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Big Boi

Im Schatten eines geschätzten Kreativlings, der es in den Augen der Öffentlichkeit vom bloßen Rapper zum ernstzunehmenden Künstler geschafft hat, möchte man nicht stehen. Auch Big Boi nicht.

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Antwan André Patton, Teil einer der einflussreichsten und innovativsten Gruppen des Hip Hop-Genres, war immer selbst zu einfallsreich, zu eigenwillig und zu talentiert, um neben seinem schillernden Outkast-Partner André 3000 nur die graue Maus zu geben. Vielleicht hatte dieser Big Boi Hip Hop auch einfach zu gern, um die Jerseys und breiten Hosen dauerhaft gegen bunte, schicke Anzüge einzutauschen.

Seit Outkasts Welterfolg stilisieren Kritiker André 3000 zur überkreativen Künstlerpersona hoch. Dabei geht der Einfluss der Crew stets zu gleichen Teilen auch auf seinen Partner Big Boi zurück. Vielleicht ist es sogar ihm zu verdanken, dass Outkast überhaupt über Jahre hinweg ihren progressiven Vorstellungen von Hip Hop nachgehen. Was ihm an Verrücktheit gegenüber André fehlt, macht er mit geschäftlichem Eifer wett.

Während André nach der Veröffentlichung des vierten Studioalbums "Stankonia" mit Hilfe von Yoga und Saxophon-Stunden Selbstfindung betreibt, kümmert sich Big Boi musikalisch wie geschäftlich um das Vermächtnis der Crew.

Freigeist André macht es seinem Kumpel, der immer auch Geschäftsmann war, dabei nicht leicht. Von Trennung ist oft die Rede. "Ich versuche, einen Weg aus dieser Musik zu finden. Ich hab' die Schnauze voll davon. In einer Gruppe musst du ständig Kompromisse schließen. Das ist verdammt stressig", erklärt André 2003 etwa dem TIME Magazine.

Doch Big Boi hält weiter zu ihm und wartet mit seiner Hälfte "Speakerboxxx", bis auch Dré seinen Teil "The Love Below" fertig gestellt hat und sie beide Soloalben als gemeinsame Doppel-CD veröffentlichen können. Das Ergebnis enttäuscht nicht. "Speakerboxxx / The Love Below" stürmt die Charts, was vor allem an Drés Singles "Hey Ya!" und "Roses" liegt.

"The Love Below" bricht zu neuen musikalischen Ufern auf, während Big Boi mit "Speakerboxxx" ein klassisches Outkast-Album abliefert. Seine Single "The Way You Move" zeigt jedoch, dass solche Longplayer ebenfalls kommerzielles Potenzial besitzen. Auch sein Track chartet, so dass von Futterneid im Hause Outkast erst einmal keine Rede sein kann.

Nach dem Album- und Film-Projekt "Idlewild", bei dem sich das Duo die Arbeit an der Platte und die Hauptrollen im Film teilt, trennen sich die Wege erneut. André findet an der Schauspielerei Gefallen, Big Boi hingegen kümmert sich um das in Vergessenheit geratene eigene Label Aquemini Records. Kurzerhand benennt er es in Purple Ribbon Records um und schart dort Künstler wie Killer Mike, Bubba Sparxxx, Sleepy Brown und Janelle Monae um sich.

Seine Hip Hop-Leidenschaft lässt ihn trotz der ausbleibenden Großerfolge seiner Plattenfirma nicht los. Big Boi bleibt willkommener Feature-Gast auf diversen Rap-Tracks. Außerdem stellt der Mann aus Atlanta ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Atlanta Ballet auf die Beine, bei dem er Ballettänzer zu Live-Hip Hop tanzen lässt.

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Den Fans, die mit derlei Firlefanz nichts anfangen können, serviert Big Boi bald einen gehörigen Schuss vor den Bug. Als im Netz die Single "Royal Flush" mit seinem Outkast-Partner André 3000 und Wu-Tang-Recken Raekwon auftaucht, müssen sich selbst die Zweifler eingestehen, dass Big Boi von seinem Talent absolut nichts eingebüßt hat.

Die beinharte Nummer diente inhaltlich wie qualitativ als Vorbote der Solo-Scheibe "Sir Lucious Left Foot: The Son Of Chico Dusty", die Big Boi im Sommer 2010 unters Volk bringt. Infolge diverser rechtlicher Querelen zwischen den Labels darf André 3000 hier nicht in Erscheinung treten.

Big Boi präsentiert sich aber auch ohne seinen Outkast-Partner als knallharter Battle-Rapper mit einem Swagger, der so tief im Mark steckt, dass es Kollegen, die sich dieses Schlagwort in den vergangenen Jahren auf die Fahnen geschrieben haben, angst und bange wird.

Bis zum nächste Alleingang dauert es nicht ganz so lange: Schon 2012 legt Big Boi nach. Bei der Veröffentlichung von "Vicious Lies and Dangerous Rumors", auf dem unter anderem A$ap Rocky, Ludacris, T.I., Killer Mike und Sarah Bartel, Sängerin von Phantogram, zu Gast sind, macht er die Münder seiner Fans erneut wässrig: Zehn Tracks des nächsten Albums habe er zu diesen Zeitpunkt schon fertig gestellt.

Big Bois Schaffen bezirzt insbesondere seiner Kontraste wegen. Reichlich Pomp trifft auf rohe Gewalt. Die Reise führt vom Schlafzimmerteppich zu den Sternen und zurück. Man hätte es aber nicht mit einem "official ATLien" zu tun, wäre unterwegs nicht der eine oder andere Abstecher in den Stripclub drin.

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