Porträt

laut.de-Biographie

MC Bogy

"Es war nie bunt, wie bei Micky Maus, die Kacke war am Dampfen. Doch heute sieht alles gut aus, denn ich nutze meine Chancen." (aus "Es Fing An Auf Der Strasse")

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Moritz Christopher erblickt 1979 in West-Berlin das Licht der Welt. Er wächst in Schöneberg - Friedenau auf. Als er 13 Jahre alt ist, zieht seine Familie nach Lankwitz. In diesem Viertel fühlt sich MC Bogy zu Hause.

MC Bogy? Wie kommts? "MC ist klar, außerdem sind es die Anfangsbuchstaben meines Namens", erklärt er. "Und Bogy haben mir meine Brüder verpasst. Dabei ist es geblieben."

MC Bogy entpuppt sich als nicht unbedingt pflegeleichtes Kind. Schon in jungen Jahren kann er seine Aggressionen kaum unter Kontrolle halten und landet deswegen immer wieder im Jugendknast und in psychiatrischen Einrichtungen. Erst der Kontakt mit der Hip Hop-Kultur bietet ihm ein Ventil zur Bewältigung seiner Probleme.

Inspiriert vom US-Rap der 80er, von Graffiti und Breakdance, taucht MC Bogy in eine neue Welt ein: "In Westberlin hatte man mehr Bezug zu amerikanischem Rap als im Rest von Deutschland, weil hier noch die ganzen GIs waren. Da habe ich dann solche Sachen wie 2 Live Crew oder Run DMC gehört."

Mitte der 90er Jahre beginnt er zu sprühen und selbst zu rappen. Auf diversen Battles im Berliner Untergrund erarbeitet sich MC Bogy einen Ruf als Freestyler. "Als ich noch ein Freestylerapper ohne Studioerfahrung war, hat Frauenarzt mich gepusht." Bogy zählt zu den Gründervätern der Crew Berlin Crime, die ihre wütenden Ergüsse über das Label Basboxxx unters Volk bringt. Auf den ersten Basboxxx-Tapes werden ab 1998 auch seine Zeilen für die Nachwelt dokumentiert.

Sein Solo-Debüt in Album-Länge gibt er 2002 mit "Lyrischer Hooligan". Obwohl Tracks wie "Brennt Den Club Ab" in den einschlägigen Kreisen Kult-Status erreichen, gibt Bogy später, nach seinem ersten Album gefragt, "Der Atzenkeeper" von 2004 an.

"Bei 'Lyrischer Hooligan' war ich nur etwa alle zwei Monate im Studio", erklärt er im Interview mit rap.de. "Das war schon ein cooles Projekt, aber (...) 'Atzenkeeper' ist das erste, bei dem ich mit dem Endergebnis wirklich richtig zufrieden war. Das andere höre ich auch noch selbst, find' ich geil, aber das sehe ich eher noch als Entwicklung."

Das Bassboxxx-Lager hat sich mittlerweile weitgehend zerstreut. Die Truppe um MC Bogy, Frauenarzt, Tony D und King Orgasmus One darf mehr oder weniger als aufgelöst betrachtet werden. MC Bogy gründet, hauptsächlich, um seinen künstlerischen Ansprüchen gerecht zu werden, sein eigenes Label. Bei Noch Mehr Ketten Entertainment nimmt er alsbald seinen jungen Kollegen Problemkind unter Vertrag. Battlestyles dominieren. Zum Großteil der Berliner Rap-Szene wahrt MC Bogy jedoch deutliche Distanz.

Er veröffentlicht 2003 den Sampler "Bogy Und Atzen", im Jahr darauf besagtes "Der Atzenkeeper" sowie unter dem Titel "Von Bezirk Zu Bezirk" ein Kollabo-Album mit Bass Sultan Hengzt. 2005 bekommen die Straßen Berlins "Geballte Atzen Power" zu spüren.

Als Reaktion auf das darauf folgende Mixtape, auf dem unter anderem auch Sido und Kool Savas in Erscheinung treten, tanzt die wachsende Fangemeinde den "Gangster Boogie". Einen großen Erfolg verschafft MC Bogy seine Beteiligung auf dem Sampler "Aggro Ansage Nr. 5": Nach nur drei Wochen wird das Album vergoldet.

