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The Other gehen mühelos als die bekannteste und kommerziell erfolgreichste Horrorpunkband in Europa durch. Mit düsterem eingängigen Punkrock, comicstrip-artigem Styling und dem charismatischen Gesang ihres Fronters Rod Usher führen sie die Tradition der Misfits fort.
Sie bilden die Speerspitze des überschaubaren, aber sich stetig wachsender Beliebtheit erfreuenden Genres Horrorpunk. Ihre ausgedehnten Tourneen führen sie in alle Teile unseres Kontinents. Die Gruselrocker sind gern gesehene Gäste auf den größten Festivals wie zuletzt auf dem M'era Luna 2008.
Sänger Rod Usher, Gitarrist Sarge von Rock, Drummer Dr. Caligari und Basser Andy Only gründen The Other 2002 in Leichlingen, schon seit 1999 hatten sie unter dem Namen Ghouls erfolgreich Misfits-Songs gecovert.
Ihr Debüt "They're Alive" von 2004 enthält 13 melodiöse Punkrock-Tracks mit teils metallischen Einflüssen, die in Arrangement und Darbietung noch eng an die großen Vorbilder Misfits angelehnt sind. Gleichwohl landet die Band mit dieser CD in der Fachpresse einen ersten Achtungserfolg und erntet weitgehend wohlwollende Kritiken.
Daraufhin nehmen die Misfits selbst die Leichlinger Horrornovizen noch im selben Jahr als Support-Act mit auf ihre Europatournee. Es folgen Gigs im Vorprogramm der Gothic Rock-Genregrößen The 69 Eyes.
Auf "We Are Who We Eat" (2006) sind die Songstrukturen variabler und lassen Platz für zusätzliche Instrumente wie zum Beispiel eine Orgel. Songwriting, Produktion und vor allem der Gesang haben sich deutlich weiter entwickelt. "Shadows From The Past" ist der erste Anti-Nazi-Song des Genres Horrorpunk überhaupt - eigentlich ist es innerhalb der Szene sowohl unter den Musikern, als auch unter den Fans verpönt, politische Inhalte zu verbreiten.
Die anschließenden Touren - unter anderem mit Bela B., The Cult und The Damned - steigern den Bekanntheitsgrad beträchtlich. So wagt die Band im Januar 2007 den Sprung über den großen Teich und tourt in den Staaten. Kurz vor Tourneestart im Dezember 2006 steigt überraschend Gründungsmitglied Andy Only aus der Band aus. Seitdem spielt der ehemalige Roadie der Band, Migore Drake, den Bass.
Das Horrorcomic "Tales Of The Other" erscheint 2007 und zeigt die Biographie der einzelnen Bandmitglieder wie in einer alten Marvel-Comic-Reihe. Zeitgleich dreht die Band ihr erstes Video. "Lover's Lane" mit der Porno-Darstellerin Leonie Saint sorgt für einigen Wirbel im hiesigen Blätterwald, die Boulevardpresse nimmt Anstoß an der gezeigten Ermordung der Hauptfigur.
In "The Place To Bleed" integrieren die vier Zombierocker neben den gängigen B-Movie-Themen Text-Motive von Robert Louis Stevenson, Stephen King, H.P. Lovecraft und Edgar Allen Poe. Auch die Musik klingt facettenreicher und enthält neben komplexeren Songstrukturen jenseits der misfitstypischen 'Wooaawooaa'-Chöre vereinzelt Psychobilly-Elemente.
Den idealen Rahmen für das Horrorkitsch-Theater geben die Vocals von Usher. Mal orientiert er sich am Glenn Danzig der Spätachtziger. Dann und wann erinnert er an Ian Astbury von The Cult. Gern streut er auch die typische Jello Biafra-Phrasierung der Dead Kennedys mit hinein. Diese Methode raubt dem Klang seiner Stimme dennoch nie die Eigenständigkeit. Das klare dunkle und akzentfreie Timbre Ushers etabliert sich immer deutlicher als Aushängeschild von The Other.
Daran ändert sich auch auf "New Blood" nichts. Allerdings haben sie nun mit Steamhammer/SPV ein ungleich mächtigeres Label im Rücken und sollten ihre Fanschar so noch vergrößern. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Jungs auf so unterschiedlichen Festivals wie dem Wacken Open Air oder dem M'era Luna Festival abgefeiert werden.
