Porträt

laut.de-Biographie

Syl Johnson

Sylvester Thompson kommt am 1. Juli 1936 in Holly Springs im US-Bundesstaat Mississippi als jüngster dreier Söhne zur Welt. Der Familie scheint der Blues in die Wiege gelegt zu sein, denn nicht nur Syl lernt und spielt schon früh Gitarre und Mundharmonika, auch seine älteren Brüder verdingen sich als Musiker. Während sich Jimmy Johnson dem Gesang und der Gitarre widmet, wagt sich sein ältester Bruder Mack Thompson an den Bass und spielt mitunter in der Magic Sam Blues Band.

Syl Johnsons Entwicklung zur Legende, die er später werden sollte, kommt nicht zuletzt der Umzug der Familie ins Chicago der späten 1940ern zugute. Es zieht ihn immer wieder in die Blues Clubs der Southside, wo er unter anderem mit späteren Bluesgrößen wie Muddy Waters, Howlin' Wolf oder Junior Wells jammt. 1956 entsteht daraus schließlich einer seiner ersten Tonträger: er nimmt Sessions mit Junior Wells und Jimmy Reed auf und wirft sie auf den Markt.

Den ersten Solotrack bringt das Label Federal schließlich 1959 auf den Markt. "Teardrop" bleibt jedoch ebenso wie die nachfolgenden Singles auf kleineren Independentlabels mehr oder weniger unbeachtet und erfolglos. Den eigentlichen Durchbruch erlebt Syl Johnson erst 1967 mit der Single "Come On Sock It To Me" auf Twilight Records (später umbenannt in Twinight). Der Track steigt bis auf Platz 12 der US-R'n'B-Charts. Im gleichen Jahr kommt auch "Different Strokes" in die Läden und 1968 endlich sein Debütalbum "Dresses Too Short".

1970 schließlich erscheint die Platte, die ihn noch bekannt machen soll: "Is It Because I'm Black". Der Titeltrack ist eines der emotionalsten und mitreißendsten Lieder der Blues- und Soulgeschichte und ein unbestrittener Klassiker. Johnson klagt Diskriminierung, Marginalisierung und Rassismus an und schreibt damit eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung.

Trotzdem feiert er seinen kommerziell größten Hit erst 1975 mit der Single "Take Me To The River" auf Hi Records, dem legendären R&B- und Soullabel, dem auch Größen wie Ann Peebles und Al Green angehören. Aus dem Schatten Greens kann Syl Johnson zumindest kommerziell aber nie heraus treten.

Nach internen Querelen endet Johnsons Engagement bei Hi Records gegen Ende der 1970er und er besinnt sich auf sein bereits einige Jahre zuvor selbst gegründetes Label Shama. Unter anderem veröffentlichen Otis Clay (später auch bei Hi) und Tyrone Davis auf Johnsons Label, mit dem er lokalen Musikern eine Plattform geben möche. Die letzte Platte für fast ein Jahrzehnt erscheint mit "Ms. Fine Brown Frame" 1982. Zu diesem Zeitpunkt ist seine Tochter Syleena sechs Jahre alt.

Um eben jene kann sich Johnson in den Folgejahren intensiver kümmern, er eröffnet Mitte der 80er ein Fast-Food-Fischrestaurant und kehrt dem Showgeschäft den Rücken. Erst 1992 entdeckt er, wie weit seine Wurzeln in die Musikwelt trieben. Der Fakt, dass eine Vielzahl an Hip Hop-Bands, unter anderem der Wu-Tang Clan, NWA, Public Enemy und De La Soul seinen Hit "Different Strokes" von 1967 samplen, lässt in ihm den Entschluss keimen, ins Musikbusiness zurückzukehren. Wiederum zwei Jahre später erscheint sein Comeback "Back In The Game".

Es folgen sieben weitere Veröffentlichungen, darunter "This Time Together By Father And Daughter" zusammen mit seiner Tochter Syleena und "Two Johnsons Are Better Than One" mit seinem Bruder Jimmy. 2004 erscheint "Straight Up!". Allerdings ist auch Syl Johnson nicht vor den Mechanismen des Musikmarktes gefeit: 2005 wirft Boardwalk einen Re-Release von "Ms. Fine Brown Frame" auf den Markt, 2006 geschieht selbiges bei Twinight mit "Different Strokes".

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