Porträt

laut.de-Biographie

Townes Van Zandt

Sometimes I don't know where this dirty road is taking me
Sometimes I can't even see the reason why
I guess I keep on gamblin', lots of booze and lots of ramblin'
It's easier than just a-waitin' 'round to die
(Waitin' Around To Die, 1968)

"Manchmal weiß ich nicht, wohin mich dieser Weg führt / manchmal erkenne ich keinen Sinn / ich nehme an, ich werde weiterzocken / viel saufen und weiter wandern / es ist besser, als nur rumzuhängen und auf den Tod zu warten" - im Alter von 24 Jahren für sein erstes Album aufgenommen, ist "Waitin' Around To Die" eines der vielen autobiografischen Lieder, die Townes Van Zandt im Laufe seiner durchwachsenen Karriere nicht nur gesungen, sondern auch vorgelebt hat.

1944 in Forth Worth, Texas geboren, stehen dem jungen Townes alle Türen offen: Seine wohlhabende Familie ist im Erdölgeschäft, seine Vorfahren gehören zu den Gründern des Staates und sind Erstunterzeichner seiner Verfassung, ein County und eine Universität sind nach ihnen benannt. Schon früh zeichnen sich jedoch psychische Probleme ab. Die Diagnose lautet "manische Depression mit schizophrenen Neigungen": während seiner Pubertät verbringt Van Zandt mehrere Jahre in Nervenheilanstalten.

Die Geister, von denen er sich verfolgt fühlt, begleiten ihn sein ganzes Leben lang. Er gibt sein Jurastudium auf, beschließt, Country-Sänger zu werden und zieht Anfang der 60er Jahre nach Houston. Dort hält er sich mehr schlecht als recht über Wasser und versucht sogar, als Soldat für den Vietnam-Krieg anzuheuern. Bei der Aufnahmeprüfung fällt er jedoch durch.

1968 nimmt er in Nashville mit Johnny Cashs Produzenten das Album "For The Sake Of The Song" auf. Die Themen werden bis zum Schluss die gleichen bleiben: introspektive, poetische, selten triviale Texte über den (fehlenden) Sinn des Lebens, raufboldige Sauflieder und beklemmende Geschichten, die an den frühen Bob Dylan erinnern. Alles vorgetragen mit einer ruhigen, etwas nörgeligen Stimme und, bei besseren Produktionen, mit einfacher Gitarrenbegleitung. Das Ergebnis ist stets in großen Mengen Alkohol getränkt.

Van Zandts unsteter Lebenswandel schlägt sich auf sein Künstlerdasein nieder: Alben erscheinen unregelmäßig bei verschiedenen obskuren Labels und er tourt nahezu unterbrechungslos, um sich und seine wechselnden Frauen zu ernähren. Seine Auftritte sind launisch wie er selbst: manchmal überragend und Herz ergreifend, andere Male nicht auszuhalten. Des öfteren ist er so krank und betrunken, dass er auf der Bühne zusammenbricht.

Bekannt wird sein Name schließlich Ende der 70er Jahre, als Emmylou Harris sein "Pancho and Lefty" covert. Mit ihrer Version des gleichen Songs schaffen es Merle Haggard und Willie Nelson 1983 sogar auf die Nummer eins der Country Charts, zwei Jahre zuvor hatte "If I Needed You", auch diesmal in der Interpretation von Emmylou Harris, die Nummer drei erreicht.

Die 80er Jahre gehen jedoch ohne Regung an ihm vorbei, bis er 1987 "At The Window" aufnimmt. Finanziell auf einigermaßen trockenem Boden und in den festen Händen seiner dritten Ehefrau Jeanene, kann er sich wieder verstärkt der Musik widmen. Es ist so etwas wie ein Neuanfang, auf den weitere Alben und Tourneen folgen. Ein Titel wie "In Pain" für eine Liveaufnahme aus dem Jahre 1996 lässt jedoch kaum Zweifel an seinem Zustand zu.

Am 31. Dezember 1996 stirbt Van Zandt in Folge einer Hüftoperation an einem Herzinfarkt. Mit 52 Jahren wird er das, was er zu Lebzeiten nie war: eine Legende. Verschiedene Künstler treffen sich zu einer Jam Session, um Geld für seine Familie zu sammeln, darunter Cowboy Junkies sowie Country-Größen Jimmie Dale Gilmore und Joe Ely. 1999 erscheint mit "A Far Cry From Dead" ein posthum fertig gestelltes Album mit Neuaufnahmen seiner "Hits". Die einfachen und wirkungsvollen Arrangements sowie die hohe Klangqualität machen es zum idealen Einstiegsalbum für diejenigen, die Townes Van Zandt noch nicht kennen.

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