Einmal mehr packt der Bassist der Band seine Sachen, und ab Dezember 2010 sehen sich The Other nach einem neuen Tieftöner um. Den finden sie in Person von Viktor Sharp: im Juni 2012 legt die neubestückte Combo "The Devils You Know" vor.
Über gute Songs und schlechten Sound, Punk-Puristen, Idole und Egos.
Sänger Rod Usher plauscht unter anderem über die Nachwuchsprobleme im Horror-Punk, das Sitzen zwischen den Stühlen und seine unterschiedlichen Erfahrungen mit Headlinern.
Mit "The Devils You Know" haben The Other eben ein starkes neues Album veröffentlicht. Sie freuen sich über etliche Gigs in Russland und natürlich die Teilnahme beim Amphi Festival. Schließlich spielen sie da quasi direkt vor der eigenen Tür. Vor diese muss Sänger Rod Usher noch nicht einmal gehen, um einen Plausch mit mir zu halten. Dafür reicht auch der heimische Balkon und ein kabelloses Telefon:
Hey, Eddy! Schön, dass wir uns hören können.
Wir hätten das Interview auch per Skype machen können. Dann hätten wir uns sehen, riechen und anfassen können.
Klingt ja verführerisch, aber so fortschrittlich bin ich leider nicht. Ich hab' mir zwar grad 'nen neuen Fernseher mit W-LAN Anschluss gekauft und mir damit auch schon bei Maxdome 'nen Film angeschaut. Aber ich wundere mich eigentlich immer noch, wie ich das technisch hinbekommen habe. Hast du unsere CD schon bekommen?
Die Review ist doch sogar schon online. Ich dachte, du rufst mich jetzt an und erklärst mir, warum ich mit meiner Wertung von drei Punkten viel zu tief angesetzt habe. Ich war hin- und hergerissen, hab' mich aber dann doch gegen die Vier entschieden.
Oh. (Klingt etwas enttäuscht, aber auch interessiert.) Und warum?
Weil ich den Einstieg wirklich großartig finde, dann habe ich aber den Eindruck, dass euch ein wenig die Puste ausgeht und nur noch gute Songs kommen, wie man sie von euch schon kennt. Da lässt der starke Einstieg einfach mehr erwarten.
Hmm, ich glaube, ich muss dir leider recht geben. Ich habe mittlerweile auch den Eindruck, dass die besseren Songs vorne auf der Scheibe stehen. Vielleicht hätten wir bei der Reihenfolge ein wenig besser mischen müssen. Wobei ich auch schon von einigen gehört habe, dass sie "Hell Is A Place On Earth" total super finden, das mir eigentlich nicht so am Herzen liegt. Wie mans macht, man macht es falsch (lacht). Aber du hast schon recht, sozusagen die Standardsongs wie "Fire From The Sky" sind eher weiter hinten. Da stehen unsere Die Hard Fans tierisch drauf, denn stilistisch sind die natürlich punktgenau The Other. Die ungewöhnlicheren und damit vielleicht interessanteren Nummern stehen am Anfang der CD. Da gibts dann natürlich gleich wieder die Leute, die behaupten wir wären zu sehr Metal, zu sehr Rock'n'Roll, zu sehr was weiß ich was geworden, für die kommen die richtig guten Songs erst weiter hinten auf der Scheibe. Keine Ahnung, vielleicht sitzen wir mit dem Album irgendwie zwischen den Stühlen. Wir sind jedenfalls total zufrieden mit dem Ding.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ihr mit dem Album auch für Metal-Fans immer interessanter werdet.
Ja, absolut. Im Metal Hammer stehen sie total auf "The Devils You Know", aber auch im Ox sind wir noch einmal eine Spur besser angekommen als mit "New Blood". Hätte uns da aber ein echter Punk-Purist besprochen, wäre die Review möglicherweise schlechter ausgefallen. Manche sind in ihren Genres ja recht puristisch.
Der Opener "My Home Is My Casket" ist vom Riff her jedenfalls brettharter Metal.
