Porträt

laut.de-Biographie

Arcade Fire

Wer sich im Musikbusiness bewegt und David Bowie als Fürsprecher gewinnt, hat schon halb gewonnen. Dies gelingt der kanadischen Band Arcade Fire im Jahr 2005. Der Thin White Duke knüpft einen seiner seltenen Auftritte an die Bedingung, mit seiner Neuentdeckung Arcade Fire auf die Bühne zu dürfen. Gesagt getan: Auf einer Charityveranstaltung während der New York Fashion Week für die Opfer von Hurrikan Katrina spielen sie gemeinsam "Wake Up" von Arcade Fires Debütalbum "Funeral" (2004) sowie die Bowie-Klassiker "Life On Mars?" und "Five Years".

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Doch nicht nur Bowie fühlt sich sofort von dem Sound der Kanadier angezogen: Auch U2 und Chris Martin erklären sich öffentlich zu Fans. Das Prädikat "stilbildend" verdienen nur wenige Bands der Pop-Geschichte. Arcade Fires folkiger Indie-Rock mit einem bis dato ungewöhnlichen Mix musikalischer Einflüsse von Klassik bis Artrock trifft den Nerv der Nullerjahre wie kaum eine andere Gruppe.

Die Erfolgsgeschichte beginnt, als es Win Butler, einen texanischen Gitarristen, im Jahr 2000 in die Ferne zieht. Vom mäßigen Erfolg seines Bandprojekts Arcade Fire enttäuscht, verschlägt es ihn nach Montreal, wo er auf die Multi-Intrumentalistin Régine Chassagne trifft, den zweiten Pol einer neuen Band, die den früheren Namen behalten soll.

Chassagnes familiäre Wurzeln liegen auf Haiti. Ihre Eltern flohen in den 60er Jahren, um dem Regime von Diktator Duvalier zu entfliehen. Nach einer Zwischenstation in Chicago landet die Familie in Montreal, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Québec. Dort wächst Régine zur Musikerin heran.

Arcade Fire - Reflektor
Arcade Fire Reflektor
Angekommen im Herzen der Popmusik.
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Auch über die Musik hinaus lernen sich Butler und Chassagne kennen und lieben. Sie heiraten im August 2003. Aus der ungezwungenen Band-Idee der zwei Musikbegeisterten erwächst nach und nach eine fünfköpfige Formation, die sich im September des Jahres an die Aufnahmen für ihr erstes Album macht.

Nur Wins kleiner Bruder William, der zwischenzeitlich nach Montreal kam und den Platz für Synthesizer und Percussion einnimmt, muss nach Texas zurückkehren. Er ist noch schulpflichtig, weshalb er zwar nicht an den Aufnahmen beteiligt ist, jedoch weiterhin Teil der Band bleibt.

Die Spannung, die aus den unterschiedlichen Hintergründen der Musiker erwächst, prägt den experimentellen Sound des Erstlings "Funeral". Rohe Gitarrenriffs, zarte Geigen, Klavier und Glockenspiel durchziehen langsam-melancholische sowie epische und fröhliche Songs. Der erdig-experimentelle Ansatz der Band, verfeinert mit Streichern, Xylophon oder Akkordeon, wird zu einem Paradigma der kanadischen Indie-Szene.

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  • 09 Jul
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Abgesehen von den fünf Kernmitgliedern erscheinen auf dem Debütalbum einige befreundete Musiker, um für die nötige Klangfülle zu sorgen. Die Geigerin Sarah Neufeld ist bei Konzerten seither ebenfalls fester Bestandteil der Band. Mit Owen Pallett gesellt sich ein zweiter Violinist dazu. Ebenfalls ein festes Zuhause findet Schlagzeuger Howard Bilerman, den allerdings schon 2005 Jeremy Gara ersetzt.

Dass das Konzept folkig-verschrobenen Indie-Rocks nach allen Seiten offen ist, zeigen Arcade Fire auch im 2007 erscheinenden Nachfolger "Neon Bible". Die Band klingt kompakter, ohne dabei an Ideenlosigkeit zu leiden. So ziert beispielsweise eine Kirchenorgel das Stück "Intervention". Das passende Umfeld ist ihre "Petite Église" jedenfalls: Für die Aufnahmen zum Album, verwandelten die Kanadier eine alte Kirche in ein Tonstudio.

