Porträt

laut.de-Biographie

No Remorze

"Start the part of hard, harder, hardest hardcores / Open up wicked braindoors / For the No Remorze."

Anfang der 90er schwappt aus Großbritannien eine neue Abart des Hip Hop über den Kanal, die (vorwiegend im deutschen Sprachgebrauch) bald das Etikett Britcore aufgeklebt bekommt.

Charakteristisch für das junge Genre: ein Tempo von durchgehend über 100 bpm, harte Cuts und exzessive Scratches, nicht selten finden Sprachsamples Verwendung. Energiegeladene, wütende Lyrics befassen sich - eine ordentliche Portion Militanz und Düsternis inklusive, mit gesellschaftskritischen Themen wie Gewalt, Krieg und Rassismus.

Als stilprägend erweist sich das britische Label Music Of Life: Hier stehen Hard Noise, Killa Instinct und Hijack unter Vertrag. Letztere avancieren zu den wohl bekanntesten Vertretern des Britcore, nachdem sie US-Rapper Ice T entdeckt und unter seine Fittiche nimmt. Doch auch Criminal Minded, Deliverance und Gunshot, die sich sämtlich um 1990 formieren, ziehen alles andere als spurlos an der Szene vorüber.

Weit größeren Anklang als in Großbritannien findet der Britcore allerdings in Deutschland. Besonders im Norden des Landes schießen in den frühen 90ern Crews wie Readykill oder Mental Disorda aus dem Boden.

Bremerhaven findet man zu diesem Zeitpunkt auf der Hip Hop-Landkarte nur schwer. Überhaupt bietet die Stadt außer einem ICE-Haltepunkt und einer unangenehm stark vertretenen DVU-Wählerschaft wenig Gesprächsstoff.

Zumindest in Kopfnickerkreisen ändert sich dieser Umstand erheblich, als Ende der 80er ein begnadeter Turntablist auf den Plan tritt. "Stylewarz / a cutter from the north coast / triggers, the big boss / a musical killer because he never acts wack force, wack cracks, wack shows, wack tracks / short - he knocks like the Lord."

Der Deutschamerikaner schließt sich mit seinem DJ-Kollegen Kaoz und dem kurdischstämmigen Rapper Crak zu No Remorze zusammen. Produzent TNG, "mastermind, diamond cutter / hardcore bass popper, outright outknocker / oldest school rocker, sucker shocker", komplettiert das Quartett.

Als eine der ersten Hip Hop-Acts überhaupt treten No Remorze mit zwei DJs an. Cuts und Scratches nehmen im Sound der vier entsprechenden Raum ein. Energiebündel Crak fräst sich mit unverwechselbar rrrollendem R in die Gehörgänge der Fans.

Mühelos überholen No Remorze ihr britisches Vorbild Gunshot, an musikalischer Qualität ebenso wie an Popularität. Kompromisslose Härte ist Programm, gleichermaßen im Sound wie in den Texten. No Remorze befassen sich - ohne an irgendeiner Stelle einen gutmenschelnden Eindruck zu hinterlassen - mit der Todesstrafe ("Condemned To Death") oder Kindesmisbrauch ("Slaughter Of The Lambs"). Titel wie "Fascists Must Burn" oder "Nazi Hitler Schwein" sprechen eine deutliche Sprache.

Bei allem Ernst: Die Mischung gerät, um mit Buback-Worten zu sprechen, "beinhart unterhaltsam". No Remorze "korrigieren das Bild vom weißen Mittelstands-Kid, das sich an exotischen Ghettomythen aufgeilt".

Buback übrigens, ursprünglich ein Hamburger Punk-Label, positioniert sich 1992 mit der Veröffentlichung des "Kill The Nation With A Groove"-Samplers auch auf dem Gebiet Deutsch-Hip Hop. Die elf Tracks starke Compilation, auf der neben No Remorzes "Killa Squad" unter anderem Advanced Chemistry und die (zu dieser Zeit tatsächlich noch Absoluten) Beginner vertreten sind, dokumentiert die Anfang der 90er in der Szene herrschende Aufbruchsstimmung.

"Joining Forces Volume 1" kommt ebenfalls 1992 bei MZEE heraus. No Remorze steuern die Tracks "Dark Malice" und "Complaint To Those Who Sold Out Hip Hop" bei. Die 12" "Condemned To Death On Da Day Da Lights Went Out" erscheint bei Buback, das 1995 folgende Album "The End" (selbstverständlich auch als DJ-freundliche Instrumentalfassung erhältlich) wieder bei MZEE, ebenso die Maxi "Slaughtering MCs".

Auf "The Goodie Ones" von 1996 folgt zwei Jahre später ein B-Boy-Beats-Album. Eine aktualisierte Fassung von "Dark Malice" findet sich auf dem Soundtrack des 1998 in die Kinos kommenden Spielfilms "Der Eisbär".

In den folgenden Jahren wird es still um No Remorze, entgegen anders lautender Gerüchte hat sich die Crew allerdings nie offiziell aufgelöst. "Wir haben lediglich einige Zeit lang nicht gemeinsam Musik gemacht", so DJ Stylewarz.

Die Wiederauferstehung von No Remorze auf dessen Album "The Cut" von 2002 sorgt allerdings dennoch für einigen Wirbel. Ein neues No Remorze-Album sei in Arbeit, so heißt es. Es wird allerdings 2004, bis "Crunchtime" erscheint; kein Album zwar, doch immerhin eine Maxi mit vier neuen Tracks.

Auf DJ Kaoz' Label Sicknoize Records erscheint 2012 das lange versprochene Debüt des Brüderpaars von Mob. Inc. Crak entsteigt im gleichen Jahr ebenfalls wieder der Versenkung und kündigt sein Solo-Debüt an.

Bis "Yetkili" - bis auf eine Ausnahme komplett auf Türkisch - dann aber tatsächlich erscheint, zeigt der Kalender schon März 2013. Kaoz und Stylewarz mischen auf dem Album beide mit. No Remorze sind also nach Jahren der Abwesenheit fast komplett wieder am Start.

"I bet yet you want more", hieß es einst in "Remorse? No!" (auf "The End", 1995). Diese Wette gewinnen No Remorze jedoch nach wie vor.

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