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Wer sich im Musikbusiness bewegt und David Bowie als Fürsprecher gewinnt, der hat schon halb gewonnen. Auch U2 und Chris Martin von Coldplay sind Fans der Truppe. Aber das Prädikat "stilbildend" haben nur wenige Bands der Popmusikgeschichte verdient. Arcade Fires folkiger Indie-Rock mit einem Allerlei musikalischer Einflüsse von Klassik bis Artrock trifft den Nerv der Nuller Jahre wie kaum eine andere Band.
Die Geschichte beginnt mit Win Butler, einem texanischen Gitarristen, den es in die Ferne zieht. Vom mäßigen Erfolg seines Bandprojekts Arcade Fire enttäuscht, verschlägt es ihn im Jahr 2000 nach Montreal, wo er auf die Multi-Intrumentalistin Régine Chassagne trifft. Sie wird der zweite Pol einer neuen Band, die den früheren Namen behalten soll.
Chassagnes familiäre Wurzeln liegen auf Haiti. Ihre Eltern flohen in den 60er Jahren nach Chicago, um dem Regime von Diktator Duvalier zu entfliehen. Nach einer Zwischenstation in Chicago landet die Familie in Montreal, Hauptstadt der kanadischen Provinz Québec. Dort wächst Régine zur Musikerin heran.
Auch über die Musik hinaus lernen sich Butler und Chassagne kennen und lieben. Sie heiraten im August 2003. Aus der puren Idee zweier Musikbegeisterter erwächst nach und nach eine fünfköpfige Formation, die sich im September des Jahres an die Aufnahmen für ihr erstes Album macht. Nur Wins kleiner Bruder William, der zwischenzeitlich nach Montreal kam und den Platz für Synthesizer und Percussion einnahm, muss nach Texas zurückkehren. Er ist noch schulpflichtig, weshalb er zwar nicht an den Aufnahmen beteiligt, jedoch weiterhin Teil der Band ist.
Die Spannung, die aus den unterschiedlichen Hintergründen der Musiker erwächst, prägt den experimentellen Sound von Arcade Fire im Ganzen, aber auch den des Erstlings "Funeral" im Speziellen. Rohe Gitarrenriffs, zarte Geigen, Klavier und Glockenspiel durchziehen langsam-melancholische sowie epische und fröhliche Songs. Der erdig-experimentelle Ansatz der Band, verfeinert mit Streichern, Xylophon oder Akkordeon, wird zu einem Paradigma der kanadischen Indie-Szene.
Abgesehen von den fünf Kernmitgliedern erscheinen auf dem Debütalbum einige befreundete Musiker, um für die nötige Klangfülle zu sorgen. Die Geigerin Sarah Neufeld ist bei Konzerten seither ebenfalls fester Bestandteil der Band. Mit Owen Pallett gesellt sich ein zweiter Violinist dazu. Ebenfalls ein festes Zuhause findet Schlagzeuger Howard Bilerman, der allerdings schon 2005 von Jeremy Gara ersetzt wird.
Dass das Konzept folkig-verschrobenen Indie-Rocks nach allen Seiten offen ist, zeigen Arcade Fire auch im 2007 erscheinenden Nachfolger "Neon Bible". Die Band klingt kompakter, ohne dabei an Ideenlosigkeit zu leiden. So ziert beispielsweise eine Kirchenorgel das Stück "Intervention". Das passende Umfeld ist ihre "Petite Église" jedenfalls: Für die Aufnahmen zum Album, verwandelten die Kanadier eine alte Kirche in ein Tonstudio.
Arcade Fire werden für zwei Grammys in den Kategorien "Best Alternative Music Album" und "Best Song Written For Motion Picture, Television Or Other Visual Media" nominiert. Dennoch wiederholt das Zweitwerk - trotz erneut sehr positiver Resonanz - nicht ganz den durchschlagenden Erfolg des Vorgängers. Der Hype um das Kollektiv legt sich allerdings keineswegs. Die Fans rund um den Globus erfreuen sich weiterhin an der Originalität der Band.
Vorab veröffentlichte Tracks des dritten Albums "The Suburbs" kündigen einen Richtungswechsel an. Ein rauerer Sound durchtränkt das Album, den Sänger Win Butler als "eine Mischung aus Depeche Modeund Neil Young" bezeichnet. Die BBC vergleicht "The Suburbs" gar mit "OK Computer", dem mehrfach gefeierten Durchbruch von Radiohead.
Miroir Noir (2009)
The Arcade Fire (2005)
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