Porträt

laut.de-Biographie

J.J. Cale

Nach dem Musiker befragt, der er gerne sein würde, antwortet Eric Clapton in einem Interview: "J.J. Cale. Er ist einer der großen Meister der letzten drei Jahrzehnte". Die Huldigung fällt kaum überraschend aus, stehen drei von Claptons größten Hits in direktem Zusammenhang mit Cale. So stammen "After Midnight" und "Cocaine" aus seiner Feder, während "Lay Down Sally" Claptons Versuch darstellt, Cale so ähnlich wie möglich zu klingen. Dass er eher durch Coverversionen seiner Stücke als durch die Originale bekannt wurde, ist Cale von Anfang seiner Karriere an recht. "Schick mir das Geld und lass die jüngeren Kerle berühmt werden", erklärt er 1970 nach seinem ersten Erfolg.

J.J. Cale: "Cocaine"-Komponist gestorben Aktuelle News
J.J. Cale "Cocaine"-Komponist gestorben
Eric Claptons Hit-Lieferant und "Tulsa Sound"-Erfinder J.J. Cale ist im Alter von 74 Jahren gestorben.

1938 in Oklahoma City als John W. geboren, wächst Cale in Tulsa auf, wo er sich früh für Musik, insbesondere für die Gitarre, interessiert. Ende der 50er Jahre entwickelt er mit Leon Russell den Tulsa-Sound, eine Mischung aus Rock'n'Roll, Blues und Country. Zuerst habe er versucht, den Stil von Ein-Saiten-Blues-Spielern wie Clarence Brown oder Bill Butler zu imitieren. Später kamen Chet Atkins, Les Paul und Chuck Berry hinzu. "Es klappte nicht, so habe ich mein eigenes kleines Ding erfunden", erzählt er über seinen als "laid back" bekannten Stil: Nicht unbedingt langsam, aber entspannt und ohne Einschränkungen, den eigenen Vorstellungen folgend.

Nach einem Aufenthalt in Nashville zieht er 1964 nach Los Angeles. Neben gelegentlichen Auftritten im Kult-Club Whiskey A-Go-Go verdingt er sich als Toningenieur und bringt 1965 mit den Leather-Coated Minds "Take A Trip Down Sunset Strip" heraus. Das Album macht zwar keinen Stich, enthält mit "After Midnight" aber den Grundstein seiner späteren Karriere. Kurz danach verlässt er Los Angeles und zieht zurück nach Tulsa, wo er sich ein Studio einrichtet und mit seiner legendären umgebauten Harmony-Gitarre erste eigene Lieder aufnimmt.

1968 versucht er kurz sein Glück in Nashville, kehrt aber unverrichteter Dinge nach Tulsa zurück. 1970 steht "After Midnight" plötzlich in den US-Top 20. Interpret: Eric Clapton. Aus dem unverhofften Erfolg entsteht ein kurioses Telefongespräch mit Audie Aushworth, dem Produzenten, mit dem er in Nashville gearbeitet hatte. "Es ist an der Zeit, endlich mal eine Offensive zu starten", versucht er Cale zu überreden. "OK, ich nehme eine Single auf" - "Aber der Markt verlangt ein Album" - "Ich habe aber nicht genügend Stücke" - "Dann musst du halt welche schreiben". Drei Monate später ruft Cale zurück und verkündet: "Ich habe die Songs".

In Nashville nehmen sie das Material auf, Ashworth hinterm Mischpult und Cale an allen Instrumenten bis auf das Schlagzeug. So entwickelt sich das typische Vorgehen Cales im Studio: Erst nimmt er das Rohmaterial auf, dann lädt er Musiker ein, um es zu verfeinern, schließlich verbringt er endlos viel Zeit, um alles zusammen zu fügen. Sein Debüt "Naturally" erscheint 1972 und enthält mit "Crazy Mama" seinen größten Hit unter eigenem Namen (Position 22 in den Charts). "Really" (1973) und "Oakie" (1974) festigen seinen Ruf als eigenwilliger Musiker, der sich abseits jeglicher Mode auf seinen Musikstil konzentriert, zurückgezogen lebt und kaum etwas von sich preisgibt.