Der Erfolg bleibt nicht aus: Nachdem Arcade Fire bereits 2006 für zwei Grammys nominiert wurden, erhält "Neon Bible" eine Nominierung als "Best Alternative Music Album". Dennoch wiederholt das Zweitwerk trotz erneut sehr positiver Resonanz nicht ganz den durchschlagenden Erfolg des Vorgängers. Der Hype um das Kollektiv legt sich allerdings keineswegs. Die Fans rund um den Globus erfreuen sich weiterhin an der Originalität der Band.

Vorab veröffentlichte Tracks des dritten Albums "The Suburbs" kündigen 2010 einen Richtungswechsel an. Ein rauerer Sound durchtränkt das Album, den Sänger Win Butler als "eine Mischung aus Depeche Mode und Neil Young" bezeichnet. Die BBC vergleicht "The Suburbs" gar mit "OK Computer", dem mehrfach gefeierten Durchbruch von Radiohead. Und siehe da: Nun klappt es auch mit den Preisen: "The Suburbs" gewinnt den Grammy als "Album des Jahres", zwei Juno Awards sowie zwei Brit Awards (Best International Album/Best International Group).

Dem Folgewerk "Reflektor" geht ein dementsprechender Hype voraus - dem die Band mit einem ausgeklügelten Promokonzept ordentlich Schub verleiht. Allein schon vom Umfang her eine Besonderheit - "Reflektor" erscheint als Doppelalbum - lässt die Band kommentarlos "Reflektor"-Graffitis an verschiedene Hauswände anbringen, schaltet geheimnisvolle Hinweise in den Sozialen Medien, veröffentlicht zum Titelsong zwei Videos (eins von Anton Corbijn und einen Interaktivclip für Google Chrome-Nutzer) und verkündet stolz zwei berühmte Privatiers als Albumgäste: LCD Soundsystem-Kopf James Murphy und David Bowie.

Dieses Schüren hoher Erwartungen führt abermals zu sehr guten Verkaufszahlen, selbst wenn die Kanadier soundtechnisch nun verstärkt auf Elektronik umschwenken und sogar Disco-Elemente in ihren Songs zulassen. Nicht einmal die Rolling Stones kommen mittlerweile an diesem Musik-Phänomen vorbei und laden Win Butler als Gastsänger zu ihrer 2013er Show in dessen Heimat Montreal ein.

Einen Preis, den Arcade Fire noch nicht ihr Eigen nennen konnte, wandert 2014 ins Regal: Ein Oscar für die Filmmusik zum Spike Jonze-Science Fiction-Drama "Her". Die Verbindung zum Film webt die Band gleich weiter: Mit "The Reflektor Tapes" erscheint im Folgejahr ein Doku-Porträt über die Band auf der Kinoleinwand. Sundance-Kurzfilmpreisgewinner Kahlil Josephs zeigt darin Aufnahmen zum Album, die Band auf Jamaika, im Studio in Montreal, bei einem Spontankonzert auf Haiti und weitere Shows.

Arcade Fire sind nun im Olymp der Stadionbands angekommen. Doch sie versuchen diesen Status immer wieder zu unterwandern: Nach David Bowies Tod organisieren sie via Facebook einen Gedenkmarsch für ihren Freund in der weltbekannten Musikmetropole New Orleans. Tausende Menschen kommen und feiern mit Arcade Fire, die die Parade durch die Stadt führen und gemeinsam mit der "Preservation Hall Jazz Band" Bowie-Songs spielen.

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Arcade Fire - The Suburbs: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2010 The Suburbs

Kritik von Thomas Klaus

Nimmerland ist abgebrannt, Wucht weicht subtilem Minimalismus. (0 Kommentare)

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Southside 2014 Headliner in Neuhausen ob Eck (und in Scheeßel natürlich).

Headliner in Neuhausen ob Eck (und in Scheeßel natürlich)., Southside 2014 | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Headliner in Neuhausen ob Eck (und in Scheeßel natürlich)., Southside 2014 | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Headliner in Neuhausen ob Eck (und in Scheeßel natürlich)., Southside 2014 | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Headliner in Neuhausen ob Eck (und in Scheeßel natürlich)., Southside 2014 | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger)

Gesehen beim Southside 2011 Fulminante Show in Neuhausen ob Eck.

Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Fulminante Show in Neuhausen ob Eck., Gesehen beim Southside 2011 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen)

Live in Düsseldorf 2010 Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle

Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Mit Lauten und Leiern: Arcade Fire spielen in der Philipshalle, Live in Düsseldorf 2010 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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