Ja, keine Frage. Aber das ist ja schon Tradition bei uns, dass der erste Song richtig vor den Latz ballern muss. Das hatten wir auf den letzten Alben bereits ähnlich. Ich finde, wir hatten schon immer Metal mit drin. Das hat man auf den ersten Scheiben nur nicht so gehört, weil der Sound eben mehr nach Garage klang als nach Studio. Würden wir die Songs jetzt nochmal mit Waldemar (Sorychta, der Produzent der letzten beiden Scheiben) aufnehmen – mein lieber Schwan! Die Veränderungen in unserem Stil sind zwar durchaus vorhanden, halten sich aber im Rahmen. Vor allem, wenn man die Kontinuität verfolgt. Das waren immer kleine Schritte. Dass sich das Erste und das Fünfte deutlich unterscheiden, ist klar. Man kann schließlich nicht immer nur nach den Puristen gehen, denn wir wollen auch nicht auf der Stelle treten. Wir spielen immer noch harte Punkmusik, öffnen uns aber einfach auch in unterschiedliche Richtungen. Wir wollen die Meute in gewisser Weise gern anführen. Was bringt es denn, wenn du immer nur wie 'ne Misfits-Coverband klingst? Da hat doch keiner was von. 'Ne Band wie AFI hat sich im Vergleich zu ihren Anfangstagen deutlich verändert und stehen mit ihrem eigenen Stil jetzt ganz weit oben. Es ist in kreativer Hinsicht einfach essenziell, dass man sich auch ein wenig austoben kann.
Voll und ganz verständlich. Ich denke auch, dass eure Entwicklungsschritte jederzeit nachvollziehbar und in einem für jeden erträglichen Rahmen stattgefunden haben. Ihr habt ja nie euren Stil komplett umgekrempelt oder eure Wurzeln verleugnet.
So sehe ich das auch. Außerdem muss man sehen, dass das nach "New Blood" für uns eine stressige Zeit war. Du hast das Album ja auch sehr gelobt, wie zahlreiche andere Magazine ebenfalls. Das war dann eine echt riesige Erwartungshaltung, die da an uns gestellt wurde. Auch von unserer eigenen Seite her. Als dann auch noch unser alter Bassist ausgestiegen ist, waren wir in Sachen Kreativität erst einmal ein wenig hinten dran. Gleichzeitig war der Druck aber so hoch, dass wir uns fast nicht ans Songwriting getraut haben. "Skeletons In The Closet" oder "In My Veins" waren die ersten Songs, an denen wir gearbeitet haben, und die gingen uns anfangs extrem schwer von der Hand. Wir mussten da erst wieder rein finden. Gerade unser neuer Basser Victor Sharp hat da enorm viel Input gegeben und uns beflügelt. Am Ende hatten wir bestimmt Ideen für 30 Songs. Das Beste davon gibt es jetzt eben auf "The Devils You Know".
Ja, das letzte Album hat er ja nur gemischt. Aber dieses Mal haben wir schon die komplette Vorproduktion mit ihm gemacht. Der Mann weiß definitiv, was er tut, auch als Songwriter. Ich erhoffe mir von einem Produzenten eben noch einen gewissen Input in Form von Ideen und Arrangements. Da hat uns enorm unter die Arme gegriffen. "Fright Night" zum Beispiel war zuerst ein straighter Punk-Song. Auf sein Anraten hin haben wir die Gitarren dann einfach mal an den richtigen Stellen raus gelassen und nur mit Keyboard gearbeitet. Der Song bekam auf einmal eine ganz andere Dynamik. Manchmal brauchst du echt Input von draußen, vor allem, weil man sich in unserem Genre doch leicht wiederholt. Die ersten vier Scheiben haben wir mit demselben Team aufgenommen. Es war einfach mal an der Zeit für einen Wechsel zu jemandem, der eben noch ein bisschen mehr aus uns rauskitzelt. Ich musste meine Gesangsparts andauernd wiederholen, bis ich irgendwann fragte: "Ist das denn so schlecht, was ich da mache?" Waldemar meinte nur: "Nein, aber das kannst du noch besser." Meistens hatte er Recht. Das hat zwar genervt, aber das war es wert.
Der Waldemar kaut dir mit seinen Geschichten aber auch gern ein Ohr ab, oder?
