Porträt

laut.de-Biographie

Lee Hazlewood

"Eine der großen Schattenfiguren der Popgeschichte", schreibt die New York Times 1999 über Lee Hazlewood, nachdem er, einer der großen Produzenten der 60er Jahre, vier Jahre zuvor wieder ins Business eingestiegen war und überall für entzückte Reaktionen sorgte. Es war die Wiederauferstehung eines Musikers, der sich für fast 20 Jahre praktisch unsichtbar gemacht hatte und dessen Sound Thurston Moore von Sonic Youth einmal als "Country Exotica" bezeichnete.

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Am 9. Juli 1929 in Mannford, Oklahoma geboren, dient er erst als Soldat in Korea und studiert anschließend in Kalifornien. Seine Karriere beginnt Mitte der 50er Jahre als Radio-DJ im heimischen Oklahoma, später in Phoenix, Arizona, wo er als einer der ersten Elvis über den Äther schickt. Nebenbei gründet er eine Produktionsfirma, schreibt Lieder und nimmt sie mit den jungen Gitarristen Al Casey und Duane Eddy auf. 1956 gelingt ihm mit dem Stück "The Fool", gesungen von Sanford Clark, ein erster kommerzieller Erfolg.

Der spielt sich ansonsten aber eher auf lokaler Ebene ab und so siedelt Lee 1957 nach Los Angeles, um Vollzeitproduzent und -songschreiber zu werden. Sein Stil: tiefe, vibrierende Gitarrenakkorde und ein hallender, wummernder Bass. Um den Klang zu verstärken, baut er ein Silo an das Studio an und stattet es mit Lautsprechern und Mikrophonen aus. Das Ergebnis ist eine frühe "Wall Of Sound" - nicht zufällig ist der spätere Produzentenstar Phil Spector kurzzeitig Mitglied seines Teams.

Nach wie vor fährt Hazlewood regelmäßig zurück nach Phoenix, um sich die Musik anzuhören, die seine frühere Band fabriziert. Bei einer der Sessions schlägt er Duane Eddy vor, die einfachen, sich wiederholenden melodischen Gitarrenriffs, die sie zusammen geschrieben hatten, versuchsweise auf den tieferen Saiten seiner Gitarre zu spielen – die Geburtsstunde des Twang. Die Stücke werden zu internationalen Instrumental-Hits und leisten damit einen Gründungsbeitrag zu der Musik, für die man gerade den Namen Rock'n'Roll erfunden hatte.

Hazlewoods ersten Alben "Trouble Is A Lonsome Town" (1963) und "The N.S.V.I.Ps" (1964) ist jedoch kein Erfolg beschieden. Trotz einiger Hits und eigenwilliger Instrumentalstücke wird Hazlewood 1964 vom Erfolg der Beatles weg gefegt. Die Schmach ist so groß, dass er sich aus dem Geschäft zurück zieht. Schon ein Jahr später nimmt er sich jedoch der bis dahin erfolglosen und als untalentiert angesehenen Nancy Sinatra an. Mit dem Ruhm ihres Vaters spielend, schreibt er ihr doppeldeutige Lieder auf den Leib und macht aus ihr einen Charterfolg. Auf "These Boots Are Made For Walking" folgen die Duette "Jackson" und "Some Velvet Morning", für "Somethin' Stupid" finden sogar Vater und Tochter gemeinsam hinters Mikrophon. Hazlewoods Karriere ist auf dem Höhepunkt angelangt, er produziert neben dem alten Kollegen Duane Eddy auch eine Dean Martin-Platte, lebt zwischenzeitlich in Paris und tritt als Schauspieler in einigen Filmen auf.

Mit LHI (Lee Hazlewood International) gründet er 1967 sein eigenes Label, auf dem u.a. Gram Parsons eine Heimat findet. 1970 zieht es ihn nach Schweden, wo er bei mehreren Filmprojekten mitarbeitet. Er beginnt, seine Lieder mit einfacher Gitarrenbegleitung aufzunehmen. Das Ergebnis sind Alben wie "Requiem For An Almost Lady" (1971) und "13" (1972), die eher introspektiv, wenn nicht deprimierend wirken und im Nachhinein zu seinem Vermächtnis werden. Bei Sammlern begehrt, werden sie Teil eines Hazlewood-Mythos', der sich vor allem dadurch nährt, dass Hazlewood sich Ende der 70er erneut aus der Musikszene zurückzieht und seine Aufnahmen schwer zu finden sind.

1995 ist er plötzlich wieder da, als er mit Nancy Sinatra einige Konzerte auf deren Comeback-Tour gibt. Es ist eine Rückkehr in großem Stil: 1999 ist er Headliner bei Nick Caves Meltdown Festival in der Londoner Royal Albert Hall, anschließend widmet er sich der Veröffentlichung eines Albums mit neuen und weniger bekannten Stücken, das 2002 mit dem Titel "For Every Solution There's A Problem" auf den Markt kommt. Gleichzeitig erscheint auch die Tribute-Platte "Total Lee!", auf der unter anderen Lambchop, Calexico, Tindersticks, Evan Dando und Kid Loco vertreten sind. Im Jahr 2002 tritt Hazlewood auch in einigen europäischen Städten auf, u.a. erneut in der Londoner Royal Festival Hall, diesmal mit Jarvis Cocker & Friends als Support.

