Porträt

laut.de-Biographie

Drangsal

Man muss die Vergangenheit natürlich nicht selbst erlebt haben, um sie zu verklären. Der Blick auf die Bandbreite der neuen deutschen Indierockwelle der 2010er zeigt das deutlich: Jugendliche Acts wie Messer, Die Nerven oder Karies schwelgen in Sound und Ästhetik der 80er. Speziell Postpunk, Wave und frühe NDW bilden wiederkehrende Bezugspunkte. Dabei sind nur die allerwenigsten Mitglieder dieser Acts in den 80ern überhaupt schon geboren worden.

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Auch Max Gruber alias Drangsal taucht seit etwa 2012 zunehmend in den Feuilletons auf. Auch Gruber greift zu den 80ern weniger als bloßes Zitat, sondern geradezu als Blaupause für einen Vintagesound zwischen The Smiths, The Cure und Ian Curtis-Gedächtnisstimme.

Mit der Debütsingle "Allan Align" und dem dazugehörigen Clip gelingt ihm Anfang 2016 schließlich der Coup: Die Bild-Zeitung berichtet über das Musikvideo, in dem Dschungelcamperin Jenny Elvers die Hauptrolle spielt. Plötzlich gilt Drangsal als einer größten deutschen Pophoffnungen des Jahres. Für den Folgesong "Love Me Or Leave Me Alone" spricht Kolossale Jugend-Chef Kristof Schreuf eine Kaufempfehlung aus.

"Der Denkansatz war, jemanden zu casten, den man in solch einem Video von solch einem Künstler niemals erwarten würde, und diese Person aus ihrem üblichen Umfeld loszulösen, zu verkünsteln", erklärt der seinerzeit 22-Jährige gegenüber depechemode.de. Im April desselben Jahres erscheint das Debütalbum des Pfälzers via Caroline International (Get Well Soon, Sophie Hunger). Es hört auf den Namen "Harieschaim", der lokalen Bezeichnung der Kleinstadt Herxheim, in der Gruber aufwächst.

Drangsal - Zores
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Mit fünf sieht er dort Marilyn Mansons "The Dope Show" auf MTV und beschließt: Wenn ich groß bin, werde ich Rock-Weirdo. Mit 14 beginnt Gruber das Gitarrespielen und Songschreiben. Nachdem ihm Herxheim zu klein geworden ist, verbringt er zunehmend mehr Zeit in Landau, wo er mit der anderen Pfälzer Indierock-Sensation Sizarr Freundschaft schließt.

Gruber verpasst sich den Gothrock-kompatiblen Namen Drangsal und lädt zwischen 2012 und 2013 erste Demos auf Soundcloud hoch. Die klingen teilweise noch gar nicht nach Postpunk, sondern nach dem looplastigen No Wave von Dirty Beaches.

"Morrissey und The Smiths waren für mich eine Zeit lang unfassbar wichtig", nennt Drangsal freimütig seine Inspirationsquellen. "Was die Leute stets schockiert ist, dass ich weder The Cure noch Joy Division besonders viel oder besonders gerne gehört habe und höre. In der Zeit, in der die Songs für 'Harieschaim' entstanden, habe ich ausgiebig frühe Neue Deutsche Welle und klassischen New Wave konsumiert."

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Über Sizarr lernt der Sänger auch deren Produzenten Markus Ganter kennen. Dessen späterer Hit-Wonderboy Casper zählt früh zu den Drangsal-Fans und bezeichnet den Act sogar als das nächste große Ding. Über Stationen in Mannheim und Leipzig landet Gruber schließlich mit seinen Livemusikern Tim, Christoph und Sam in Berlin und in der Riege junger, informierter Rockbands aus Deutschland.

2016 sieht man Drangsal als Support von Kraftklub und Messer-Sänger Hendrik Otremba schreibt ihm anlässlich der LP-Premiere nicht nur den feierlichen Pressetext, sondern ist darauf neben Sizarrs Fabian Altstötter auch am Mikrofon zu hören. Die Frage danach, wohin er bei einer Zeitreise am liebsten reisen würde, beantwortet Drangsal übrigens ebenfalls 80er-kompatibel: "Ich würde mir gerne anschauen, als die Einstürzenden Neubauten einen Molotowcocktail ins Publikum geworfen haben, ich würde gerne auf ein Talking Heads-Konzert gehen, ich würde gerne Black Flag live sehen, als Henry Rollins noch der Sänger war ..." Das zweite Drangsal-Album erscheint im April 2018 und heißt "Zores", ein pfälzischer Ausdruck für Ärger oder Streit.

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Hurricane, 2018 Am letzten Festivaltag auf der White Stage.

Am letzten Festivaltag auf der White Stage., Hurricane, 2018 | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Am letzten Festivaltag auf der White Stage., Hurricane, 2018 | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Am letzten Festivaltag auf der White Stage., Hurricane, 2018 | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Am letzten Festivaltag auf der White Stage., Hurricane, 2018 | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof)

Termine

Mi 24.10.2018 Karlsruhe (Kohi)
Do 25.10.2018 Luzern (Schüür)
Fr 26.10.2018 Zürich (Mascotte)
Sa 27.10.2018 München (Ampere)
Fr 02.11.2018 Dornbirn (Conrad Sohm)

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1 Kommentar mit einer Antwort

  • Vor 2 Jahren

    Drangsals Musik hat weder was von The Cure noch was von Joy Division. Eher erinnert er an die ganz frühen New Model Army, vor allen Dingen die Bassläufe in den Uptempo-Stücken. Er bedient sich an klassischen New Wave Bands bzw. Synthie Pop Bands wie Ultravox, Tears For Fears, And Also The Trees und natürlich The Smiths.