Ja, aber nicht unsympathisch. Das Schlimmste war allerdings, dass er bei jeder Aufnahmesession mit dem Dortmund-Trikot da saß. Irgendwann kam noch der Tom Angelripper reingelatscht, weil wir quasi in deren Proberaum aufgenommen haben, und stand dann im Schalke-Trikot rum. Das war für mich als alten Gladbach-Fan natürlich 'ne fette Provokation (lacht). Da wurden dann auch schon mal zwei Stunden nicht aufgenommen, sondern fett palavert.
Viele Horror-Punk-Bands glänzen auf ihren CDs eher weniger mit gutem Sound. Das scheint beinahe schon ein Standard zu sein. Demented Are Go sind zwar definitiv Psychobilly, haben aber auch dieses Horror-Genre-Ding und mit "Welcome Back To Insanity Hall" ein Album mit starken Songs, aber vor allem auch richtig gutem Sound veröffentlicht. Werdet ihr auch schon mal angefeindet, dass ihr einen zu sauberen, zu fetten Sound hättet?
Aber hallo! Das wird uns sogar recht häufig angekreidet, und ich kann das beim besten Willen nicht nachvollziehen. Das ist dann auf einmal zu mainstreamig, in einer US-Review hab' ich neulich erst gelesen: 'From Horror Punk to Stadion Rock.' Wo spielen wir denn bitte Stadion-Rock? Nur weil der Sound auf einmal drückt? Das ist doch lächerlich! Das ist immer noch dieselbe Band, nur dass es jetzt eben besser klingt. Der Witz ist ja noch, dass wir eigentlich weniger aufgenommen haben als früher. Wir nehmen nicht mehr vier Rhythmusgitarren auf, sondern nur zwei. Der Waldemar weiß nur einfach besser, was er da macht. Entsprechend klingt das Ergebnis. Ich persönlich war schon immer absoluter Soundfetischist und konnte mit The Misfits ganz früher erst überhaupt nichts anfangen, weil der Sound ihrer CDs so beschissen war. Erst, als ich merkte, was für geile Songs das dennoch sind, wurde ich Fan von denen. Ich tu mich echt schwer mit schlecht aufgenommen Sachen. Die erste Darkthrone klingt immer noch wie 'n Staubsauger. Ich kann mir das nicht antun.
Wie kann man das dann als Kult ansehen und bewusst einen schlechten Sound wählen? Schließlich gewinnt ein guter Song durch einen guten Sound deutlich dazu.
Ja, genau so seh' ich das auch. Ich kann das nicht nachvollziehen. Aus 'nem Scheiß-Song kannst du mit 'nem guten Sound nicht viel holen, aber wie willst du denn Feinheiten beim Songwriting aus einem miesen Sound überhaupt heraushören? Wir haben uns gerade deswegen auch dieses Mal solche Mühe gegeben, Feinheiten wie Breaks und Fills besonders exakt zu spielen, weil man das ja alles hört. Auf unserem dritten Album wären solche Feinheiten komplett untergegangen. Wer behauptet, dass Horror-Punk-Bands nach Garage klingen müssen, hat meiner Meinung nach keine Ahnung.
Du bist ja nicht nur als Sänger bei The Other aktiv. Hast du dich mit dem Produzentenjob auch schon beschäftigt oder bist du froh, wenn du alles aus der Hand geben kannst?
Man könnte sagen, dass ich die Band in gewisser Weise manage. Von daher ist man schon in solche Sachen auch eingebunden. Aber letztendlich hatte Waldemar zunächst einmal freie Hand, mit dem, das er gemacht hat. Was Musik angeht sind wir sehr demokratisch. Wenn es darum geht, Einflüsse von außen zuzulassen, bin ich recht offen. Da gibt es ein, zwei andere in der Band, die da deutlich starrköpfiger sind (lacht). Aber der Waldemar macht ja in der Regel keine Scheiße, sondern immer gute Vorschläge. Wenn dann wirklich etwas dabei war, das uns gar nicht gepasst hat, dann haben wir ihm das gesagt und sind bei unseren Ideen geblieben. Oft hat er uns aber sozusagen das Tüpfelchen auf dem i noch geliefert. Von daher würde ich auch liebend gern mal mit einem Produzenten wie Bob Ezrin arbeiten, der von KISS "Destroyer" oder "Welcome To My Nightmare" von Alice Cooper gemacht hat. Der hat beide Bands für meinen Geschmack auf ein ganz neues Level gehievt. Ich fände extrem spannend zu sehen, was der aus unseren Songs machen würde.
