Porträt

laut.de-Biographie

The Chameleons

Chamäleons passen sich ihrer Umwelt an. Diese britische Band tat 1981 mit ihrem Sound nichts anderes. Nur ein Ton von ihren Platten genügt, um sie in die Achtziger-Schublade zu stecken. Mit dem Wort "anpassen" tut man ihnen aber wohl dennoch etwas unrecht. Schließlich war es für alle 80s-Briten, die ihre Wurzeln im Punk hatten und trotzdem zum Pop wollten, nach Joy Division bzw. New Order recht schwer, sich abseits dieses schwermütig-eingängigen Soundvorbilds auszutoben.

The Chameleons - Live From London Aktuelles Album
The Chameleons Live From London
Die Väter von Interpol in ihrer Glanzphase.

Die Chameleons gründeten sich 1981 aus dem Rest verschiedener lokaler Bands in Middleton, einem Vorort von Manchester. Mark Burgess (Gesang und Bass), Reg Smithies (Gitarre) und Dave Fielding (Gitarre) begannen zunächst ohne Schlagzeuger, um an ihrer Version von Post-Punk zu feilen. Ganz ohne Takt klappte das dann aber nicht und so kam Brian Scholfield als Drummer in die Band, der wiederum schnell von John Lever ersetzt wurde.

Englands bester Riecher für gute Musik gehörte bekanntlich dem legendären Radio-DJ John Peel. Auch die Chameleons haben ihm einiges zu verdanken, lud er sie doch schon bevor sie einen Plattenvertrag in der Tasche hatten in seine Show ein. Mit den BBC-Sessions macht die Band dann Epic auf sich aufmerksam und tritt mit der EP "Nostalgia" das erste Mal auf die musikalische Bildfläche. Die mit einem dicken Echo versehenen Gitarren und Burgess' sphärische Stimme (Robert Smith kommt nicht nur einmal als Vergleich vor) spielen sich schnell in Englands Indie-Rock-Herzen und finden vor allem in der etwas dunkler angehauchten Wave-Ecke eine kleine Fanbasis.

Mi dem '83er Debüt "Script Of The Bridge" kommt der erhoffte Durchbruch dann aber doch nicht so recht in die Pötte. Dafür pendeln sich die Chameleons im undankbaren Platz der ewig unterschätzten Bands ein, die selbst heute noch Kult-Status genießen und zu einer wichtigen Inspiration für viele Indie-Bands der Neunziger wurden. Zum Beispiel sind sie praktisch eine 1:1-Vorlage für den Gitarrensound der New Yorker Retro-Waver Interpol.

Ihre Plattenfirma trifft die Entscheidung, die Band für den amerikanischen Markt in The Chameleons UK umzubenennen, um Rechtsstreitereien mit einer bereits existierenden Band gleichen Namens vorzubeugen. Dann erdreistet sie sich, die US-Veröffentlichung ohne Einverständnis der Band um vier Songs zu kürzen. Somit ist das Verhältnis der beiden Parteien mehr als angeknackst. Burgess und Co. sind aber vertraglich noch zur Veröffentlichung von ihrem zweiten, Synthie-dominierenden Werk "What Does Anything Mean? Basically" gebunden, das zwei Jahre später erscheint. Danach geht man endlich getrennte Wege, bevor man mit dem dritten Album "Strange Times" zu Geffen wechselt.

Noch im gleichen Jahr (1987) stecken die Chameleons gerade mitten in den Aufnahmen für ihr viertes Album, als sie die Hiobsbotschaft vom Tod ihres langjährigen Managers und fünftem Bandmitglied Tony Fletcher erreicht. Verloren und hilflos weiß die Band weder vor noch zurück, und zu allem Übel verstricken sich Mark Burgess und David Fielding auch noch in einem heftigen Streit, der die Band endgültig explodieren lässt. Noch im Studio geben die Chameleons ihre Auflösung bekannt. Die vier bereits eingespielten Songs werden drei Jahre später auf der "Tony Fletcher Walked On Water"-EP veröffentlicht.

John Lever und Anthony Burgess gründen daraufhin zusammen die neue Band The Sun And The Moon und veröffentlichen ein selbstbetiteltes Album, bevor auch das 1989 in die Brüche geht. Währenddessen haben Smithies und Fielding auch eine eigene Band gegründet: The Reegs, die bis heute zwei Alben aufgenommen haben.

Nach dem Split von The Sun And The Moon konzentriert sich der Chameleons-Kopf Mark Burgess auf seine ersten Solo-Versuche, die in einige Studioalben münden. Als Band helfen ihm The Suns Of God sowohl im Studio als auch auf der Bühne aus. Nachdem eine recht unübersichtliche Flut an B-Seiten und Live-Aufnahmen ihren Weg in die Chameleons-Diskographie gefunden hatte, hört man 2000 das erste Mal auch wieder neue Töne aus ihren Instrumenten. Nach fünfzehn Jahren Abstinenz raffen sie sich zu einem kurzen Comeback für das Album "Why Call It Anything?" zusammen. Doch schon nach zwei Jahren und einer Welttournee ist es wieder aus mit der Harmonie. Ende 2004 erscheint mit der Doppel-CD "Magic Boomerang" ein Einblick in das Solo-Schaffen von Mark Burgess.

Ein schönes Zeitdokument kommt 2006 in Form der DVD "Live From London" auf den Markt. Es beinhaltet einen 60-minütigen Live-Auftritt der Band aus dem Jahr 1984, der damals im englischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Songs wie "Don't Fall", "Second Skin" und "Pleasure And Pain" zählen heute längst zu Wave Rock-Klassikern.

Alben

  • The Chameleons

    Top offizielle Seite. Alles da.

    http://www.thechameleons.com/
  • Fansite

    Schön. In Spanisch oder Englisch.

    http://dreamers.com/chameleons/

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