Porträt

laut.de-Biographie

Vanilla Ninja

Am 1. Mai 2004 tritt ein kleines baltisches Land der EU bei. Die Rede ist von Estland. Das Land der 1.500 Seen ist mit 45.227 km² doch relativ überschaubar. Die Landessprache Estnisch ist als finnougrische Sprache mit dem Finnischen und Ungarischen verwandt. In jenem Land gibt es aber auch ein besonderes Eis zu kaufen. Der Name: Vanilla Ninja.

Eben jene kalte Köstlichkeit ist nach der gleichnamigen Formation benannt, die im Baltikum zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehörig die Musikszene durcheinander wirbelt. Über ein halbes Jahr lang mischen die vier Mädels die Top Ten des Landes auf. Quasi ehrenhalber dürfen sie der Eiskreme ihren Namen geben. Ob's dadurch besser schmeckt, ist nicht überliefert, aber immerhin kann sich jeder einmal der Illusion hingeben, von den Girlies gekostet zu haben.

Vanilla Ninja, das sind vier ganz normale junge Damen Jahrgang 1983 bis 1986: Lenna Kuurmaa, Katrin Siska, Maarja Kivi und Piret Järvis. Alle vier stammen aus Tallin, der estnischen Hauptstadt und haben bereits vor Vanilla Ninja auf die eine oder anderen Art und Weise mit Musik zu tun gehabt. Ob im Kirchenchor, im Unterricht an der Geige, am Saxophon, oder in der estnischen Ausgabe von Pop Idol, 'Fizz Superstar', sowie bei der estnischen Vorausscheidung zum Grand Prix, jede hat ihre eigenen Erfahrungen gesammelt. Wie das Quartett zu einem Plattenvertrag kommt, ist aus der Historie nicht glasklar erkennbar. 2002 erscheint in Estland ihr selbstbetiteltes Debüt und geht ab wie Harry. Irgendwie dringt die Kunde auch bis nach Deutschland vor, wo ein gewisser David Brandes die Lauscher aufstellt.

Da es sich bei Lenna, Maarja, Katrin und Piret um schnuckelige junge Frauen handelt, deren Auftreten kommerziell verwertbar zu sein scheint, bringt er einen Deal mit Majorlabel Sony unter Dach und Fach. Brandes hat bereits mit Chris Norman, Wolfgang Petry und Big Brother Harry gearbeitet und sich vergeblich um eine Teilnahme am Grand Prix beworben. "Ich hab mir geschwor'n", "Jenseits Der Nacht", "Immer Bei Nacht" und "Helpless Dancer" heißen die ebenso hilflosen Versuche, erfolgreich zu sein. Als Produzent indes kann er beachtliche Erfolge verbuchen. So gehen auf sein Konto Bad Boys Blue, und auch die Eurodance-Kasper von E-Rotic ("Max Don't Have Sex With Your Ex") reiten von Chartserfolg zu Chartserfolg.

Jetzt also Vanilla Ninja. Von den unbedarften Pop-Nummern des ersten Albums und dessen teilweise estnischen Texten verabschieden sich die Vier und setzen nun ganz auf Anglizismen. Im November 2003 erscheint die Nummer "Tough Enough" und präsentiert die Band als rockige Combo, die weiß, wie Frau eine Gitarre zu halten hat. Beweise, ob dies auch der Wahrheit entspricht, existieren indes nicht, denn auch nach Einstieg der Nummer in die deutschen Charts und wachsendem Medieninteresse beschränkt sich Vanilla Ninjas Performance auf Playback-Mimik der Marke Bravo Chartshow oder Top Of The Pops.

Das Video zu "Tough Enough" entsteht in einem Berliner Gefängnis. Im Boxring gebären sich die Ninjas entsprechend tough und lassen schon mal den einen oder anderen Kerl durch den Ring fliegen. So hart scheinen sie dann aber doch nicht zu sein, denn welche Rüpelrocker würden schon mit Castingpüppchen wie Overground und den Preluders auf Tour gehen? Eben.

Im April 2004 sind sie schon mit der zweiten Single ("Don't Go Too Fast") in den Bestenlisten zu finden. Dieses Schicksal ist auch dem ersten hier in Deutschland erhältlichen Longplayer "Traces Of Sadness" beschieden, der ab Mai in den Läden steht. Im Sommer 2004 ist der erste Verlust bei der Band zu beklagen: Ur-Mitglied Maarja Kivi, bisher die Bassistin der Band, steigt aus: Sie ist schwanger. Doch bevor der Ruhm wie Eis in der Sonne schmilzt, schieben Vanilla Ninja bereits im März 2005 das Album "Blue Tatoo" nach, ohne die Geschmacksrichtung zu wechseln. Mit an Bord ist nun Triinu Kivilaan am Bass.

Etwa zur gleichen Zeit kommt aus der Schweiz ein weiterer, eher unerwarteter Karriereschub: Die vier Balten sollen für den Alpenstaat beim Grand Prix antreten. Genauer gesagt - nach dem schlechten Abschneiden von Vorjahresteilnehmer Piero - bei der Vorausscheidung. Vanilla Ninja hatten die Unterhaltungschefs der drei Schweizer Fernsehanstalten aus zahlreichen Bewerbungen ausgewählt, offenbar setzen sie nach der Pleite mit dem Schweizer 'Musicstar' Piero wieder auf internationale Zugkraft. Der einzige Bezug der Band zur Schweiz ist übrigens der in Basel geborene Produzent und Songschreiber David Brandes.

Mit ihrem Song "Cool Vibes" belegen sie am Ende den achten Platz. Ende 2005 meldet sich Ex-Mitglied Maarja mit einer Solo-Karriere zurück, ihre erste Single "Could You" erscheint am 20. Januar 2006. Parallel vermelden Vanilla Ninja neben Manager David Brandes, mit dem man sich noch vor Gericht streitet, einen weiteren Verlust: Auch die neue Bassistin Triinu möchte nicht mehr dabei sein. Doch die übrigen Mädels verzichten auf einen Ersatz: Sie machen in Zukunft zu dritt weiter.

Ihr drittes Album "Love Is War" erscheint im Mai 2006 bei Emimusic, von der vorab veröffentlichten Single "Dangerzone" zeigen sich zumindest die Fans schwer begeistert.

Im Jahr 2007 gewinnen die Girls von Vanilla Ninja einen Bandnamen-Rechtsstreit gegen ihren Produzenten Michael Brandes. Die Plattenveröffentlichungen entwickeln sich indes in kleinere Formaten. So erscheint zwar 2008 die Single "Crashing Through The Doors", doch die Fans können sie lediglich direkt auf der Sommertour erwerben. Ex-Bassistin Triinu Kivilaan hingegen veröffentlicht im August mit "Now And Forever" ihr erstes eigenes Solo-Album. Die vorab ausgekoppelte Single "Home" platziert sich in den Charts, "Fallen" folgt als zweite Single.

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