Ihr habt mittlerweile schon mit echt großen Bands zusammen gespielt, vor allem auch mit einigen deiner Idole, wie The Cult oder eben Alice Cooper. Wie war das für dich?
Prinzipiell natürlich großartig, aber man erlebt da auch schon einige sehr strange Sachen. Als wir mit The Cult in Köln gespielt haben, mussten wir vor dem Auftritt, als Ian, Patrick und Co ankamen, in unseren Backstage-Raum gehen, damit The Cult den großen Raum alleine nutzen konnten. Bier durften wir auch nicht trinken, wenn die Jungs in der Nähe waren, sie ansprechen schon mal gar nicht. Das war bei Alice Cooper deutlich relaxter und schmerzfreier. Da konnten wir mit allen überall rumhängen, auch mit Alice konnte man ganz normal reden. Der kam sogar extra zu uns in den Backstageraum und hat Fotos mit uns gemacht und Sachen signiert. Das war schon 'ne ganz andere Angelegenheit. Das war unglaublich, um so frustrierter war ich dann bei The Cult. Man hat es halt als Band im Vorprogramm von solchen Headlinern immer schwer, weil die Fans primär wegen der Hauptband da sind. Dabei finde ich, wir passen von der Stimmung her eigentlich ganz gut zu beiden. Ian Astbury kam damals nach dem Gig zu mir und meinte: "Hey you guys sound cool. You sound like the Misfits." Na, danke (lacht). Aber das war nach dem dritten Album und traf damals wohl auch noch ziemlich zu.
Trotzdem nicht unbedingt das, was man dann hören will. Was du vermutlich auch nicht gern hörst, ist, dass unter der Review zu "The Devils You Know" ein automatischer Link zu einem YouTube-Video von euch steht, der das komplette Album als Stream beinhaltet.
Ne, oder? Da bekomm ich echt schon wieder die Krise. Mann, sowas nervt mich echt, aber was willste machen? Das kannste leider nicht beeinflussen, das seh' ich mit 'nem weinenden und 'nem lachenden Auge. Wir haben halt auch viele Fans in Südamerika oder in Russland, wo wir im November spielen. Die haben kaum eine andere Möglichkeit, an unsere Sachen zu kommen. Von daher find' ich das schon gut, wenn die die Möglichkeit bekommen, das Album zu hören. Aber Tatsache ist nun mal, wenn wir von dem Album nicht genug verkaufen, dann setzt uns unser Label über kurz oder lang vor die Tür. Das muss den Leuten irgendwann mal bewusst werden, dass sie kleine Bands mit solchen Sachen ruinieren. Wir haben die neue Scheibe als Doppel-LP mit Comic, CD und Bonustrack veröffentlicht, damit die echt einen Gegenwert für ihr Geld bekommen. Aber das ist vielen Leuten leider egal, wenn alles nur einen Klick entfernt ist. Sowas werde ich als Sammler und Musikliebhaber nie verstehen. Klar, jeder hat mal ein Album weiter gegeben. Sowas sollte auch nicht bestraft werden. Aber ein Album auf Tauschbörsen einzustellen, wo einfach jeder die Sachen umsonst ziehen kann – das geht gar nicht. Da fehlt das Unrechtbewusstsein. Die Leute gehen ja auch nicht in den Saturn und klauen die CD da, weil sie Schiss haben, erwischt zu werden. Im Internet ist das aber ganz normal und alltäglich. Ich weiß allerdings auch keine wirklich schlaue Lösung für das Problem. Was ich allerdings weiß, ist dass man den Schwachsinn der Piraten in Sachen Urheberrecht auf keinen Fall unterstützen kann. Das Urheberrecht abzuschaffen wäre einfach nur ein Schlag ins Gesicht von jedem Kreativen.
Leider nicht so ideal, und zwar aus zwei Gründen. Der eine ist, dass kaum mehr CDs gekauft werden. Andererseits muss ich aber auch feststellen, dass kaum gute Bands nachkommen, die zu unterstützen es lohnen würde. Horror-Punk war zwischen 2003 und etwa 2010 ein gewisser Hype, und quasi die Einzigen, die sich da freischwimmen konnten, waren The Other und Blitzkid. Wir haben das Glück gehabt, dass wir auch im Metal und Gothic unsere Fans gefunden haben und somit nicht auf das Genre Horror-Punk limitiert sind und ich denke, wir haben uns etabliert. Blitzkid lösen sich nun ja bald auf. Dann ist da ein großes, schwarzes Loch. Ich sehe ständig Bands, die mit uns spielen, aber die haben einfach noch einen ganzen Weg vor sich. Selbst The Fright, die es jetzt schon zehn Jahre lang gibt, haben mich jetzt erst mit der letzten Scheibe wirklich überzeugt. Deswegen halte ich mit dem Label den Ball gerade relativ flach. Aber ich bin da zum Glück auch in keinerlei Zugzwang.
Ich fand die Death Of A Demon-Scheibe sehr geil.
Ja, das war ein super Album, aber hatte mit dem Thema Horror-Punk leider so gar nichts zu tun. Total geile Band, aber unsere Käuferschicht konnte mit den Jungs leider nicht viel anfangen. Dabei sollten Danzig-Fans von dem Ding eigentlich total angetan sein. Aber im Metal-Bereich sind sie bei der Schwemme an Bands leider total untergegangen, und für Horror-Punk war es die falsche Musik.
Das Problem hatten die Jungs mit den Heartbreak Engines leider auch schon, dass sie total zwischen den Stühlen saßen.
Wobei ich nach wie vor der Meinung bin, dass die Heartbreak Engines wie Horror-Punk mit Kontrabass klingen. Gerade durch Lous Gesang und die durch und durch punkige Einstellung. Ich hab' nie verstanden, wieso die als Psychobilly bezeichnet wurden.
Wurden sie das? Sie waren halt irgendwo zwischen allen Stilen. Ich fand die Blues-Einflüsse, gerade von Syds Soli, immer auch sehr geil. Musikalisch war das mal punkig, mal rockig, aber eben immer mit Grischas Kontrabass. Schon wusste niemand mehr, wo er sie hinstecken sollte.
Da hast du wohl Recht. Aber es scheint, also wäre die Zeit langsam reif für die Band. Sie hatten sich nach dem letzten Album ja aufgelöst. Jetzt spielen sie immer mal wieder ein paar Gigs, und das geht gut ab. Vielleicht sollten wir uns auch mal zehn Jahre auflösen und dann wieder zurück kommen. Wobei, dann könnte ich auch direkt an Krücken auf die Bühne kommen (lacht). Der Punkt ist aber der: Wir haben als reine Horror-Punk-Band angefangen und uns jetzt peu à peu zu dem Sound hin entwickelt, den wir haben wollten. Die Heartbreaks sind direkt mit diesem Zwischen-allen-Stühlen-Sound eingestiegen, was anscheinend zu viele Leute noch überfordert. Aber ich hab' dieses Schubladen-Denken noch nie verstanden. Wenn es gute Musik ist, ist es gute Musik. Egal wie.
Was ist eigentlich aus dem Kinkats-Magazin geworden, an dem du auch beteiligt warst?
Das gibt es leider nur noch online. Ich hab mich davon weitgehend zurückgezogen, nachdem das Printmagazin gestorben war und es redaktionell nichts mehr zu betreuen gab. Falls das mal wieder was wird mit einer Printausgabe, dann wäre ich auch wieder mit dabei. Das war schon irgendwie mein Baby, weil ich das ja von Beginn an mit aufgezogen habe. Aber – Björn (Jansen, der Verf.) jetzt mal ausgenommen – gab es mit dem Fotografen und Models eigentlich immer nur Ärger. Da prallten dann immer Egos und Realitäten aufeinander, vor allem von Mädels, die fest davon ausgingen, dass sie eigentlich für den Playboy bestimmt wären, aber leider doch erst mal mit Kinkats zusammen arbeiten müssen. Die waren dann der Meinung, dass sie mindestens auf das Cover müssen, wenn sie schon mit uns arbeiten. Dabei sah die Realität oft so aus, dass ich mir nicht mal sicher war, ob ich die vom Aussehen überhaupt mit ins Heft nehmen wollte. Deswegen hab ich mich dann irgendwann komplett auf den Inhalt, also Tattoo, Musik, Lifestyle, konzentriert, damit ich mit diesen ganzen Rockstars nichts zu tun haben muss. Allerdings haben sich durch Kinkats auch ein paar sehr, sehr gute Freundschaften entwickelt, die ich ohne nicht gehabt hätte und die ich nicht missen möchte. Ich bin auch zwei Jahre, nachdem das Printmagazin eingestellt wurde, immer noch sehr traurig darüber, denn es gibt nach wie vor nichts Vergleichbares. Online existiert Kinkats aber noch.
Dann gib mir zum Abschluss doch noch einen guten Buchtipp für unsere Leser.
Lass' mich mal überlegen. Hm, aktuell lese ich gerade von Anne Rice "The Wolf Gift". Ich fand die "Interview With The Vampire"-Reihe sehr gut, aber dann kam auf einmal nur noch so romantischer Scheiß bis hin zu christlich inspiriertem Kram. Aber der Werwolf-Roman ist echt wieder gut. Ansonsten les' ich gerade 'ne weitere KISS-Biographie, aber da steht auch nichts drin, das ich nicht schon wüsste. Und ansonsten … Das letzte Stephen King-Buch "Der Anschlag" war 'ne Macht. Das ist tatsächlich eins der besten Bücher, die King in den letzten 20 Jahren geschrieben hat. Vor allem die Referenzen an "Es" finde ich großartig umgesetzt.
Rod Usher übers Wacken Festival und Vorbilder wie Alice Cooper oder Peter Steele.
Wer Horrorpunk sagt, muss The Other sagen: Seit 2003 sind die Gruselrocker weltweit auf Achse, um Angst und Schrecken zu verbreiten, und erreichen damit immer mehr Horror-Fans.
Längst haben The Other sich aus einem Nischengenre herausgespielt und einen festen Platz im Punk-Rock-, Gothic- und Metal-Genre erkämpft. Jetzt legen die Untoten ihr neues Album "New Blood" vor und toppen damit alle Vorgänger.
"New Blood", euer viertes Album immerhin, wirkt frischer und energiegeladener als die schon gelungenen Vorgängerwerke. Woher kommt die Frischzellen - oder besser gesagt - Frischblut-Kur?
Seit "The Place To Bleed" hat The Other irgendwie einen großen Sprung gemacht, plötzlich kamen die großen Festivals, die großen Support-Gigs, die erfolgreichen Touren, und irgendwie hat das uns als Band total bestärkt und zusammengeschweißt. Vielleicht haben wir einfach eine gewisse Sicherheit erlangt, die anfangs durch den Ausstieg von Andy Only noch weg war ... Jedenfalls sehe ich es auch so, dass wir mit "New Blood" unser frischestes, abwechslungsreichstes und bestes Album abliefert haben. Wir haben uns von allem Druck frei gemacht und einfach auf unser Bauchgefühl gehört, anstatt verkopft ans Werk zu gehen. Und das war wohl genau der richtige Weg. Waldemar Sorychta hat dafür gesorgt, dass "New Blood" fetter und druckvoller klingt als alle bisherigen Alben. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit einem ausgewiesenen Metal-Produzenten, der stattlichen Referenzen wie Moonspell, Lacuna Coil, The Gathering oder Therion vorweisen kann?
Ich spiele ja schon einige Jahre in Bands, und schon seit den frühen Alben von Moonspell und The Gathering, an denen Waldemar ja im Woodhouse Studio auch mitgearbeitet hat, habe ich immer gesagt, dass ich auch gerne mal mit ihm arbeiten würde. Seit dem ersten The Other Album wurde der Wunsch konkreter und bei "The Place To Bleed" stand er auf unserer Liste, aber es fehlte eben das Budget, das wir nun dank des Wechsels zu SPV hatten. Der persönliche Kontakt kam letztendlich über den Chefredakteur vom Metal Hammer, der uns bekannt gemacht hat. Waldemar mochte unsere Musik, wir verstanden uns super, auch wenn er Borussia Dortmund Fan ist, und die Zusammenarbeit mit ihm und seinem Kollegen Dennis Koehne war einfach perfekt. Ich glaube, dass Waldemar einfach das perfekte Ohr für einen guten Mix hat, er achtet auf jedes Detail, nicht wie andere nur auf die Gitarre oder nur auf den Gesang. Die Drums klingen beispielsweise so gut wie nie. Alles fügt sich perfekt zusammen, kein Instrument nimmt dem anderen den Raum.
