Porträt

laut.de-Biographie

Balbina

Dank postironischer Sängercharaktere wie Dagobert gilt selbst Schlager in den 2010ern als leidlich cool. Die Pop-Grenzen zum einstigen Feindbildgenre weichen längst nicht mehr nur zu Fußball- oder Karnevalsfesttagen auf. Die Zeit scheint 2015 folglich überreif für Balbina.

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Da nämlich erscheint das zweite Album der in Warschau geborenen Balbina Monika Jagielska. Unterstützt vom Label Four Music setzt die exzentrische Popsängerin dazu an, die Regeln des Geht/Gehtnicht des Musikgeschäfts ein wenig zu verkehren.

Denn Balbinas Version von Pop besitzt keinerlei Berührungsängste: Ihre bewusst einfach gehaltene Musik wurzelt in den Halbschatten von Schlager, Kammermusik und Hip Hop. Als wäre diese Mischung nicht schon merkwürdig genug, pflegt die Berlinerin, die in den Hochhaussiedlungen von Moabit und Neukölln bei ihrer Mutter aufwächst, zudem jederzeit eine unumwundene Liebe zum Melodramatischen, zur großen Inszenierung.

Spiegel Online schreibt anlässlich des Zweitwerks "Über Das Grübeln": "Balbina arbeitet dramaturgisch mit Sprache, zerdehnt und verbiegt ihre oft viel zu langen Sätze und Worte in die Musik, wie es sonst nur Hip Hop-Künstler tun - oder Gesangs-Enigmata wie Herbert Grönemeyer und Nina Hagen. Beide gehören nicht umsonst zu ihren Vorbildern." Besagter Grönemeyer nimmt sie 2015 sogar ins Vorprogramm seiner Tournee.

Schon als Kind weiß Balbina um ihre Neigung zum Theatralischen. Inspiriert von Whitney Houston übt sich der Jahrgang 1983 nicht nur in "I Will Always Love You"-Karaoke, sondern schreibt eigene Songs für eine "Peter Pan"-Aufführung in der Schule. Sie liebt die Oper. Im Deutschunterricht brilliert das märchenaffine Kind mit einem alternativen Ende für Max Frischs "Homo Faber".

Die Mitschüler können unterdessen wenig mit Balbinas exzentrischer Ader anfangen. "Ich war immer die Weirde, die liest und für sich ist", beschreibt die Sängerin. Eine ganze Zeit lang habe sie sich deshalb vor allem bemüht, nicht aus der Masse hervorzustechen.

Mit der Volljährigkeit folgt der Gang in die Selbstständigkeit. Balbina knüpft Kontakte mit dem Berliner Hip Hop-Label Royal Bunker. Noch mehr als in ihren Teenagertagen beschäftigt sie sich mit deutschen Rap. M.O.R., Fumanschu oder Prinz Pi gehören zu ihren Favoriten, denn die Möglichkeit, lange Texte in kurzen Tracks unterzubringen, fasziniert sie.

Sich ihrer überaus wandelbaren Stimme bewusst, schlägt sie eine Laufbahn als Studiosängerin ein. Sie komponiert gemeinsam mit dem studierten Jazz-Saxofonisten und Multiinstrumentalisten Nikolas Rebscher. 2011 folgt das Elektropop-Debüt "Bina". Schon da erhält sie für ihre ungewöhnliche Stimme und die noch ungewöhnlicheren Texte einige Aufmerksamkeit.

Die Texte: Balbina liebt wie wenige das Verspielte der deutschen Sprache. Sie schreibt halb geträumte Lieder über Seife und Pechsträhnen, in denen Zeilen vorkommen wie: "Ich muss was gegen das Nichtstun tun / Denn das Nichtstun tut mir gar nicht gut." Die Berlinerin bemüht sich darum, in ihren Aphorismen und Wortspielen die losen Gedanken des Alltags einzufangen. Dabei schreckt sie keineswegs vor vermeintlichen Banalitäten oder Infantilitäten zurück.

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Sie singt über Goldfische, Teddybären und Flecken, die "vielleicht mit Seife wieder rausgehen". Zeilen vom bekannten Waschmittel wechseln sich mit solchen über windresistente Haarsprays ab. In den Musikvideos gibt sich die Sängerin mit ausgefallenen Kleidern, strengem Dutt und starker Symbolsprache weitaus verkünstelter als das um Unmittelbarkeit bemühte Gros des Deutschpops.

Dass ihre Alltagsbeobachtungen zwischen Einkaufszettel und Sonntagnachmittagphilosophie nicht jedem gefallen, weiß Balbina selbst am besten. Sie erklärt: "Musik ist wie Oliven, da müssen sich die Leute dran gewöhnen. Aber die Plattenfirmen setzen den Leuten immer nur Weißbrot vor. Und dann essen halt auch alle das Gleiche, weils von links und rechts und von oben Weißbrot regnet. Aber eigentlich suchst du die Olive."

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So 19.11.2017 Stuttgart (Club Cann)
Mo 20.11.2017 Heidelberg (Karlstorbahnhof)
Di 21.11.2017 München (Strom)
Do 23.11.2017 Aarau (Kiff)
Fr 24.11.2017 Augsburg (Musikkantine)

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