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Im Frühjahr 2003 kommt es sogar zu dem von vielen Fans erträumten Album-Comeback mit Nancy Sinatra. Unter der Ägide des alten Kollegen Billy Strange nehmen sie gemeinsam dreizehn neue Duette für das Album "Nancy & Lee 3" auf, das kurioserweise nur in Australien erscheint. Anschließend macht sich Hazlewood daran, sein nach eigenen Worten "letztes Album" aufzunehmen, das den Arbeitstitel "Cake Or Death" trägt. Die Idee hierzu kam ihm bereits während seiner kleinen Tournee 2002, weswegen er auch einige Gastmusiker zu sich ins Studio einladen will. Die Aufnahmen starten in Tempe, Arizona und sollten in Schweden beendet werden.

Eine Krebserkrankung wirft den Tatendrang des Sängers jedoch immer wieder zurück und so zieht Hazlewood 2004 an den Rand der Wüste ins warme Klima von Las Vegas. Im Zuge des neu erwachten Interesses an alten Hazlewood-Aufnahmen veröffentlicht EMI im selben Jahr seine alten Alben "Poet, Fool Or Bum" (1973) und "Back On The Street Again" (1977) zusammen auf einer CD. Im April 2005 unterbricht erneut ein Krankenhausaufenthalt die Arbeiten, da sich Hazlewood eine Niere entfernen lassen muss. Sein Zustand ist zunächst kritisch, die Ärzte geben aber bald Entwarnung. Sein für Sommer 2005 angekündigtes, letztes Album erscheint derweil nicht und auch sonst hört man nichts Neues aus Las Vegas.

Im Frühjahr 2006 überrascht ausgerechnet der Spaß-Arzt und frisch gebackene Solokünstler Bela B. mit einem Song, auf dem ihn der Oklahoma Man begleitet. "Lee Hazlewood & Das Erste Lied Des Tages" heißt die Nummer, für deren Aufnahme der alte Mann sogar extra nach Berlin reist. Er sei wieder bei besserer Gesundheit, weiß Bela außerdem vom Treffen mit Hazlewood zu berichten. Der Ärzte-Trommler wurde sogar zu dessen 77. Geburtstag nach Las Vegas eingeladen, erzählt er stolz im laut.de-Interview. Hazlewoods letztes Album sei bereits im Kasten und suche nur noch einen Vertrieb.

Und da spricht der Bela wahr, denn schon kurz darauf macht die Nachricht die Runde, dass jenes Werk unter dem Namen "Cake Or Death" am 8. Dezember in Deutschland veröffentlicht wird. Die erste Single daraus hört auf den Namen "Baghdad Knights" und erscheint am selben Tag. Das Album wurde in Stockholm, Berlin, Nashville und Phoenix aufgenommen und enthält neben dem Duett mit Bela auch Kollaborationen mit Duane Eddy, Al Casey, Richard Bennett, Ann Kristin Hedmark und Hazlewoods Enkelin Phaedra.

Am 4. August 2007, um 18 Uhr Ortszeit, geht das turbulente Leben von Lee Hazlewood zu Ende. Der Songwriter stirbt 78-jährig in seinem Haus in Henderson/Las Vegas friedlich im Kreise der engsten Angehörigen und Freunde.

Zwei Monate vor seinem Tod äußerte sich Hazlewood im Interview mit laut.de bezüglich dem Fortlauf seiner Krankheit realistisch: "Ich schlucke das Zeug, unmittelbar danach bin ich ein wenig weggetreten, habe dann aber sechs, sieben Stunden lang keine Schmerzen. Es ist großartig, es macht das Sterben ein bisschen leichter. Vielleicht bin ich an Weihnachten ja schon in meiner Urne." Leider behielt er im letzten Punkt Recht.

Kurz nach seinem Tod stellt Regisseur Lee Lennox das bereits zu Hazlewoods Lebzeiten geplante Video zur 2006er Version von "These Boots Are Made For Walking" fertig (siehe Surftipps).

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Promofotos Crooner und Schnauzbart-Idol Lee Hazlewood in jungen Jahren und bei einer der letzten Fotosessions 2006.

Crooner und Schnauzbart-Idol Lee Hazlewood in jungen Jahren und bei einer der letzten Fotosessions 2006., Promofotos | © BPX 1992 (Fotograf: ) Crooner und Schnauzbart-Idol Lee Hazlewood in jungen Jahren und bei einer der letzten Fotosessions 2006., Promofotos | © BPX 1992 (Fotograf: ) Crooner und Schnauzbart-Idol Lee Hazlewood in jungen Jahren und bei einer der letzten Fotosessions 2006., Promofotos | © BPX 1992 (Fotograf: ) Crooner und Schnauzbart-Idol Lee Hazlewood in jungen Jahren und bei einer der letzten Fotosessions 2006., Promofotos | © BPX 1992 (Fotograf: )
  • MySpace

    Songs, Videos und viele Freunde ...

    http://www.myspace.com/leehazlewood
  • Some Velvet Morning

    Sehr umfangreiche Fanseite.

    http://www.somevelvetmorning.net/
  • Lee Hazlewood

    Schöne Biographie und Fotos beim Label des Sonic Youth-Drummers.

    http://www.smellslikerecords.com/leehazlewood/
  • Sein letztes Video

    Geplant war der Clip bereits zu Lebzeiten: "These Boots Are Made For Walking (2007)".

    http://www.dailymotion.com/video/x3266t_lee-hazlewood-boots-original-melody_music
  • Lees 78. Geburtstag

    Juli 2007: Zu seinem 78. Geburtstag lässt Hazlewood noch einmal ein Filmteam in sein Haus.

    http://www.dailymotion.com/FourMusic/video/x32r87_lee-hazlewood-his-last-interview-ju_news

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