SPV ist ein echtes Traditionslabel, mit geilen Bands wie Moonspell, Welle:Erdball, Type O Negative, Helloween, Unleashed, Alice Cooper, Mötley Crüe ... wer will da nicht Label-Kollege sein? Außerdem haben die Jungs ganz andere Möglichkeiten, als wir mit Fiendforce. Da arbeiten vielen Leute den ganzen Tag daran, deine Band nach Vorne zu bringen und dazu hat man Budgets, die bei Fiendforce nie möglich gewesen wären. The Other musste diesen Schritt gehen, um weiter zu kommen. Und sowohl Fiendforce, als auch das Horrorpunk-Genre im Allgemeinen, profitieren ja davon, wenn mehr Leute von uns erfahren und das Genre entdecken, die alten Scheiben kaufen, etc.
Zum Metal-Label kommt auch der Auftritt auf dem weltgrößten Metal-Festival, dem Wacken Open Air, und sogar eine Support-Show für Rocklegende Alice Cooper. Was bedeutet das für euch?
Ich höre Alice Cooper, seit ich 13 bin, für mich wird da wirklich ein Traum wahr. Alice hat die ganze Theatralik erfunden, die Bands wie KISS, Manson oder wir später genutzt haben, er hat Klassiker geschrieben und ist quasi der Übervater des Schockrocks. Mit schlottern die Knie vor Ehrfurcht, wenn ich daran denke ihn zu treffen, und ich hoffe auf ein gemeinsames Foto. Vor den paar Tausend Leuten im Publikum allerdings habe ich keine Angst, das spornt eher an ... Und wenn mir einer vor zwei Jahren erzählt hätte, dass wir mal auf dem Wacken Open Air spielen würden, hätte ich das nie geglaubt. Wahnsinn, mit Iron Maiden, Slayer, WASP, etc. auf einem Event zu spielen, vor knapp 100.000 Headbangern! Momentan werden wirklich Träume wahr. Auf dem Mera Luna und diversen Punk-Festivals sind wir auch noch zu sehen, und um Halloween geht es natürlich wieder auf Tour!
Ist doch super, mit den jungen Damen vor der Nase, denn direkt dahinter kamen die großen Jungs, die sich im Pogo-Pit verausgabt haben, und an den Seiten standen die, die den Kopf auf und ab schüttelten und dazu ein Bier nach dem anderen tranken. Eine perfekte Mischung, was will man mehr? Zeig mir einen Musiker, der sich beschwert, weil hübsche Frauen in den ersten Reihen stehen. Bei einem The Other Konzert kann man süße Gothic-Girls in Strapsen und fesche Rockabellas kennen lernen. Das sind noch mehr Argumente, um uns mal live zu sehen!
Kürzlich wurdet ihr in einem Artikel "die Horrorpunk Posterboys" genannt. Wie reagiert man auf so etwas, wenn man eigentlich böse sein will?
Das zeigt doch nur, dass Menschen es würdigen, wie viel Arbeit wir uns mit unserem Image, den Artworks und der Bühnenshow machen. Schlimmer wäre doch so was wie "die hässlichste Band des Horrorpunks" oder "die dicken Jungs mit dem Clown-Weiß im Gesicht". Da bin ich lieber "Horrorpunk Posterboy"!
Noch einmal Stichwort SPV. Type O Negative waren Labelkollegen von euch bis zum überraschenden Tod von Peter Steele. Würdest du dich so nackt ablichten lassen, wie er es gemacht hat?
Erst mal möchte ich sagen, dass ich großer Fan der ersten Typ O-Alben bin und Peters Tod mich wirklich schockiert hat. Seine Playgirl-Bilder fand ich übrigens mutig, auch wenn es schon etwas komisch ist, den Sänger einer Band mit ausgefahrenem Rohr zu sehen. Für mich selbst wäre das allerdings nichts, ich zeig mich lieber in intimeren Rahmen und wenn die Betrachterin ebenfalls nackt ist.
Was macht ein Gruselrocker eigentlich, wenn er nicht gerade Angst und Schrecken verbreitet?
Beispielsweise alle zwei Wochen im Stadion mit meinem Verein mitzittern. Und natürlich viel mit Freunden unterwegs sein, z.B. gehe ich häufig zu Konzerten.
The Place To Bleed (2008), We Are Who We Eat (2006), They're Alive (2004)
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