Porträt

laut.de-Biographie

Aereogramme

Mitte der Neunziger entwickelt sich im beschaulichen Glasgow eine aufregende musikalische Szene um das kleine Label Chemikal Underground Records. Dessen Sound konzentriert sich auf gewaltige Gitarrenbands, die sich zwischen hartem Noise und den sanften Klängen ihre Nische suchen. Bands wie Arab Strab werden schnell zu Lieblingen aller Tindersticks oder Nick Cave-Fans, Mogwai buhlen um die Kunst der Instrumental-Fans und Magoo versuchen, auch Pop-Fans von Glasgow zu überzeugen.

Im Jahr 2000 erscheint eines von Chemikal Undergounds besten Kindern auf der Bildfläche. Das 1998 gegründete schottische Trio Aereogramme um Craig B, Campbell McNeil und Drummer Martin Scott treibt den üblichen Laut-Leise-Song auf neue Extreme. Dreschende Schrei-Phasen treffen auf zerbrechlich leidende Flüsterphasen. Letztendlich liegt in den streng strukturierten Songs alles und gar nichts so nah zusammen, dass eine Einordnung so gut wie unmöglich ist. Ein Kritiker der Visions beschreibt die Band treffend als "Built To Deftones You Black Elliot".

Nachdem Aereogramme die EP "Glam Cripple" im Rahmen der legendären Chemikal Underground "Fukd I.D."-Serie veröffentlichen (an der schon solch illustre Namen wie Interpol oder Bis teilgenommen haben), gewinnen sie schnell einen neuen Fan und großen Gönner: Englands Radio-Guru John Peel, der die drei bärtigen Schotten als Death-Metal-Band ankündigt, lädt sie zu einer seiner berühmten Sessions ein und verschafft ihnen internationale Festival-Auftritte.

Mit diesem Wind im Rücken können Aereogramme mit ihrem Debüt "A Story in White" (2001) auch bei Kritikern ordentlich punkten. Die fantastische Platte wütet und heult. Ihre Songs glänzen so still und explodieren so bedrohlich donnernd, dass ihnen schnell eine Schar von Leuten zu Füßen fällt, die die Härte im Sound der Instrumental-Bands Sigur Ros oder Godspeed You Black Emperor vermissen.

Nach ausgiebigen Tourneen durch Europa kehrt das Trio wieder ins heimische Glasgow zurück und kümmert sich dort neben der Produktion einer neuen Platte gerne auch um "Deathlehem": ein DJ-Set, mit dem Aereogramme und Mitglieder von Mogwai im Club "Nice And Sleazy" passend zum Termin am Sonntagnachmittag Metal-Bands wie Slayer oder Cannibal Corpse auflegen.

Zum nächsten Album "Sleep And Release" steigt der befreundete Künstler Ian Cook als festes Bandmitglied bei Aereogramme ein. Cook hatte sich vorher schon um Cover-Art und Visuals der Band gekümmert, und wird nun eingesetzt, um den Sound mit allerlei analogem und elektronischem Werkzeug dichter zu machen. Die Platte setzt den massiven Soundwänden seines Vorgängers noch einen drauf, was sie zwar etwas weniger zugänglich aber nicht weniger imposant macht.

Die Band tourt mit Thursday durch Europa und veröffentlicht im Jahr 2004 eine EP namens "Seclusion". Dieses Mal allerdings auf dem englischen Indie-Label Undergroove Records. Neben sechs gewohnt großartigen Songs gibt es darauf als Bonus noch einen kleinen Horror-Film zu entdecken, für den die Band das Drehbuch geschrieben hat.

Anfang 2005 kommt bei Craig B dann der Zusammenbruch. Zurückzuführen auf einen eher ungesunden Lebenswandel, holt er sich eine Hals-Infektion, so dass er einige Wochen nicht singen kann. In der Folge beschließt der Sänger, seine Intonation derart anzupassen, dass sein Hals künftig etwas geschont wird. Das hat natürlich Einfluss auf das Songwriting. Heraus kommen deutlich zugängigere Sounds auf dem im Februar 2007 erscheinenden Album "My Heart Has A Wish That You Would Not Go".

Dieses Album ist das letzte Lebenszeichen der Band, denn nach sieben Jahren Musikbusiness sagen die vier Schotten Goodbye. Die Gründe seien vielschichtig und komplex, versuchten Aereogramme das Ende der Band in ihrem MySpace-Blog zu erklären. Mit schwerem Herzen habe man sich zu diesem Entschluss durchgerungen.

Da seien finanzielle Probleme gewesen, und auch die nahezu unmenschliche Anstrengung, sich dem Zeitgeist zu entziehen, habe ihren Tribut gefordert. Kleiner Trost: im Jahr 2010 schließen sich Craig B und Iain Cook unter dem Namen The Unwinding Hours zu einer neuen Band zusammen.

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Area 4 Festival, 25.06.2005 Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne.

Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe) Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe) Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe) Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe) Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe) Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe) Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe) Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe) Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe) Cinematic-Songwriter-Noise auf der Zeltbühne., Area 4 Festival, 25.06.2005 | © laut.de (Fotograf: Matthias Manthe)

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