Porträt

laut.de-Biographie

Vic Chesnutt

Albumtitel wie "Drunk", "About To Choke" oder "At The Cut" zeugen nicht gerade von einer Einstellung auf der Sonnenseite des Lebens. In der Tat durchdringt Vic Chesnutts Musik eine bleierne Schwere, die nur schwer zu fassen ist.

1964 geboren, wächst er in Zebulon, Georgia bei musikalisch aktiven Adoptiveltern auf und beginnt schon als Kind, Lieder zu schreiben. Nach ersten Erfahrungen in Bands ist er 1983 in einen schweren, Alkohol-bedingten Verkehrsunfall verwickelt, den er als Querschnittsgelähmter überlebt. Fortan bewegt sich Chesnutt im Rollstuhl.

Er zieht nach Athens, wo er ein Literaturstudium aufnimmt. Dort ist er in der lokalen Musikszene tätig, zu der auch R.E.M. gehören. Michael Stipe nimmt sich seiner an und produziert seine ersten zwei Alben "Little" (1990) und "West Of Rome" (1992).

Trotz seiner Behinderung verheiratet, läuft es karrieretechnisch für Chesnutt ohne Unterbrechungen gut: Er geht auf Tour mit Giant Sand, hilft Lambchop auf die Sprünge und verpflichtet sie als Begleitung für sein Album "The Salesman And Bernadette" (1998). Mit Widespread Panic nimmt er auch zwei Album unter dem Namen brute auf.

Den größten Bekanntheitsgrad erreicht er 1996 mit der Compilation "Sweet Relief II: Gravity Of The Situation", auf der R.E.M., Madonna, Kristin Hersh, Garbage, Smashing Pumpkins und andere Lieder von ihm interpretieren. Die Einnahmen gehen an eine Organisation, die sich um die medizinische Verpflegung notleidender Musiker kümmert. Zu ihnen gehört auch Chesnutt, der sein Leben lang an den folgen des Verkehrsunfalls leidet.

Mit "At The Cut" stellt er im September 2009 sein 13. Soloalbum vor, das er mit Mitgliedern von Silver Mt. Zion einspielt. "Ich hatte so viele Höhepunkte in meiner Karriere, dass ich sie nicht mal mehr aufzählen kann. Es sind fast so viele wie Sand am Meer. Kaum zu glauben. Ich habe viel Glück – zumindest, was den Rock'n'Roll angeht", fasst Chesnutt in einem Interview seinen Werdegang zusammen.

Im Alltag stellt sich die Sache anders dar: nur drei Monate nach dem Erscheinen von "At The Cut" nimmt sich Vic Chesnutt am ersten Weihnachtsfeiertag mit einer Überdosis Beruhigungsmittel das Leben. Er sei vor allem seiner Schulden wegen verzweifelt gewesen, heißt es: Nach mehreren Operationen hatte eine Klinik dem nach seinem Unfall schwerbehinderten Musiker, der sich nie eine Krankenversicherung leisten konnte, 70.000 Dollar für Behandlungskosten in Rechnung gestellt.

News

Alben

Vic Chesnutt - At The Cut: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2009 At The Cut

Kritik von Giuliano Benassi

Melancholisch, todtraurig, selten heiter - aber kein Gramm verkünstelt. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare