cool" stirbt an Herzinfarkt
Der amerikanische Künstler Bobby Farrell, Frontmann der legendären Disco-Gruppe Boney M., starb kurz vor Silvester an Herzversagen.

"Daddy Cool" oder "Brown Girl In The Ring" bringen einerseits den seit Elvis in Vergessenheit geratenen Kampfruf "Swing Your Hips" wieder in Mode, und erweisen sich andererseits als wahre Verkaufsschlager in den Plattengeschäften.

In Europa werden Boney M. zu einem der kommerziell erfolgreichsten Acts der Musikgeschichte. Einzig das Land der handgemachten Rockmusik, aber ansonsten unbegrenzten Möglichkeiten, kann mit den synthetischen Dance-Sounds des glamourösen Quartetts nicht viel anfangen. Dort bleiben sie eine Randnotiz der Disco-Geschichte.

Zu Unrecht - wie sich aber erst bei näherem Hinsehen zeigt, denn Boney M. verabschieden sich vom herkömmlichen Bandkonzept und gehen neue Wege. Mit Disco wird der Produzent zum wichtigsten Musiker; sie sind die heimlichen Helden der Szene.

Die Stars im Rampenlicht lächeln, singen, tanzen und sehen vor allem gut aus. Sie visualisieren die Musik, da Pop nun einmal von der großen Show, der pathosgeschwängerten Geste lebt. Nichts wäre wohl langweiliger als ein Produzent, seine Synthesizer und sein Mischpult. Einen derart radikalen Stilbruch macht erst Techno salonfähig.

Die Produzenten der 70er Jahre brauchen ihre Stars noch. Giorgio Moroder schickt mit Donna Summer die Disco-Queen schlechthin ins Rennen. Frank Farian bietet mit Liz Mitchell, Marcia Barrett, Maizie Williams und Bobby Farrell 1976 gleich eine ganze Band auf und nennt sie Boney M.

Zu diesem Zeitpunkt hat der am 18. Juli 1941 bei Saarbrücken unter dem bürgerlichen Namen Franz Reuther geborene Farian bereits eine beachtliche Karriere als Musiker hinter sich. Zunächst schlägt sich Reuther als Koch durch, spart jede Mark und kauft sich davon Equipement, das reicht, um eine ganze Band auszustatten.

Franz Reuther heißt jetzt Frankie Farian und spielt mit seiner Band Die Schatten zunächst Rock'n'Roll-Stücke nach, später dann auch Soul-Songs von Otis Redding. Bis in die frühen 70er versucht sich Farian mit den unterschiedlichsten Produktionen, erhält auch einen Plattenvertrag, aber der große Wurf ist nicht dabei.

Ende 1974 fröhnt Farian wieder Mal seiner Liebe für schwarze Musik und nimmt unter dem Pseudonym Boney M. den Song "Baby Do You Wanna Bump" auf, der im folgenden Jahr überraschenderweise in Belgien und den Niederlanden in die Charts einsteigt. Auf einmal liegen Anfragen für Fernseh- und Liveauftritte auf dem Tisch; eine peinliche Situation für Farian, der nicht selbst auftreten möchte.

Seine Musik braucht telegene Gesichter. So rekrutiert er kurzerhand die vier oben erwähnten Musicalsänger westindischer Abstammung. Das Soloprojekt Boney M. ist jetzt ein Quintett, hat ein attraktives Gesicht und Farian ist seine Sorgen für die nächsten Jahre erst einmal los. Das kann er damals freilich noch nicht wissen.

Dann geht allles ganz schnell. Mit der zweiten Boney M. Single "Daddy Cool" gelingt Farian endlich der große Wurf. Der Song geht überall in Europa in die Charts und Boney M. steigen zum neuen Stern am Discohimmel auf. Die Bobby Hebb-Coverversion "Sunny" tut es "Daddy Cool" gleich, so dass Boney M.s Debütalbum "Take The Heat Of Me" gar keine andere Chance hat, als zum absoluten Topseller zu avancieren.

Der Erfolg hat für Farian allerdings auch eine negative Seite: Der Workaholilc erleidet mit 36 Jahren einen Herzinfarkt, was ihn jedoch nicht daran hindert in den folgenden Jahren einen Chartbreaker nach dem anderen zu produzieren. Die Hitmaschine Boney M. läuft auch weiterhin auf Hochtouren.

Die Single "Rivers Of Babylon" mit "Brown Girl In The Ring" auf der B-Seite bricht in Europa 1978 alle Rekorde und gilt als eine der meistverkauften Singles der Popgeschichte. Das dazugehörige Album "Nightflight To Venus" erweist sich ebenfalls als kommerzieller Höhenflug und dürfte sich in ähnlichen Dimensionen bewegen wie die Single.

Ein Erfolg der nicht zuletzt auch dem unvergleichlichen Gesang von Liz Mitchell zuzuschreiben ist, die sich immer besser in der Rolle der Leadsängerin gefällt, während die anderen Gruppenmitglieder es kaum schaffen sich zu profilieren. Mit "Rasputin" und "Painter Man" legen Boney M. im selben Jahr nach, geben dem Disco-Hype neue Nahrung.

Die Verschleißerscheinungen, denen sich Disco spätestens ab 1979 immer stärker ausgesetzt sieht, können Boney M. mit ihrem Album "Oceans Of Fantasy" zwar noch mühsam übertünchen. Die große Zeit der Disco-Grooves ist aber unwiderbringlich vorüber, was auch Farian mit seinem feinen Gespür für Trends nicht verborgen bleibt. Zwar veröffentlichen Boney M. weiterhin Alben, nebenbei lebt Farian seine Kreativität jedoch in verschiedenen anderen Projekten aus.

1986 lösen sich Boney M. schließlich auf, um 1990 noch einmal kurzzeitig reanimiert zu werden. An den Glanz vergangener Tage knüpfen sie nicht mehr an, auch wenn Remix-Versionen ihrer Hits in die Charts einsteigen. Farian hat zu dieser Zeit mit Milli Vanilli eine neue, perfektionierte Retortenband am Start.

Als die Öffentlichkeit 1990 erfährt, dass die adretten Jünglinge Rob Pilatus und Fab Morvan außer ihrem guten Aussehen nichts zur Band Milli Vanilli beisteuern, ist der Skandal perfekt. Milli Vanilli finden ihren Platz in den Annalen der Popgeschichte unter der Rubrik: größter Fake.

Den Musikfanatiker Farian bringen derlei Irritationen nicht von seiner Leidenschaft ab. Er produziert fleißig weiter und erklärt den mit der komplizierten Studiotechnik überforderten Punkrockern der Toten Hosen nebenbei mal, was man durch gezielten Drehen und Schrauben an den Studioreglern so alles aus einem Demotape herausholen kann. Eine Anekdote, über die Farian heute schmunzelt.

Das erfolgreichste Projekt des Produzenten Frank Farian bleibt Boney M., die sich unter anderem dank "Rivers Of Babylon" einen Platz ganz weit oben im Popolymp gesichert haben. Die Legende lebt und ernährt auch heute noch alle, die Anteil am Erfolg dieser einmaligen Disco-Pop-Gruppe haben. Dass Farian einer der ersten Produzenten-Musiker, und seiner Zeit damit um einige Jahre voraus war, fällt bei all den Gold- und Platinauszeichnungen schon gar nicht mehr ins Gewicht.

Bobby Farrell ereilt währenddessen ein traurigeres Schicksal: Mitten auf Tour mit seiner Revival-Band "Bobby Farrell's Boney M." erliegt der Niederländer kurz vor Silvester 2010 in einem Hotelzimmer in St. Petersburg einem Herzinfarkt. Er wurde 61 Jahre alt.

News

Alben

Videos

Mary's Boy Child / Oh My Lord (ZDF-Fernsehgarten 05.12.1993)
My Cherie Amour (ARD Formel Eins 17.06.1985)
Happy Song (Formel Eins 10.12.1984)
Young, Free And Single (Formel Eins 07.10.1985)

Surftipps

Noch keine Kommentare