Porträt

laut.de-Biographie

Jeffrey Lee Pierce

Wie Townes Van Zandt oder Vic Chesnutt gehört Jamie Lee Pierce zu jenen talentierten und introvertierten, von Sucht und Depression gemarterten Musikern, die unter Kollegen hohes Ansehen genossen, dem großen Publikum aber fremd blieben. Und die schließlich an ihrem Lebenswandel zugrunde gingen.

Jeffrey Lee Pierce - Session Project: We Are Only Riders Aktuelles Album

1958 in der San Fernando Valley bei Los Angeles geboren, kommt Pierce als Vorsitzender des US-Fanclubs von Blondie 1980 mit Kid Congo Powers, dem Vorsitzenden des US-Fanclubs der Ramones, zusammen. Musikalisch verknüpfen sie Delta-Blues und Country mit einer Punk-Attitüde, die ihnen erst als Creeping Ritual, dann als Gun Club eine treue Fanschar einbringt.

Zwar springt Powers vor der Aufnahme des ersten Albums ab, steht aber im weiteren Verlauf der Bandgeschichte immer wieder an Pierces Seite. Das Debüt "Fire Of Love" erscheint 1981 und ist ein Erfolg. Auf dem folgenden "Miami" (1982) ist auch Blondie-Frontfrau Debbie Harry zu hören. Der hohe Drogen- und Alkoholkonsum hinterlässt in den folgenden Jahren seine Spuren, wie an den zahlreichen Mitgliederwechseln und zahllosen, meist schlechten Bootlegs abzuleiten ist.

Nach "The Las Vegas Story" ist 1984 erst mal Schluss. Pierce veröffentlicht 1985 mit "Wildweed" ein eher kommerziell orientiertes Soloalbum, bevor er Powers, mittlerweile Mitglied von Nick Caves Bad Seeds, zurückholt und Gun Club neu gründet. Am Bass steht nun seine japanische Freundin Romi Mori. Während "Mother Juno" (1986) als eines der besten Alben der Band gilt, zeigen sich auf "The Pastoral Hide & Seek" (1990) Ermüdungserscheinungen, worauf Powers die Band endgültig verlässt.

"Ramblin' Jeffrey Lee and Cypress Grove with Willie Love" (1992) enthält hörenswerten traditionellen Blues, mit "Lucky Jim" erscheint 1993 eine weitere Scheibe von Gun Club. Dann verlässt Mori Pierce, der sich daraufhin wieder dem Alkohol und den Drogen zuwendet. "Ich übersäe meine Arme mit Narben und warte auf den baldigen Tod", erklärt er in den folgenden Jahren, in denen er an seiner Autobiographie "Go Tell The Mountain" schreibt.

Das Buch erscheint posthum 1998, denn am 31. März 1996 ist es soweit: Nachdem seine Leber aufgehört hat zu funktionieren, stirbt Pierce im Alter von 37 Jahren an einem Hirnschlag.

Während er in der Öffentlichkeit bald in Vergessenheit gerät, bleibt sein Ansehen unter Kollegen hoch. Als Cypress Grove 2006 ein Demotape Pierces entdeckt, begeben sich ehemalige Weggefährten ins Studio und ergänzen die Originalspuren. Mit von der Partie sind unter anderen Nick Cave, Mark Lanegan, Lydia Lunch, Debbie Harry und Henry Rollins, die unter dem Namen Jeffrey Lee Pierce Sessions Project Anfang 2010 das hörenswerte Album "We Are Only Riders" veröffentlichen.

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