Porträt

laut.de-Biographie

Anberlin

"Ich bin kein Prediger, ich bin ein Entertainer", sagt der Sänger von Anberlin, Stephen Christian. Anberlin zählen in den USA zu der großen Szene christlicher Rockbands, zieren sich aber etwas mit diesem Label, obwohl es einen großen Absatzmarkt und eine treue Fanbasis garantiert. Die Klientel kann es in den meisten Fällen wohl kaum mit dem Gewissen vereinbaren, Musik illegal aus dem Netz herunterzuladen.

So gesehen ist gegen diese musikalische Schublade nichts einzuwenden. Doch Anberlin wollen sich nicht vereinnahmen lassen. Wiederholt erklären sie ihren Glauben in Interviews zwar zu einem inneren Leitmotiv, aber auch zu einer komplexeren Angelegenheit, die in den oftmals kitschigen Bibelmetaphern christlicher Rockmusik der USA nichts zu suchen hat.

Die fünfköpfige Band aus Florida beginnt ihre Karriere beim Indie-Label Tooth & Nail Records, das seit jeher viele Bands mit christlichem Background unter Vertrag hat. Zuvor spielen Sänger Christian und Bassist Deon Rexroat bereits mit bescheidenem Erfolg in der Punkband SaGoh 24/7. Also verpasst man sich einen rockigeren Anstrich der Marke Nickelback, nimmt fünf ordentlich Demos auf und benennt sich 2002 in Anberlin um.

Mehrere Labels sind interessiert. Nach einem Rat der befreundeten Metalcore-Band Underoath unterschreiben sie bei Tooth & Nail. Ihr erstes Album "Blueprints For The Black Market" mit dem ersten Hit "Readyfuls" und einem Coversong von The Cure verkauft sich in den USA ordentlich, verpasst aber den angepeilten Einzug in die Charts.

Noch vor den Aufnahmen zu ihrem zweiten Album "Never Take Friendship Personal" werfen sie Gitarrist Joey Brust aus der Band. Ihm sei es nur um Sex und Drogen gegangen, sagt Sänger Christian. Die Combo dagegen schielt Richtung Mainstream und braucht dafür ein sauberes Image. Mit "A Day Late" und "Paperthin Hymn" kann man vom Zweitling gleich zwei Songs in der Heavy Rotation der landesweiten Rock-Radios positionieren.

Parallel dazu veröffentlichen sie Southern Rock-Versionen von Songs von Bob Dylan und Depeche Mode als Compilation-Beiträge, live spielen sie unter anderem "Mother" von Danzig. Überhaupt hat Sänger Christian nichts gegen eine solche Heldenverehrung: "Unsere Einflüsse reichen von den Rolling Stones zu The Smiths und von den Beatles zu The Cure. Viele junge Bands haben leider vergessen, diesen Legenden zuzuhören."

Mit deren Inspiration im Gepäck gelingt auch Anberlin der Weg nach oben. Ihr drittes Album "Cities" schafft es 2007 bis auf Platz 19 der Billboard-Charts, wird aber immer noch vorwiegend aus der Ecke des christlichen Rocks beklatscht, obwohl man auch mit Bands auf Tour ist, die wie Fall Out Boy aus der zweiten Emo-Generation stammen. Pop, Punk, Pathos und geile Hooklines – so lautet mittlerweile die bewährte Formel bei Anberlin.

Mit ihrem Major-Debüt "New Surrender" klettert man die Karriereleiter noch ein Stück höher, dabei verflachen jedoch auch die stilistischen Ausbrüche der Band, hinter deren Name übrigens nichts weiter als eine kleine Backpacker-Sehnsucht steckt. Auf die Frage, welche europäischen Städte er besuchen wolle, sagte Christian in einem Interview: "London, Paris, Rom – and Berlin."

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