Porträt

laut.de-Biographie

Anne Haigis

Jenseits des Mainstreams gibt es Musiker aus deutschen Landen, deren Arbeit sich durch Kontinuität, Intensität und Leidenschaft auszeichnet. Eine davon ist Anne Haigis. Seit sie in den frühen Achtzigern ihre eigenen Sachen veröffentlicht, steht sie mit ihrer kraftvollen Stimme stellvertretend für Qualitätsmusik aus hiesigen Landen.

Geboren und aufgewachsen im beschaulichen Rottweil am Neckar, entdeckt sie schon im zarten Kindesalter ihre Liebe zur Musik. Ende der Sechziger lauscht sie den Klängen von Joni Mitchell und King Crimson und beschließt nach einem Konzert in Stuttgart, das Singen zur Profession zu machen. Deshalb bricht sie die Schule ab und kehrt Rottweil den Rücken um ihren Traum zu verwirklichen.

In der Spätzlemetropole angekommen, schließt sie sich der Interstate Roadshow an und trällert in US-Clubs für das GI-Publikum die Amicharts hoch und runter. 1974 singt sie bei den Tübingern von RE und verfeinert ihren Gesangsstil, was sich unter anderem 1979 auszahlt, als sie von der Deutschen Phonoakademie den Nachwuchspreis für Jazz einsacken kann.

Auch dem umtriebigen Wolfgang Dauner kommt die Stimme von Anne zu Gehör, der sie unter seine Fittiche nimmt. Unter seiner Regie singt sie "For Here Where The Life Is" ein. Mit Kritikerlob bedacht, geht sie denn auch gleich auf ihre erste kleine Tour, und wer Anne zu dieser Zeit auf der Bühne sieht, merkt sehr schnell, dass es genau das ist, was sie am liebsten macht: auftreten und singen statt im Studio über Soundfrickeleien brüten.

Bevor ihr das erneut blüht supportet sie noch das United Jazz & Rock Ensemble, um danach eine Nachfolgeplatte aufzunehmen. Auch "Fingernails" kommt gut an, aber der Durchbruch lässt noch einige Zeit auf sich warten. In der Folgezeit singt sie für die Radio Jazz Group des Südfunk Stuttgart und bei der Formation Wolfhound.

Nach der Trennung von Wolfgang Dauner orientiert sie sich musikalisch neu. Das selbstbetitelte dritte Album präsentiert Anne in gänzlich neuem musikalischem Outfit. Auf der von Schwabenrocker Edo Zanki produzierten Platte ertönt deutsches Liedgut und mit dem Song "Freundin" schafft sie zum ersten Mal den Eintritt in die Charts. Der Sound hat sich ebenfalls geändert. Vom Jazz bleibt nicht mehr allzu viel übrig, rockigere Klänge sind nun angesagt.

Mit den größeren Plattenverkäufen steigt auch die Nachfrage nach Anne - von Fernsehshow zu Fernsehshow wird sie plötzlich weiter gereicht. Dies setzt sich auch mit dem 85er-Album "Las Mich Fallen Wie Schnee" und "Geheime Zeichen" fort, das 1987 erscheint. Letzteres wird von Tony Carey produziert, der schon bei Rainbow und Dio am Keyboard stand.

1989 arbeitet Anne Haigis mit Wolf Maahn und Mandy van Baaren an "Indigo". Radio Luxemburg zeichnet die Platte mit dem Golden Löwen aus. Dieses Album markiert erneut einen Wendepunkt in Annes Karriere.

Schon mit der nächsten Platte "Cry Wolf" orientiert sie sich wieder um und singt,
wie schon auf den ersten beiden Veröffentlichungen, wieder auf Englisch. Für die Produktion wird diesmal heftiges Geschütz aufgefahren. Anne Haigis arbeitet mit renommierten Musikern und Producern wie Barry Beckett (Dire Straits), Kevin McCormick (Melissa Etheridge) und Nils Lofgren zusammen. Für das 97er Live-Album "Dancing In The Fire" schreibt ihr Kollegin Etheridge zwei Songs ("Dancing In The Fire" und "Out Of My Mind") auf den Leib.

Deutlich ruhiger gestaltet sich dafür die Bühnenshow, was der Intensität der Songs keinen Abbruch tut. Nach den Gründen gefragt, wieso denn selbst das Schlagzeug fehlt, antwortet Anne: "Es ist mir einfach zu laut". So simpel wie dieser Satz funktioniert auch Annes Musik.

Das gilt auch für das Live-Album, das 2004 aus einem glücklichen Zufall heraus entsteht: Als einmal nicht die komplette Band zur Verfügung steht, lässt Anne Haigis sich bei einigen Gigs nur von ihrem Gitarristen Jens Filser begleiten. Aus der Not macht sie eine Tugend, aus ihrer Band ein akustisches Duo. Das Publikum ist von dieser (Not-)Lösung ebenso begeistert wie Anne und Jens.

2005 erscheint mit "8:00 PM" der Duo-Spaß auf CD. Auf Barhockern und unplugged präsentieren sie eine bunte Songpalette, in der Annes Repertoire durch ausgewählte internationale Singer/Songwriter-Perlen aufgelockert wird: Melissa Etheridge, Wolf Maahn, Elton John, Alanis Morissette, John Hiatt und Otis Redding lassen mit ihren Songs grüßen.

Egal auf welchem Terrain sie sich bewegt, Soul, Country, Jazz, Folk oder Rock, nichts klingt gekünstelt. Genau das schätzen auch die Fans. Über 20 Jahre nach ihrem Debüt kann Anne ihre "Homestory" erzählen und man hört immer noch gerne zu.

Alben

Anne Haigis - Wanderlust: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2011 Wanderlust

Kritik von Artur Schulz

Schlendern durch Blues-Haine und über Gospel-Lichtungen. (0 Kommentare)

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