Porträt

laut.de-Biographie

Stephen Malkmus

Der Ober-Schluffi traf in den Neunzigern den Nerv aller gelangweilten Jugendlichen. Als Kopf der "most britisch american band" Pavement war er das Role-Model für den studierten Slacker und ein angenehm langweiliger Gegenpart zur anhaltenden Grunge-Abgefucktheit. Lo-Fi Indie-Rock gegen Haareschneiden, Posertum und gegen alles andere. Und das aus der zurückhaltenden Position desjenigen, der im Sportunterricht mitspielt, aber eigentlich "Fuck You" denkt. Weit weg von Protestmärschen und klatschspaltenreifen Drogenorgien.

Reunion: Pavement kommen auf Touren Aktuelle News
Reunion Pavement kommen auf Touren
Eine Wiedervereinigung schlossen die Überväter des 90s-Indierock nie aus, jetzt ist es bestätigt: Für Konzerte in 2010 kommen sie nach über einer Dekade zurück.

Am 30. Mai 1966 wird Malkmus in kalifornischen Santa Monica geboren. Schon früh begeistert sein Vater ihn für Buddy Holly, Fleetwood Mac und amerikanischen Folk. Eine Begeisterung, die er später auf den Indie-Punk von Pavement überträgt. In den frühen Achtzigern steigt Malkmus auf die (Surf-)Punk-Schiene ein und beschäftigt sich viel mit den Platten von Bad Religion, Minor Threat, Black Flag oder den Butthole Surfers.

Während seines Geschichtsstudiums an der Universität von Virginia gründet er mit seinen zwei Kommilitonen Bob Nastanovich und David Berman die Band Ectoslavia. In New York beziehen die drei zusammen ein Appartement. Malkmus arbeitet mit Berman, dem eigentlichen Kopf der Band, als Wächter in einem Kunstmuseum. In New York benennt man sich in Silver Jews um.

Kurz nachdem Malkmus sein Studium erfolgreich abschließt, und kurz bevor die drei nach New York ziehen, trifft Malkmus im Sommer 1989 noch seinen Kindergarten-Freund Scott Kannberg. Eigentlich planen die beiden nur, gemeinsam einige ihrer Songs im Studio einzuspielen, im Endeffekt gründet man dann mit drei anderen Freunden in Stockton (Kalifornien) die Band Pavement. 1992 erscheint das Debüt "Slanted And Enchanted", Malkmus mausert sich in den folgenden Jahren zum genial gelangweilten Sänger, der er eigentlich nie sein wollte. Er singt über simple Sachen: dass man nicht auf den guten Rat seiner Großmutter hören soll oder dass seine Mutter ihn im Radio hören kann. Einfach, aber nicht dumm. Ironisch, aber nie plakativ. Gewitzt und intelligent spricht er den Indie-Kids aus dem Herzen.

Im ersten Halbjahr 1998 gönnen sich Pavement eine Pause, die die zwei Masterminds Kannberg und Malkmus schon zu Solo-Gigs nutzen. Malkmus hilft seinem alten Kumpel Berman ein weiteres Mal bei den Silver Jews. Als "Hazel Figurine" getarnt, hatte er schon auf deren beiden Vorgängeralben mitgespielt.

Die ersten Gerüchte über eine Auflösung von Pavement kursieren, verstummen aber schon ein Jahr später mit dem Release von "Terror Twilight" (auf dem übrigens nur Songs von Stephen Malkmus zu finden sind) wieder - allerdings nur für kurze Zeit. Bereits Ende 1999 verkündet die Band eine Schaffens-Pause.

Die Zukunft von Pavement bleibt ungewiss, auch wenn Kannenberg schon längst an seinem Solo-Album mit Preston School Of Industry werkelt und Malkmus sich in Kim's Bedroom vergnügt, einer Band, in der u.a. die beiden Sonic Youths Kim Gordon und Jim O'Rouke mitspielen, und die leider eine Spaß-Sache bleibt. Als Malkmus in der November 2000-Ausgabe des Spin Magazins den Split von Pavement offiziell macht, sind die Aufnahmen für sein erstes Solo-Album schon im Kasten (weshalb er auch nicht mehr am 2001er Silver Jews-Album "Bright Flight" mitspielt). Geholfen haben ihm zwei Freunde aus seiner Heimatstadt Portland: John Moen (früher bei Dharma Burns und den Fastbacks) und Bassistin Joanna Bolm (Ex-Minders), die sich den Namen The Jicks geben.

Malkmus möchte seine erste Solo-Platte zwar nur unter The Jicks veröffentlichen, belässt es dann aber auf Anraten seiner Plattenfirma Matador doch bei seinem Namen. Das gleiche passiert mit dem Albumtitel: erst auf "Swedish Reggae" getauft, dann in ein schlichtes "Stephen Malkmus" umbenannt. Die Freude über seinen ersten eigenen Output bleibt gedämpft, geht er doch keine Kompromisse ein und klingt wie eine abgespeckte Version von Pavement – mit den schlechteren Songs.

Im März 2003 erscheint sein zweites Werk "Pig Lib". Dieses Mal unter den etwas mutigeren Namen Stephen Malkmus & The Jicks und mit weitaus breiterer Ideenvielfalt. Zwei Jahre später folgt das dritte Solo-Werk "Face The Truth".

"Real Emotional Trash" erscheint im März 2008, Janet Weiss von Sleater Kinney beweist sich darauf als überzeugende Schlagzeugerin und Background Sängerin, während John Moen von nun an die Trommeln in The Decemberists bearbeitet. Je älter Malkmus wird, um so mehr rockt er in seinen neuen Stücken und entdeckt auch eine gewöhnungsbedürftige Vorliebe für Gitarren-Solis à la Santana. Aber zwischen dem Instrumenten-Trash gibt es zum Glück auch noch die ruhigen Momente.

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