Der Halley-Komet käme öfter vorbei, als Cale zu einem Interview, frotzelt ein Journalist, der wie die meisten seiner Kollegen auf Granit beißt, wenn es um persönliche Umstände geht. Das einzige, worüber Cale gerne redet, ist sein Studioequipment. "Wenn Cale seine Lieder schreiben und seine Platten aufnehmen könnte, ohne jemals sein Gesicht zu zeigen, würde er es wahrscheinlich so tun", ist im Booklet zu "The Very Best of J.J. Cale" (1998) zu erfahren.

1975 zieht er nach Nashville, wo er mit seinem Produzenten Ashworth ein neues Studio baut. Er selbst lebt zurückgezogen bei einem See und kauft sich einen Wohnwagen, mit dem er ab und zu verschwindet. Das Studio nutzt er vor allem für sein eigenes Material, arbeitet aber auch mit Neil Young und Art Garfunkel zusammen. Seinen Unterhalt verdient er hauptsächlich mit den Tantiemen, die seine Lieder in der Interpretation anderer einbringen. Mit seinem "Call Me The Breeze" gelingt etwa Lynyrd Skynyrd 1976 ein Hit.

Im selben Jahr erscheint "Troubadour", das zwar keine Aufmerksamkeit erweckt, aber "Cocaine" enthält. 1978 feiert Clapton damit einen großen Erfolg, Cale sieht darin aber kein Anlass, seine Karriere wieder zu beleben. "5" erscheint erst 1979 und bleibt mit der Ausnahme von "Sensitive Kind" unbeachtet, das sich in den Fingern Santanas in der US-Top 50 platziert.

Nachdem er sich 1980 mit seinem Wohnwagen in einem Trailerpark bei Anaheim, Kalifornien angesiedelt hat, veröffentlicht Cale "Shades" (1981), "Grasshopper" (1982) und "8" (1983), die lediglich in Europa auf gedämpftes Interesse stoßen. Den Rest der 80er Jahre verbringt er nach eigenen Angaben mit "Fahrrad fahren, Rasen mähen am Samstag sowie Rap und Van Halen". In der ersten Hälfte der 90er Jahre meldet er sich mit "Travel-Log" (1990), "10" (1992) und "Close To You" (1994) wieder zurück. Mittlerweile mit Kult-Staus behaftet, zieht er sich in eine unwirtliche Gegend im südlichen Kalifornien zurück, um seine Ruhe zu haben. Er lässt sich eine wertvolle Martin-Gitarre bauen und bringt ein Album mit dem entsprechenden Titel "Guitar Man" (1996) heraus.

Seinen Plan, wieder mit Ashworth zusammenzuarbeiten, macht der plötzliche Tod des Produzenten zunichte. Nach seinem ersten Livealbum "J.J. Cale Live" (2000) begibt er sich wieder nach Tulsa, wo er alte Mitstreiter zusammen trommelt und seine dreizehnte Studiomühe "To Tulsa And Back" (2004) aufnimmt.

Sein nächstes Projekt ist die Verwirklichung eines Traumes, an die nicht einmal eingefleischte Fans geglaubt hätten: Gemeinsam mit seinem Verehrer Clapton veröffentlicht er Ende 2006 das Album "The Road To Escondido". Der Erfolg ist riesig, Cale lässt sich sogar zu dem einen oder anderen Interview hinreißen.

Anschließend zieht er sich wieder zurück und überarbeitet unveröffentlichte Aufnahmen aus den Jahren 1973 bis 1983, die ihm Ashworths Witwe in einem Karton übergeben hat. Das Ergebnis ist "Rewind - Unreleased Recordings", (2008). Mit "Roll On" beweist er ein Jahr später, dass er immer noch in der Lage ist, überzeugendes neues Material zu liefern. Auf dem Titeltrack unterstützt ihn sein alter Kumpel Clapton. Es sollte Cales letztes Album sein: Am 26. Juli 2013 stirbt der einflussreiche Musiker in einem Krankenhaus in Kalifornien an einem Herzinfarkt. J.J. Cale wurde 74 Jahre alt.

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JJ Cale - Roll On: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2009 Roll On

Kritik von Giuliano Benassi

Der Titel passt wie die Faust aufs Auge. (0 Kommentare)

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