Porträt

laut.de-Biographie

Monika Kruse

Geht es um die Spitzenpositionen unter den deutschen DJs, so sind die vorderen Positionen bis 1997 fest in männlicher Hand. Ganz selbstverständlich geben sich hier die Herren Väth, Van Dyk, Hell und Lenz (Westbam) ihr alljährliches Stelldichein. Das sollte sich 1998 erstmals ändern, als das Frankfurter Techno-Magazin "Groove" seine Leser zur alljährlichen Poll aufruft: Monika Kruse landet hinter Sven Väth und DJ-Gigolo Hell auf Platz drei.

Mit ihrer natürlichen Art und druckvoll anschiebenden Sets erobert die DJane aus München die Herzen der Technogemeinde im Sturm. Schon seit Beginn der 90er ist Kruse mit elektronischer Musik infiziert und organisiert in München bald schon eigene illegale Houseparties, wo sie immer wieder auch selbst auflegt.

Zunächst noch in einer Bar als Resident an den Turntables sucht Kruse immer neue Locations und findet sie auch in Form einer Straßenbahn, die kurzerhand in einen Club umfunktioniert wird. Als 1994 im alten Flughafen Riem Münchens Technodisse Nummer Eins, das Ultraschall, die Pforten öffnet, gehört sie von Anfang an zu den Residents.

Dass sie mit Musik einmal ihren Lebensunterhalt bestreiten würde, darauf deutet zunächst nichts hin. Am 23. Juli 1971 in Berlin zur Welt gekommen, wächst Kruse in München auf. Als Kind modelt sie für Alete und verdient auch später immer wieder bei Fotoshootings ein paar Mark extra dazu. Das Geld fließt selbstredend sofort in neues Vinyl. Eine Investition, die sich lohnt.

Ende 1996 wagt Kruse dann den Schritt zur ersten Eigenproduktion, die auf Serotonin erscheint. Ein Jahr später folgt die CD "DJ Mix Series Vol. 1" auf dem renommierten Label Fine Audio Recordings mit knackigen Tracks von Jeff Mills, Richie Hawtin, Marco Carola, Thomas Krome und DJ Rush. Eine Mischung, die vor allem live gut ankommt und Monika Kruse zur Partykönigin macht. Nach mehreren Veröffentlichungen, unter anderem auf Good Grooves Frisbee-Label, bringt sie 2000 mit der 12" "Needlehopper" ihr eigenes Label Terminal M an den Start.

Wie schon bei den Produktionen davor, setzt sie die fruchtbare Zusammenarbeit mit Patrick Lindsey aka Voodooamt auch auf Terminal M fort und baut das Label in den folgenden Jahren zu einer der ersten Adressen in Sachen Techno aus. DJ Kollegen wie Stanny Franssen, Rino Cerrone, DJ Rush oder Miss Kittin finden hier eine Plattform für ihre Releases.

2000 erscheint mit "On The Road Vol. 1" auch eines ihrer fett groovenden Sets als Mix-CD auf Terminal M. Zwei Jahre später legt Kruse mit Vol. 2 nochmal nach. Hart groovende Technotracks bilden auch hier wieder das Rohmaterial mit dem Monika Kruse den Dancefloor rockt, wie zum Beispiel bei ihrem Auftritt auf der Abschlusskundgebung der Loveparade 2000. 2001 erblickt schließlich ihr erster in Zusammenarbeit mit Patrick Lindsey entstandener, Longplayer "Panorama" das Licht der Welt, der einen Schritt weg von funktionalen Clubtools hin zu deepen Technogroovern.

An den Turntables gehört Kruse zu den gefragtesten DJs, was auch dem Brüsseler Club Fuse nicht verborgen bleibt, wo Kruse neben Dave Clarke und DJ Hell eine Residency erhält. Mit "Passengers" erscheint 2003 das Album, mit dem Kruse und Lindsey endgültig ihre eigene Nische im Produzentendschungel besetzen. Solide anschiebende Basslines in Verbindung mit wabernden Flächen und massiv groovende Rhythmusarrangements kristallisieren sich als Kruse-typisch heraus. Mit "Latin Lovers" releast Kruse 2003 einen mächtigen Tribal-Schieber, der sich schnell in den Sets von Jeff Mills und Laurent Garnier wiederfindet.

Trotz aller DJ-Verpflichtungen rund um den Globus bleibt Kruse bodenständig. Entspannung vom DJ-Alltag findet sie in den Alpen beim Snowboarden oder bei einem kühlen Blonden im Biergarten, wo sie seit ihrem Umzug nach Berlin 1997 nicht mehr ganz so oft zu Gast ist, wie noch zu ihrer Münchner Zeit.

Alben

Monika Kruse - Passengers: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2003 Passengers

Kritik von Daniel Straub

Wer hier nicht tanzt, dem ist nicht mehr zu helfen. (0 Kommentare)

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