Porträt

laut.de-Biographie

Wolfgang Petry

"Geil, geil, geil" finden ihn seine Fans, "Schlagerfuzzi" titulieren ihn die anderen. Seine Anhänger schätzen seine Bodenständigkeit und seine oft einfach gestrickten, aber für Schlager-Konsumenten ansprechenden Songs. Längst ist eine große Hysterie um 'Wolle', wie ihn seine Jünger zärtlich nennen, ausgebrochen und Stadionkonzerte mit 50.000 oder mehr Besuchern nichts Außergewöhnliches mehr. Wie kommts?

Jahrzehnte lang kommt kaum eine Après Ski-Party, Betriebsfeier oder Dorffest ohne die Schlagerhits des zotteligen Dauerbrenners aus, der aus Köln-Raderthal stammt, und nicht aus dem bergischen Land, wie mitunter fälschlich behauptet wird.

Jährlich legt er mehrere tausend Kilometer zurück, um dem Publikum zu geben, was es erwartet: Wolle live. Dafür bekommt er dann schon mal von einem Fan die "goldene Bremsscheibe" (Kein Witz!) verliehen.

Ihm selbst ist angeblich egal, vor wie viel Leuten er spielt, seien es 500 oder 50.000, meint Wolle selbst: "Man muss das Kleine erlebt haben, um das Große achten zu können." Als Schwarm vernachlässigter Hausfrauen und Vorbild aller Schnauzbartträger hat man ja auch so seine Verpflichtungen. So kommt es, dass Petry zum King of Schlager aufsteigt.

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Der ganz große Durchbruch gelingt Petry 1996, als die Nummer mit der längsten Single der Welt beginnt: 20 bis 30 Minuten eingängigste Liederfragmente, ein Querschnitt durch seinen musikalischen Werdegang. Das Erfolgsrezept nach 20 Jahren im Geschäft ist gefunden, und so streut der gelernte Feinmechaniker zwischen den folgenden Alben immer wieder einen neuen Teil von "Die Längste Single Der Welt" ein. 2005 bläst er seine Collagen-Single sogar zu einem ganzen Album auf und nennt es "Die längste Single der Welt - Das Album".

Petry liebt und lebt in den Liedern wie eh und je das einfache, schnörkellose Leben. Er geht durch die Beziehungshölle, analysiert das Paarungsverhalten von Mann und Frau und weiß: "Wir Kommen Alle In Den Himmel". Erst nach der Party, versteht sich.

2006 ist die Party vorbei. Wolfgang Petry gibt seinen Abschied aus dem Musikbusiness bekannt. Bei der Verleihung der Goldenen Stimmgabel am 16. September, bei der Dieter Thomas Heck für sein Lebenswerk ehrt, überrascht er die Öffentlichkeit:

Wolfgang Petry - Brandneu
Wolfgang Petry Brandneu
Ob Schlager oder Rock: Er verrät beide.
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"Bei Heck habe ich angefangen, dort will ich auch wieder aufhören", so Petry wörtlich. Geschickt stellt er sich bei der Begründung seiner Entscheidung jedoch nicht an, da er sich ausgiebig über den Starrummel beklagt, dem er sich ständig ausgesetzt sieht.

Ohnehin handelt es sich bei dem Rückzug aus dem Geschäft nicht um dessen Ende. Petry trennt sich zwar von seiner charakteristischen Matte, dem Schnauzbart und dem Wust an über die Jahre angesammelten Freundschaftsbändchen, die er bisher spazieren trug, und kann fortan weitgehend unerkannt durchs Leben gehen.

Mit seinem Werk lässt sich seinen dürstenden Fans trotzdem noch der eine oder andere Taler abpressen. 2014 legen findige Produzenten seine sattsam bekannten Hits "im angesagten Discosound" neu auf, versehen sie mit dem Stempel "tanzbar!" und bringen die Gassenhauer erneut unters Volk - nicht nur "Einmal Noch", sondern auch gleich noch in einer Weihnachtsausgabe.

Im gleichen Jahr tritt Wolfgang Petry entgegen früherer Ankündigungen erneut ins Rampenlicht. Erst kooperiert er mit seinem Sohn Achim Petry, dann will er es doch noch einmal selbst wissen. Im Frühjahr 2015 erscheint mit "Brandneu" sein erster richtiger Longplayer seit langer Zeit.

Die Fans, die ihm über die Jahre die Treue gehalten haben, müssen sich allerdings auf ungewohnte Klänge einstellen: Statt sich strikt auf Ballermann-kompatiblen Party-Schlager zu beschränken, setzt Petry inzwischen außerdem auf rockige Pop-Töne.

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Alben

Wolfgang Petry - Brandneu: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 1 Punkte

2015 Brandneu

Kritik von Ulf Kubanke

Ob Schlager oder Rock: Er verrät beide. (0 Kommentare)

Videos

Brandneu
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