Porträt

laut.de-Biographie

1000 Robota

Da dachte man, der deutsche Sloganrock wäre nach den ersten Tocotronic-Alben wieder in der Schublade verschwunden, und dann das: "Schmeiß dein Ego weg und feier was du liebst!", brüllt es mehrstimmig zu scharf angerissenen Gitarren, Rollbass und Punk-Gerumpel.

1000 Robota - Du Nicht Er Nicht Sie Nicht Aktuelles Album
1000 Robota Du Nicht Er Nicht Sie Nicht
Neun gebellte Stücke zwischen Punkrock und Avantgarde.

Hauptaufreger des urplötzlich wuschigen Feuilletons im Jahre 2008 ist das Alter der Urheber: Drei blasse Jungs aus Hamburg, die die Nase hoch tragen, morgens zur Schule gehen und abends schepprigen 77er-Punk spielen – meist handgemacht und manchmal gecovert, dann aber von den richtigen Leuten wie Palais Schaumburg und Pascal Finkenauer. Referenzen, für die Sänger Anton Spielmann, Bassist Sebastian Muxfeld und Jonas Hinnerkort (Drummer und Sänger in Personalunion) eigentlich viel zu grün sein müssten mit ihren 17, 18 Jahren. Die Attitüde ist trotzig, der durchschnittliche Liveauftritt tumultartig, das hysterische Abfeiern in der deutschen Presse zunächst einstimmig.

Schon nach der ersten, im Februar 2008 auf Tapete Records veröffentlichten EP "Hamburg Brennt" geht alles ganz schnell: Wer Stücke wie "Es Geht Nun Mal Um Etwas" mit ihrer aprupten Roughness hört, reibt sich erst einmal die Augen, so frisch und respektlos klingt das. Im September des gleichen Jahres folgt der erste Longplayer "Du Nicht Er Nicht Sie Nicht" und heimst weiteres Lob ein.

Zackige Marschmelodien, karge Gitarren, schlechte Laune und und Gier nach dem besseren Leben sind die Zutaten, aus denen die Hanseaten ihre knappen Ausrufezeichen-Songs über Trägheit, Moralapostel und das Recht auf Ungeduld stricken. Die NDW-gefärbten Songs ziehen an. Die Tatsache, dass Sprachrohr Anton Spielmann in Interviews oft schneller redet als er denkt, wird in diesen Zeiten als jugendlicher Übermut und genereller Pluspunkt verbucht.

Die britischen Musikmedien, allen voran die der NME, wittern den süßen Geruch des Hypes und befeuern ihn. Kurze Zeit später spielen die Stakkato-Hamburger in London und reißen dort die Wände ein. Unvermeidbare Begleiteffekte wie Peaches Geldof als bekennender Fan und begeisterte Konzertkritiken von Menschen, die kein Wort verstehen, bleiben nicht aus.

Mit der Umschreibung "Gang Of Four im Panzer" trifft das Trashblatt Sun ausnahmsweise mal den Nagel auf den Kopf. Musikalisch wird es danach aprupt ruhig um die Band, die sich aufs Songschreiben für das zweite Album konzentriert und ihre Bühnenpräsenz zurückschraubt.

Derweil zuverlässig unterhaltend ist der ungefilterte Pöbel-Output von Sänger Anton, der in seinem Myspace- und privaten Blog in Großbuchstaben und mit so ziemlich allem abrechnet, was nervt - zuweilen auch in ganzen Sätzen, denn: "Mir ist mal aufgefallen, dass ich doch ganz schön was zu melden habe." Ob Journalisten ("Arschlöcher", "ich hasse Artikel in Magazinen über Musiker"), Filesharer ("Hat man euch ins Gehirn gekackt?"), Thees Uhlmann, Olli Schulz, Audiolith ("schlimmer gehts nicht") oder Der Spiegel ("dieses Arschloch Blatt (sic!) hat sich einfach gegen meinen Artikel entschieden") - bei Anton kriegt jeder sein Fett weg, auch wenn man nicht immer erkennen kann, was der Gute eigentlich mitteilen will.

Aber auch im persönlichen Gespräch macht sich die meinungsstarke Ader des Sängers nicht nur Freunde. Was auch immer man von den unkanalisierten Ausbrüchen des Frontmanns halten mag – man muss schon lange nachdenken, um eine weitere Band zu finden, die so lustvoll aneckt wie 1000 Robota.

Alben

  • 1000 Robota-Blog

    Der Blog von Anton Spielmann.

    http://1000robota.blogspot.com/
  • 1000@Myspace

    Domo arigato Mr. Robota, it's MySpace!

    http://www.myspace.com/1000robota

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