Porträt

laut.de-Biographie

Michael Brecker

Es beginnt am 29. März 1949 in Philadelphia, Pennsylvania. Sein Vater, ein passionierter Jazzpianist, setzt seinen Sohn Michael von Beginn an dem Jazz aus. Aufgewachsen mit der Musik von Größen wie Dave Brubeck, Clifford Brown, Miles Davis, Thelonious Monk und Duke Ellington, scheint der musikalische Weg des kleinen talentierten Michael Brecker bereits früh vorbestimmt.

Michael Brecker - Time Is Of The Essence
Michael Brecker Time Is Of The Essence
Funky, Swinging, Groovy Music - alles zusammen ergibt zeitlosen Jazz
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Mit seinem Trompete blasenden Bruder Randy spielt Michael die ersten Töne auf der Klarinette und dem Saxophon. Er studiert auf der High School sein großes Vorbild John Coltrane und folgt schließlich - nachdem er bereits mit Größen wie Marc Copland zusammen spielte - 1966 Bruder Randy auf die Musik-Universität nach Indiana. Nach zwei Jahren verschlägt es ihn nach New York, wo er mit Billy Cobham jamt, bevor er Gründungsmitglied der Jazz-Rock Band Dreams wird - eine der ersten Bands Ende der 60er, die Hornsections über Rockrhythmen legt.

1973 spielen die beiden Brüder bereits als Solisten für das Horace Silver Quintett, von 1975-1981 machen sie mit der Brecker Brothers Band ihr eigenes Ding, und zwar Funk der Extraklasse. Bekanntheit erlangen die beiden auch mit der 1979 gegründeten Formation Steps Ahead, in der Michael als Co-Leader fungiert. Ab Mitte der 70er widmet sich Michael Brecker der Studio- und Tourneearbeit und so verbringt er einen Großteil seiner professionellen Laufbahn damit, als Sideman zu fungieren.

Dass er so gefragt ist hat natürlich seinen Grund, denn Brecker revolutioniert mal eben das Saxophonspiel und hat erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Jazz. Das können in dem Ausmaß von dem wir hier reden, nur Miles Davis, Charlie Parker, John Coltrane und ähnliche Eminenzen von sich behaupten.

Der FAZ-Feuilletonist Ulrich Olshausen fasst es in die Worte: "Breckers Technik ist in der Geschichte des Tenorsaxophons unerreicht. Die Farbspiele von der Sonorität der tiefen Töne bis in die fahlen oder kreischenden Höhen der Überblasregister, das unglaubliche Koordinationsvermögen der Abstraktionen in rasenden Skalen- und Sprungerfindungen – man hätte von einem gewissen Wahnsinn sprechen können, wären da nicht diese Wärme, diese nie versiegende Inspiration, dieser gestalterische Wille, der Spaß, die Begeisterung und das Gefühl gewesen." Michael Brecker schafft es, einen wiedererkennbaren Sound zu kreieren der auf einer individuellen Art der Phrasierung und einer geschmeidigen Linienführung, der man die virtuose Technik kaum anhört, basiert.

Mit den Größten des Jazz- und Pop-Business spielt er im Lauf seiner Karriere zusammen: Chet Baker, George Benson, Dave Brubeck, Zappa, John Lennon, James Brown, Billy Joel, Steely Dan, Bruce Springsteen, Joni Mitchell, Quincy Jones, Chick Corea, Brad Mehldau, Paul Simon und und und. Bis zuletzt ist die Studioarbeit sein Hauptbetätigungsfeld. Auf (je nach Quelle zwischen) 500 und 900 Platten spielt er mit und hat sich so als "The Saxman" einen Namen gemacht.

Unter eigenem Namen veröffentlicht Brecker erst 1987 sein Debüt, das vom Downbeat-Magazin als "Jazz Album of the Year" gefeiert wird. Mit dem Nachfolger "Don't Try This At Home" (1988) gewinnt er seinen ersten von insgesamt elf Grammys.

Am 13. Januar 2007 stirbt Michael Brecker in einem Krankenhaus in New York an den Folgen der Knochenmarkserkrankung MDS. Er wurde nur 57 Jahre alt und zählt zusammen mit John Coltrane zu den einflussreichsten Tenorsaxophonisten der letzten 50 Jahre.

Mit "Pilgrimage" setzt er diesem Giganten-Status ein entsprechendes Denkmal, über das Pat Metheny sagt, "Michael hat uns mit diesem Album Musik hinterlassen, die zum Besten seiner Karriere, nein, seines Lebens zählt!" Die Geschichte zu "Pilgrimage" liest sich wie der Rohstoff zur Legendenbildung: Die Diagnose seiner Krankheit lautet "myelodysplastisches Syndrom", eine schwer heilbare Störung der Blutbildung, die mit einer geeigneten Knochenmarkspende bekämpft werden kann. Aufrufe werden auf Festivals verlesen, Anzeigen geschaltet, seine Familie, seine Fans und Freunde suchen fieberhaft nach Heilung. Da sich kein geeigneter Spender findet, werden Brecker 2005 versuchsweise Stammzellen seiner Tochter transplantiert, was jedoch nur eine vorübergehende Besserung bewirkt. Genug Zeit, um noch einmal aufzutreten und als musikalisches Vermächtnis ein letztes Album einzuspielen ...

Das labeleigene Jazzecho berichtet: "Dieses letzte Album, das Brecker mit Herbie Hancock, Pat Metheny, Jack DeJohnette, Brad Mehldau und John Patitucci realisierte, enthält erstmals ausschließlich Kompositionen des großartigen Tenorsaxophonisten. Das Album ist das Dokument von Breckers letzter musikalischer Reise, die den Protagonisten mehrfach an den Rand der totalen physischen Erschöpfung brachte. Nur seinem bis zuletzt nicht zu brechenden Willen war es zu verdanken, dass dieses Projekt überhaupt beendet werden konnte. Und das leidenschaftliche Feuer, das bei diesen letzten Aufnahmen in Michael Brecker brannte, ist auf 'Pilgrimage' in jedem Moment zu spüren."

"Michael hat jetzt als Komponist und Musiker eine neue Klasse erreicht", fügt Herbie Hancock an, der seit den 80er Jahren mit Brecker zusammenarbeitet. "Trotz seiner Krankheit, oder vielleicht auch gerade wegen ihr, gelingt es ihm, neue Gipfel zu erklimmen und nach vorne zu schreiten. Die beste Art, ein Gift zu nehmen, ist, wenn man es in eine Medizin verwandelt. Er erlebt gerade etwas sehr Destruktives und wandelt es in etwas extrem Konstruktives um."

Alben

Videos

Saxophone Summit - Michael Brecker
  • Michael Brecker

    Die offizielle Netzheimat. Mit gewaltiger Diskografie.

    http://www.michaelbrecker.com
  • Pilgrimage

    Das Jazzecho über "Pilgrimage".

    http://www.jazzecho.de/michael_brecker_pilgrimage_124392.jsp
  • Die Seele in der Virtuosität

    Ulrich Olshausen im FAZ-Feuilleton über Michael Breckers Vermächtnis.

    http://www.faz.net/s/RubF7538E273FAA4006925CC36BB8AFE338/Doc~E11E7F11B0F344BD39110D8D0E8DE10EC~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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