MC Bogy - Der Oldtimer
MC Bogy Der Oldtimer
Ihr wollt Krieg? Ihr kriegt Krieg!
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Immer wieder wird MC Bogy zusammen mit etlichen anderen Rappern aus Berlin in die rechte Ecke gestellt. "Ich scheiß' auf die Medien", kommentiert er im rap.de-Interview dahingehende Vorwürfe. "Mir ist das alles scheißegal, ich bin nicht rechts. Normalerweise chillen hier mit mir lauter Kanaken, (...) wir gehören zusammen. Wir sind alle am hustlen, deshalb ist das absoluter Schwachsinn, was mir da unterstellt wird. Wir sind hier in Berlin, hier herrscht Multikulti, wenn hier im Süden Nazis wären, würde den ganzen Tag Krieg herrschen."

Seine Drogenabhängigkeit überwindet MG Bogy mit Hilfe von Therapien und der Unterstützung seiner Familie. "Wenn ich nach Drogen gefragt werde, bin ich der Letzte, der diese Scheiße verherrlicht. Drogen sind einfach unser größter Feind, Drogen machen alles kaputt."

2006 tritt MC Bogy als Statist in Flers Video zu "Nach Eigenen Regeln" auf. Sein neues Album "Willkommen In Abschaumcity" ist so gut wie fertig gestellt. Bogy nimmt darüber hinaus Tracks mit MOK und Fler auf, ist gemeinsam mit B-Lash auf "Der Neue Standard" der Beathoavenz anzutreffen und plant eine eigene Radiosendung.

Die hochfliegenden Pläne werden allerdings jäh durchkreuzt: Bei einem Videodreh mit Sido im Oktober 2006 wird MC Bogy, eben erst nach einem neunwöchigen Aufenthalt aus der Nervenklinik entlassen, verhaftet. Ihm werden bewaffneter Raub, Verstoß gegen das Waffengesetz und räuberische Erpressung vorgeworfen. Eine offizielle Stellungnahme wird nicht abgegeben. Tatsache: Bogy landet bis zur Klärung der Sachlage in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Moabit.

Auf der anderen Seite der schwedischen Gardinen rufen Bogys Atzen alsbald zur Solidarität auf. Die Labels NMK Entertainment, Ghetto Muzik und Aggro Berlin schließen sich für eine "Free Bogy"-Initiative zusammen und bringen Ende März 2007 "Willkommen In Abschaumcity" gemeinsam auf den Markt. "Das beste Album seiner Karriere", gerät Kollege Frauenarzt ins Schwärmen.

Zumindest die Gästeliste macht einiges her: Neben MC Basstard, Sido, Massiv, MOK, Deso Dogg und zahlreichen anderen Berliner Nasen gibt sich auch Hip Hop-Veteran Kool G Rap die Ehre. Die Beats stammen hauptsächlich von B-Lash. Daneben leisten Phrequincy, die Beathoavenz und Frauenarzt Produktions-Beiträge.

Das Video zu "Faust Hoch" feiert Anfang April Premiere bei MTV Urban. Bogy denkt mittlerweile bereits in die Zukunft: "Auf 'Willkommen In Abschaumcity' gab es sehr, sehr viele Features. Beim nächsten Album bekommt ihr mich ganz alleine."

Wenig später wird Bogy aus der Haft entlassen. Ein Gericht setzt die zu verbüßende Haftstrafe zur Bewährung aus. Die aufgestaute Energie entlädt sich in einer wahren Veröffentlichungsflut: Bogy wirft Sampler und Mixtapes wie Kamelle unters Volk.

"Definitiv ein Hardcore-Rap-Ding", kommentiert er sein Mixtape "Der Oldtimer" - und fasst gleich zusammen, was stets seine Stärke bildete: "Kein Elektro, kein Pop-Scheiß. Eigentlich genau das, was sich momentan überhaupt nicht verkauft, kompromissloser Gegen-den-Strom-Sound. Aber ich will niemanden angreifen - jeder soll das machen, was er will."

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Alben

  • Offizielle Homepage

    Infos, Bilder, Sound, Shop.

    http://www.mcbogy.de
  • MC Bogy bei MySpace

    Tanz' den Gangsterboogie, it's MySpace!

    http://www.myspace.com/mcbogy
  • Free Bogy

    Videos, Downloads und Solidaritätsbekundungen.

    http://www.freebogy.de

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