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September: Storys

Yo Grandma Fromm: Herbst 2021, und ich hab' immer noch nicht verstanden, worin der Reiz beim Erwerb von NFTs liegen soll. Die Meldung, dass Kool Savas das Original-Textblatt von "King of Rap" (wieso hatte der das überhaupt noch?) verschürt hat, nur um wenig später für horrendes Geld eine digitale Kopie davon zu befeuern, nahm ich entsprechend mit Befremden zur Kenntnis. Mit allen Hässlichkeiten, die der September so bereit hielt - ich sag' nur: Missbrauchsvorwürfe gegen Yin Kalle, Schwurbeleien von Genetikk und Nicki Minaj, Tierstars und B-Lashs Hetze gegen Ben Salomo oder Groggs Tod - sollen sich andere befassen, ich möchte hier noch einmal ausdrücklich und in eigener Sache Lob ausgießen: Dieser Yannik™ hat sich für die sachgerechte Zerlegung von Xavier Naidoos Aluhutträgerparade verdientermaßen beim Reeperbahn Festival einen International Music Journalism Award abgeholt, und Mama ist stolz.

Dieser Yannik™: Mehr oder weniger seit dem Frühjahr dieses Jahres hat Chef Joachim mir aufgetragen, herauszufinden, was es eigentlich mit diesen NFTs auf sich hat. Er muss denken, dass ich da einfach komplett drauf geschissen habe, aber das stimmt nicht: Ich habe bestimmt ein paar Mal versucht, zu ergooglen, was das sein und was daran nun den Reiz ausmachen soll. Und ich habe schon verstanden, was das ist, aber der Reiz erschließt sich mir immer noch nicht. Für einen digitalen Kassenzettel kann man die Idee von Cros Masken oder hässliche Bilder von Cartoon-Affen erstehen. Na, gut. Wer sein Geld so locker sitzen hat?

Freshman Mirco: Für andere Menschen sind NFTs doch aber auch gar nicht gemacht, oder? Wobei ich mir wirklich keinen dümmeren Weg vorstellen kann, um mit seinem Reichtum anzugeben, als für ein digitales Bild von einem Affen Millionen zu blechen, wenn man davon auch einfach einen Screenshot machen könnte. Da kann der Irrsinn der realen Welt einfach nicht mithalten, auch wenn er sich diesen Monat alle Mühe gab.

Eminem hat "Mom's Spaghetti" in Detroit eröffnet und seinen Fans Nudeln verkauft, GZUZ hat aus Versehen etwas Schlaues gesagt, Mickey Mouse sorgte dafür, dass Shindy seinen neuen Track wieder offline nehmen musste, und das Verrücketeste von allem: Yannik hat "Donda" in seinem Kanye-Ranking höher platziert als "808's & Heartbreak". Ich mag das Album auch, aber das grenzt ja an Geschichtsrevisionismus. Nichtsdestotrotz: Von mir auch noch einmal Glückwünsche an dich für den Award, der war ja mal sowas von verdient.

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1 Kommentar mit 5 Antworten

  • Vor 4 Monaten

    Eine Sache zu diesem "Journalismus"-Preis: ich gönne jedem seinen Erfolg. Finde es aber doch vielsagend, dass es einen HipHop Journalismus Preis 2021 gibt für einen Artikel, der das völlig offensichtliche lächerliche und bescheuerte lächerlich und bescheuert darstellt. Das Offensichtliche wird nochmal in Worte gefasst und etwas völlig ignorierbar Unnötiges wird kurz zerrissen. Und natürlich kann sich dann ein bürgerlicher Circle-Jerk darüber freuen. Man hat ja die idiotischen Verrückten als idiotische Verrückte enttarnt. Mir persönlich fehlt da sowohl der Witz als auch die Tiefe. Ein müdes Lächeln und ein nettes Gruppengefühl für alle die sich beruflich besser fühlen später, ist es genauso egal wie zuvor. imho