Porträt

laut.de-Biographie

King's X

Manch eine Combo taucht aus dem Nichts auf, und geht mit musikalischem Sperrmüll kommerziell ab wie Schmidts Katze. Andere Bands hingegen mühen sich jahrelang ab und bekommen, außer Kritikerlob und wohlwollendem Kopfnicken bei der Erwähnung des Bandnamens, kaum ein Bein auf den Boden. Ganz so schlimm sieht es im Falle King's X zwar nicht aus, aber zum Haare raufen ist es schon, dass das Trio aus Amiland trotz guter Platte nie den Durchbruch geschafft hat. Seit ihrem Debüt im Jahr 1988 pflegen sie die Rock-Gemeinde mit melodiösen Schmankerln der besonderen Art zu beglücken und trotzdem muss der Fan auch heute nach jedem Release bangen, ob es die Band nächstes Jahr noch gibt, oder ob sie in die ewigen Rockgründe eingehen wird.

1980 treffen sich drei Typen bei einem Konzert der christlichen Rockband Petra in Springfield, und gründen daraufhin eine Band namens The Edge: Ty Tabor (Gitarre, Gesang), Doug Pinnick (Bass, Gesang) und Jerry Gaskill (Schlagzeug, Gesang). Bei der Aufzählung der Instrumente dürfte aufgefallen sein, dass jeder am Gesang beteiligt ist. Zwar singt hauptsächlichg Doug die Leadvocals, aber alle drei Bandmitglieder beteiligen sich an den Background-Gesängen. Dabei entstehen Harmonien, die sonst nur von den Beatles her bekannt sind. The Edge spielen hauptsächlich Coverversionen der Pilzköpfe, U2 und Police. So musiziert die Combo sich durch die Szene in Missouri und kann auf eine kleine Fanschar stolz sein. 1983 benennen sich die drei in "Sneak Preview" um und veröffentlichen die erste, selbstbetitelte LP. Diese Platte öffnet ihnen erste Türen und ein Deal ist in Sichtweite. Für dieses Ziel ziehen sie 1985 ins größere Houston um. Zwar wurde aus dem Plattenvertrag nichts, aber ein gewisser Sam Taylor - Videoproduzent von ZZ Top - nimmt sie unter seine Fittiche. Die Umbenennung in King's X ist seine erste Amtshandlung. Er verschafft ihnen ein Showcase im Cat Club in New York, wo unter anderem die Inhaber von Megaforce, Jon und Marsha Zazula, anwesend sind, die das Trio vom Fleck weg engagieren. 1988 erscheint das Debüt "Out Of The Silent Planet" und erntet euphorisches Kritikerlob.

Mit dem Nachfolger "Gretchen Goes To Nebraska" und der daraus ausgekoppelten Single "Over My Head" bekommen sie sogar ein wenig Radio-Airplay und das Video dazu läuft auf MTV. Dieses zweite Album gilt bei vielen Fans als der Meilenstein der King's X-Geschichte schlechthin. Auch das dritte Album der Band "Faith Hope Love" feiert die Journaille ab, aber nach wie vor treten Pinnick, Tabor und Gaskill kommerziell auf der Stelle. Zwar geht die Kunde von den melodischen Rockern durch die ganze Welt, aber monetär zahlt sich das nicht aus, auch wenn das Album in die Top 100 der amerikanischen Album-Charts einzieht. Das reicht jedoch, um den Major Atlantic auf den Plan zu rufen, der die Band aus ihrem Vertrag mit Megaforce heraus kauft. Um die Platte zu supporten, gehen King's X auf ausgedehnte Welt-Tour, unter anderem als Vorband von AC/DC. Die selbstbetitelte Premiere auf Atlantic geht jedoch geheörig in die Hose. Die Verkäufe gehen im Vergleich zum Vorgänger sogar zurück und das Desaster endet im Zerwürfnis mit Produzent und "viertem Bandmitglied" Sam Taylor, die Doug Pinnick musikalisch im Track "Fool You" auf dem 1994er-Album "Dogman" verarbeitet. Für diesen Output holt man sich als Mann für die Knöpfchen Brendan O'Brien ins Boot, der schon für die Stone Temple Pilots und Pearl Jam hinter den Reglern steht. Mit "Manic Depression" ist zum ersten mal seit The Edge-Tagen eine Coverversion im Programm. Dieses mal von Jimi Hendrix. Wieder einmal schicken die drei schöne Meldoiene und griffige Rhytmen in die Welt hinaus, die jedoch beharrlich ignoriert werden. Selbst ein Auftritt beim Woodstock-Festival 1994, bei dem sie die Crowd gehörig rocken, bringt ihnen keine zusätzliche Promotion, da sie ausgerechnet an dem Tag auftreten, an dem das Fernsehen nicht überträgt.

1996 endet mit "Ear Candy" die Zusammenarbeit mit Atlantic. Trotz teils genialer Platten und atemberaubend schönem Songwriting, soll es mit der Karriere der Band nicht so recht hinhauen. Als letzter Output auf dem Major-Label erscheint die unvermeidliche Best Of-Compilation. 1998 ist das Jahr der Soloprojekte. Ty Tabor latscht alleine auf der "Moonflower Lane" während Doug und Jerry unter dem Namen Poundhound eine Platte mit dem Rekordverdächtig langen Namen "Massive Grooves From The Electric Church Of Psychofunkadelic Grungelism Rock Music" veröffentlichen. Als Trio vereint, erscheint im selben Jahr "Tapehead", das zum ersten mal in völliger Eigenregie produziert wird. Dass dies nicht auf Kosten der Kreativität geht, sollte mittlerweile klar sein und wieder gibts überdurchschnittlich guten Rock zu hören. So wie auch auf dem 2000er "Please Come Home ... Mr. Bulbous".

"Manic Moonlight" kommt - es ist fast müßig, dies zu erwähnen - bei der Presse gut an, aber mittlerweile müssen die drei ernsthaft um die Zukunft ihres Babys King's X bangen, denn irgendwoher muss die Kohle für das Essen kommen. Ty Tabor indes wandelt ein weiteres Mal auf Solopfaden und verwurstet Kummer und Qual in einem melancholisch anmutenden Album namens "Safety" (2002). "Black Like Sunday", das Nunmehr zehnte Studioalbum der Band wartet mit alten Songs auf, die noch nie zuvor auf Platte zu hören waren.

Aber King's X wären nicht ebenjene, wenn sie die Songs einfach schnöde auf Silberling klatschen würden. So nehmen sie sich den Liedern an und spielen sie nochmals komplett neu ein. Das Ergebnis zeigt, wie zeitlos die Songperlen der Amis sind. Auf der anschließenden Tour lassen sie das Band eifrig mitlaufen und werfen die Aufnahmen unter dem namen "Live All Over The Place" auf den Markt. 2005 erscheint mit "Ogre Tones" dann wieder neues Material, das spielend mit ihren Großtaten mithalten kann. Ein Jahr darauf rückt Ty Tabor sein drittes Soloalbum "Rock Garden" raus.

2006 springt Doug Pinnick für Corey Glover als Sänger bei Living Colour bei deren Europatour ein, da dieser als Judas beim Musical Jesus Christ Superstar auf der Bühne steht. Das nächste King's X-Studioalbum "XV" erscheint 2008.

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XV (2008)

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