Porträt

laut.de-Biographie

King Crimson

Für die einen Genies, für die anderen verkopfte Spinner - an King Crimson scheiden sich die Geister. Unbestreitbar ist jedoch die Tatsache, dass die Band um den Gitarristen Robert Fripp seit 40 Jahren als kultartig verehrter Fixstern am experimentellen Rockfirmament erstrahlt.

King Crimson - In The Court Of The Crimson King Aktuelles Album
King Crimson In The Court Of The Crimson King
Hundert berauschende Farben lassen uns die Musik sehen.

"King Crimson ist eher eine Art, Dinge umzusetzen. Wenn es nichts zu tun gibt, wird nichts getan, und Crimson verschwinden. Wenn es Musik zu spielen gibt, die nur sie spielen können, tauchen sie früher oder später wieder auf. Wenn nur alles im Leben so simpel wäre", erklärt Mastermind und einziges beständiges Mitglied Fripp gewohnt egozentrisch die kurvenreiche Lebenslinie seiner Band.

Eine konstante personelle Fluktuation ist für den schwarzhumorigen Briten unabdingbare Grundvoraussetzung für die Erhaltung musikalischer Kreativität. "Jede Besetzung ist Grundlage, Antrieb, Evolution und Mutation für die nächste." Wenn sich alle temporären Mitglieder, die über vier Jahrzehnte das unentwegt kreisende Bandkarussell bevölkerten, zum Klassentreffen versammeln würden, ergäbe das folglich immerhin eine illustre Runde von 20 Mann.

Die "erste Inkarnation" (Fripp) reift 1968 in dessen kreativem Hirn heran und findet im Jahr darauf ihren Weg auf Vinyl, nachdem King Crimson kurz zuvor als Vorband der Rolling Stones 650.000 Menschen im Londoner Hyde Park in andere Sphären verschicken. Mit dem Zweitwerk "In The Court Of The Crimson King" zaubert die englische Band einen zeitlosen Klassiker, der die Geburtsstunde des Progressive Rock markiert und in den folgenden Dekaden enormen Einfluss auf nachfolgende Bands wie Yes, Genesis, Tool und Porcupine Tree ausübt.

Nicht nur Pete Townshend schwärmt von diesem "unheimlichen Meisterwerk". Virtuose Instrumentalstücke, ellenlange Improvisationen, hochtönige Titel, perfekte Produktion, absurde und surreale Texte sind Merkmale, die sich konsequent durch das Schaffen der Band ziehen.

Trotz ständig wechselndem Line-Up erscheinen mit unterschiedlichem Erfolg in sieben Jahren acht Alben. "Red", das vorerst letzte posthum, nachdem ein ausgebrannter Robert Fripp 1974 erklärt, dass King Crimson "absolut und für immer und ewig beendet" seien. Ein Running Gag, der sich durch die Geschichte zieht und sich ausgerechnet immer dann wiederholt, wenn der kommerzielle Durchbruch den nicht gerade pflegeleichten Querköpfen zum greifen Nahe liegt.

Das kommt davon, dass Fripp dem Musikbusiness in etwa so viel abgewinnen kann, wie einem Loch im Kopf und alles andere als geneigt ist, nach dessen Regeln zu spielen. "Schlimmer als eine Plattenfirma, die sich nicht um ihre Musiker kümmert, ist eine, die sich um sie kümmert." Es folgen Soloaktivitäten, Fripp arbeitet mit Brian Eno, Peter Gabriel, David Bowie, Daryll Hall, Blondie und David Sylvian zusammen.

1981 ist es wieder so weit. Einziges Überbleibsel neben Fripp ist der Schlagzeuger Bill Bruford, dazu gesellen sich Tony Levin (John Lennon, Paul Simon) am Bass und Adrian Belew (Frank Zappa) an Gitarre und Mikrofon. Die Formation bleibt auch für die folgenden zwei Alben bestehen; der Sound ist poppiger, trotz aller Virtuosität werden Vergleiche mit Talking Heads und Police gezogen.

Management-Probleme und Streit mit der Plattenfirma führen zu einer mehrjährigen Pause und 1990 schließlich zur Gründung des Labels Discipline Global Mobile (DGM). Mit seiner eigenen Plattenfirma will Robert Fripp ethische Grundsätze verfolgen, das Streben nach Profit spielt hier nur die zweite Geige. Das Label veröffentlicht zunächst vor allem Live-Mitschnitte aus allen Schaffensphasen von King Crimson.

Als 1995 das Album "Thrak" erscheint, hat Fripp die Idee des Doppeltrios ausgebrütet: zwei Gitarristen, zwei Schlagzeuge und zwei Bässe. Neben einigem neuen Studiomaterial - darunter eine ganze Reihe "ProjeKcts", in denen Mitglieder in verschiedenen Kombinationen auftreten - erscheint in den 90ern eine Fülle an Livematerial und alternative Tracks aus den 70er Jahren.

Um die Jahrtausendwende frönen die purpurnen Könige ausgedehnten Touraktivitäten und begleiten 2001 unter anderem Tool, die Prog-Metal Könige der Neunziger, auf deren Einladung hin im Vorprogramm auf ihrer visuell Maßstäbe setzenden Lateralus-Tournee. "Nun wisst ihr ja, bei wem wir geklaut haben. Aber erzählt es niemandem, vor allem nicht den Mitgliedern von King Crimson", scherzt Tool-Sänger Maynard James Keenan - sichtlich stolz, mit seinen musikalischen Helden auf derselben Bühne zu stehen.

Im März 2003 erscheint das bislang letze Studioalbum "The Power To Believe", doch auch in der Folge erscheinen auf dem DGM-Label jährlich mehrere Live-Alben. Bis Mitte 2007 sind in der King Crimson Collectors' Club-Reihe insgesamt 35 Live-Konzerte erhältlich, die in den Jahren 1969 bis 2000 aufgezeichnet wurden und so praktisch alle Schaffensphasen der Bandgeschichte abdecken.

Im August 2008 präsentieren die Prog-Dinosaurier bei einem Konzert in Chicago Gavin Harrisson, bisher Drummer von Porcupine Tree, als neues Mitglied. Der treibende Kraft bei Porcupine Tree, Steven Wilson, ist es auch zu verdanken, das die Fans zum 40-jährigen Wiegenfest King Crimsons 2009 ein ganz besonderer Ohrenschmaus zuteil wird. Zusammen mit Robert Fripp bringt Wilson den Backkatalog seiner Ziehväter auf den aktuellsten klangästhetischen Stand, so dass sich audiophile Feinschmecker ab Herbst 2009 über neu abgemischte Re-Issues im 5.1 Surround Sound freuen können.

Alben

Videos

Lark`s Tongues In Aspic, Pt. 1
  • Offizielle Seite

    Die offizielle Seite ist der Band repräsentiert auch das DGM Live!-Label. Eher kommerziell, aber informativ.

    http://www.king-crimson.com/
  • Wikipedia-Eintrag

    Umfassende Infos mit allen Bandmitgliedern, Live-Alben usw.

    http://de.wikipedia.org/wiki/King_Crimson

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