Porträt

laut.de-Biographie

The Sonics

Was wäre Seattles Musikszene ohne The Sonics? Man darf spekulieren: Hätten die Nordwestler nicht (gemeinsam mit den Wailers oder The Kingsmen) die Pinnnadel in die musikalische Landkarte der USA gesteckt, wäre Nirvana, Soundgarden und insbesondere Mudhoney möglicherweise erst deutlich später mediale Aufmerksamkeit zuteil geworden. Und damit der Siegeszug des Grunge zumindest verzögert worden. Aber nicht nur der.

The Sonics' lauter, roher und wilder Garagerock setzt sich 1965 mit dem Debütalbum "Here Are The Sonics" selbst ein Ehrenmal - und begründet mit den Paradestücken "The Witch", "Psycho" und "Have Love, Will Travel" mal eben die Wurzeln des Punkrock.

Ihre Mischung aus Garagerock-Standards und kantigem Rock'n'Roll sollte eines Tages von Musikhistorikern als Proto-Punk klassifiziert werden: simple Akkorde, schneller und harter Vortrag sowie Texte aus der Teenage-Kultur der Sixties – Autos und Mädchen, Gitarren und Surfen, dazu provozierende Abhandlungen über Satan, Strychnin oder Psychopathen.

Auch abseits des Genre-Pionierruhms gelten die Sonics bis heute für zahllose Gitarrenformationen als bedeutendes Vorbild - der White Stripes über die Hives bis zu Kurt Cobain höchstpersönlich ("Die Sonics haben den großartigsten Drumsound aller Zeiten"). 2000 erscheint zudem ein Tribute-Album namens "The New Original Sonic Sound".

Ihren Anfang nehmen sie 1960 in Tacoma, Washington als Instrumentalcombo. Nach zahlreichen Umbesetzungen formiert sich erst 1963 der berühmte feste Kern um Gerry Roslie (Gesang, Keyboards). Andy Parypa greift zum Bass, sein Bruder und Bandinitiator Larry spielt die Leadgitarre, Rob Lind vor allem das Saxofon, während Bob Bennett an den Drums Platz nimmt.

Obwohl vorher schon respektiert in der lokalen Clubszene, holt erst diese Konstellation das Maximum an Energie aus den Sonics. Bennett malträtiert das Schlagzeug ohne Gnade, Larrys Gitarrenarbeit ist zu diesem Zeitpunkt kantiger und bissiger als je zuvor, und Roslie vermag am Mikrofon zu jaulen wie ein lederlungiger Little Richard. Schnell steigt die Band zum Gesprächsthema Nr.1 im Staat Washington auf. Rob Lind: "Wir versuchten einfach, so laut wie möglich zu sein."

1964 bietet sich der sichtlich beeindruckte The Wailers-Bassist Buck Ormsby als Manager an. Ein Plattendeal mit dem Wailers-Label Etiquette Records folgt. Im November erscheint die erste Single "The Witch". Obwohl die Radiosender das Punkstück aus Angst vor dem "jugendgefährdenden Einfluss" des für jene Zeit extrem harten Sounds nur zu bestimmten Tageszeiten rotieren lassen, schafft es "The Witch" letztlich zur bestverkauften Single in der Geschichte des Nordwestens.

Berühmt wird bald auch die minimalistisch-primitive Aufnahmetechnik der Sonics: Als sie 1965 ihr Debüt aufnimmt, stellt die Band lediglich ein einziges Mikrofon vor die Drums; ein Jahr später, für das Recording des Zweitwerks "Boom", reißt man die Schallabdichtung von den Wänden des Studios, um einen "lebhafteren" Sound zu erhalten. Punkrock will eben alles, bloß keine Perfektion.

Mit diesen zwei Garagepunk-Meilensteinen im Gepäck tritt das Quintett mit anderen Größen wie den Beach Boys oder The Shangri-La's in den größten Venues auf. Doch die Heydays währen nicht allzu lang: Als The Sonics Ende 1966 zu Jerden Records wechseln und die glatter und sauberer klingende LP "Introducing The Sonics" einzuspielen, wächst die Unzufriedenheit. Die Band selbst nennt jene Songs gar "the worst garbage".

Schließlich zerfällt die Gruppe. Einige Mitglieder entscheiden sich für ein Universitätsleben, andere wechseln die Band, und dann wird Saxofonist Rob Lind auch noch von der Armee in den Vietnamkrieg einberufen. Nachdem alle originalen Member gegangen sind, treten völlig neue Gesichter unter dem Pseudonym auf. Streicher und Hörner finden Eingang in den Sound.

Nach einer kurzen Rückkehr 1972 reüssieren The Sonics 2007 für das Cavestomp Garage Rock Festival in Brooklyn beinahe im Original-Line-up: Ricky Lynn Johnson (The Wailers) an den Drums und Don Wilhelm an Bass und Vocals helfen aus. Und weil Blutlecken oft Lust auf mehr macht, gibt die Band bis heute weltweit Comeback-Gigs.

Alben

  • The Sonics

    Offiziell.

    http://www.thesonicsboom.com/

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