Porträt

laut.de-Biographie

Maxwell

Für die einen war Neo-Soul die Reinkarnation einer vergessenen Tradition afroamerikanischer Musik, für die anderen nur eine Momentaufnahme zufällig gleichgesinnter Künstler, denen die Presse dieses Label aufdrückte. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich, wie so oft, irgendwo dazwischen.

Maxwell - BLACKsummers'night
Maxwell BLACKsummers'night
Erfolgreich wider den Neosoul-Fluch.
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Neben Lauryn Hill und D'Angelo komplettiert jedenfalls der in Brooklyn geborene Maxwell das Trio der Kreativen, die in der Zeit um die Jahrtausendwende dem Soul eine neue Facette gaben. Wie die anderen beiden wird jedoch auch Maxwell zur traurigen Künstlerfigur, die mit dem Erfolg und der damit verbundenen artistischen Verantwortung mehr schlecht als recht umgehen kann.

Geboren im Mai 1973 wächst Maxwell als Sohn puertorikanischer und karibischer Eltern in Brooklyn in New York auf. Der tragische Tod seines Vaters macht den Heranwachsenden zu einem gottesfürchtigen Kirchgänger und Mitglied des Kirchenchors.

Maxwell rutscht, gerade volljährig, in die Club-Szene New Yorks und erntet Respekt für seine selbstgeschriebenen Songs. Beeinflusst durch den klassischen Motown-Sound und den Disco-durchzogenen R'n'B der Achtziger arbeitet er sich bis zum Plattendeal mit Columbia Records empor.

Zwei Jahre später erscheint das Debüt "Maxwell's Urban Hang Suite". Bereits hier muss der Sänger Höhen und Tiefen der Industrie am eigenen Leib spüren – trotz begeisterter Resonanz aus der A&R-Abteilung liegt das Album fast zwei Jahre wegen unsicherer Erfolgsaussichten auf Eis.

Maxwells Debüt erscheint schließlich 1996 zwischen den Erstlingswerken von D'Angelo ("Brown Sugar") und Lauryn Hill ("The Misseducation Of ..."). Kritiker und Industrie-Insider wollen die Geburt eines neuen Sub-Genres des Souls herbeidefinieren. Das Label Neo-Soul etabliert sich schnell, weil eine breite Verkaufsschicht an den warmen Klängen und nicht sinnbefreiten Inhalten großen Gefallen findet.

In den kommenden Jahren folgen Neo-Soul-Künstler wie Bilal, Musiq, India.Arie, Jill Scott, Angie Stone, Dwele, Jazzyfatnastees und Raphael Saadiq in den Fußstapfen von Maxwell, D'Angelo und Ms. Hill.

Während Neo-Soul-Apologeten D'Angelo schnell zum etwas kantigeren Soul-Crooner mit Sex-Gott-Charakter stilisieren, bekommt Maxwell die Maske des süßen R'n'B-Beaus übergestülpt, der keiner Frau (oder Schwiegermutter) etwas zu Leide tun könnte. Die Gedanken der neuen Soul-Gefolgschaft ergötzen sich an D'Angelos stahlharten Bauchmuskeln und Maxwells träumerischen Augen.

Es braucht die Single "Ascension (Never Wonder)", um aus Maxwell, dem verträumten Schmachtbubi mit Halb-Afro, den sexy Frauenflüsterer der Millennium-Generation zu machen. Ein neuer Marvin Gaye ist geboren. Nicht nur weil dessen ehemaliger Produzent Leon Ware dem Newcomer musikalisch unter die Arme greift, auch weil Maxwell in einer Mischung aus unbändigem Talent und geheimnisvoller Aura dem Soul-Genre neue Richtungen zeigt.

Seine Cover-Versionen von Kate Bushs "This Woman's Work" und Nine Inch Nails' "Closer" von seiner gefeierten MTV Unplugged-Session katapultieren das sensible Goldkehlchen schließlich in die Herzen (und ab und an auch in die Höschen) des Mainstreams.

Wie der Mainstream aber eben so ist, saugt der Erfolg im Pop-Zirkus die letzte Kreativität aus dem Fast-Dreißiger. Gäbe es Motown nicht, möchte man meinen, dass wahrer Soul durch Mainstream-Erfolg grundsätzlich seiner Seele beraubt wird. Die Folgewerke "Embrya" (1998) und "Now" (2001) verkaufen sich zwar respektabel, aber Maxwell hat bereits viel von seiner Leichtigkeit verloren.

Es folgen sieben lange Jahre, in denen sich Maxwell dem Trubel der Öffentlichkeit entzieht. Kritiker nennen es Unvermögen, mit dem Druck der Erwartungen des Publikums umzugehen. Der Künstler selbst spricht von Selbstfindung und Reifeprozess. Im Gegensatz zu Lauryn Hill und D'Angelo schafft es Maxwell jedoch zum Comeback. Nach einem Auftritt bei den 2008 BET Awards, auf denen er zu Ehren Al Greens dessen "Simply Beautiful" darbietet, begibt er sich spontan auf US-Tour.

Überrascht von einem überwältigenden Anklang zieht es Maxwell fokusiert ins Studio. Nur ein Jahr später veröffentlicht der mittlerweile 35-Jährige sein viertes Album "BLACKsummers'night". Es soll der erste Teil der "Blacksummers'Night"-Trilogie sein, die Maxwell in der Folge mit "BlackSUMMERS'night", einem Gospel-lastigen Werk, und mit "Blacksummers'NIGHT", einem "klassischen Baby Making-Album", komplettieren will.

Alben

Maxwell - Now: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2001 Now

Kritik von Stefan Johannesberg

Er sieht aus wie Lenny Kravitz und klingt wie Prince. (0 Kommentare)

Videos

Get To Know Ya
Bad Habits
Fire We Make
This Woman's Work

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