Porträt

laut.de-Biographie

Killa Hakan

"Hip Hop kommt immer noch von der Straße." Hakan Durmus weiß, wovon er spricht, wenn er solches verkündet. Er stammt aus Kreuzberg, genauer gesagt aus dem alten Postzustellbezirk Südost 36, von dem sich die berüchtigte Straßengang 36 Boys, die einst ihren Bezirk fest im Griff hatte, die Nummer entlieh. Er ist bei der zeitweise bis zu 400 Mann starken Crew nicht nur dabei, er kämpft in der ersten Reihe. Zuweilen sind es allerdings die Jungs in genau dieser ersten Reihe, die am Ende für etliches gerade stehen müssen - auch das eine der vielen Erfahrungen, die Hakan machen muss. Er landet dem zu Folge gleichermaßen in der Kategorie "straffällig gewordener Jugendlicher" und im Knast.

Killa Hakan - Kreuzberg City
Killa Hakan Kreuzberg City
Hakan flowt in hals- und zungenbrecherischer Geschwindigkeit.
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Boe B, der zum Übervater des türkischsprachigen Raps aufsteigen soll, interessiert sich als einziges Gangmitglied für Musik. Aus seiner Ansicht, zu jeder Gruppe, die auf sich hält, gehöre Hip Hop schlicht dazu, erwächst ein Musikprojekt: Die Islamic Force, eine der ersten Rap-Crews in Deutschland überhaupt, wird zur Berliner Legende. Ihre Rhymes auf Türkisch und Englisch repräsentieren Kreuzberg in einer Weise, wie es sonst nur der "Rauchhaussong" der Ton Steine Scherben vermag. Die erste Veröffentlichung "My Melody" erscheint 1992.

Zurück in Hakans Zelle: Radio ist erlaubt. "My Melody" bildet sein Erweckungserlebnis. Ohne zu wissen, woher der Song stammt, macht er sich nach seiner Entlassung auf die Suche nach dessen Urheber. Als er im Gespräch mit Gangkollegen Boe B dahinterkommt, dass er genau diesen vor sich hat, markiert das seinen persönlichen Wendepunkt: "Seitdem leb' ich für Hip Hop." Killa Hakan packt seine Wut und seine Melancholie fortan in Reimform. In den frühen 90er Jahren stößt er zur Islamic Force und beginnt zu rappen. Die Truppe wird zum Sprachrohr einer Minderheit in Deutschland; 1997 erscheint das erste Album "Mesaj".

Es soll das einzige bleiben. Irgendwann um 2000 versetzt der unerwartete Tod Boe Bs der Szene einen schweren Schlag; es dauert Monate, bis sich die Erstarrung wieder löst. Hakan steht ohne seinen Freund und Mentor da, beschließt aber, dessen Mission fortzuführen. 2002 veröffentlicht er sein erstes Soloalbum. "Cakallar" transportiert den Geist der Straße aus vergangenen Gang-Tagen. Die Beats stammen aus der Schmiede Volkan Ts, Unterstützung am Mikrofon kommt unter anderem von Jah Sesco, Gekko, Ayaz Kaplı, Sen und Hardcorerapper Fuat. Gemeinsam mit diesem legt Killa Hakan 2003 das nächste Album ("Rapüstad") nach, das im Kreuzberger Vielklang-Studio entsteht.

"Semt Semt Sokak" (Aus dem Block auf die Straße) folgt 2005. Viele der alten Mitstreiter sind auch diesmal wieder am Start. Familie bleibt eben Familie - und Hakan bleibt Kreuzberg. Wie die Juice in ihrer Augustausgabe vermeldet, ist beim Videodreh zu "Ufak Ufak" das halbe Viertel mit von der Partie. Und weil Kreuzberger zusammenhalten, stammt das Video zur zweiten Singleauskopplung dann auch gleich von Berlinale-Preisträger Fatih Akin.

Mit "Semt Semt Sokak" feiert Killa Hakan nicht nur in Deutschland, sondern auch am Bosporus einigen Erfolg. Sein nächster Streich, "Kreuzberg City", setzt allerdings noch einmal deutlich einen drauf. "Ein deutsch-türkisches Rap-Album, wie es die Welt noch nie gesehen hat" wird versprochen. Die Gästeliste deutet darauf hin, dass die vollmundige Pressemitteilung Recht behalten könnte: Neben Rap-Star Ceza, den Killa Hakan vor Jahren auf einem Münchner Hip Hop-Festival kennenlernt und mit dem er seitdem immer wieder (zuletzt auf "Gheddo" auf Eko Freshs "Hartz IV") kollaboriert, stehen zahlreiche weitere MCs aus der Türkei auf dem Programm. Dazu gibt es Features von Samy Deluxe, Tone, Olli Banjo, Manuellsen, Jonesmann, Harris, Bintia und Crak von den Britcore-Haudegen No Remorze. Auch Sänger Ayaz Kaplı ist wieder mit von der Partie.

Das erste Video wird zu "Hersey Yolundadir", einem Track mit Beteiligung Eko Freshs, abgedreht. Für den zweiten Clip wählt Hakan "Rap Game" mit Ceza und Gekko. Ob der Schritt aus dem Untergrund in den Mainstream damit tatsächlich gelingt? Zumindest ist reichlich Potenzial vorhanden. "Kreuzberg City" erscheint im Februar 2007.

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