Porträt

laut.de-Biographie

Stephan Sulke

Nein, als typischer Schweizer geht der am 27. Dezember 1943 geborene Stephan Sulke nicht durch. Denn seine Eltern sind Deutsche, die 1939 wegen der Politik des Naziregimes ins Exil nach China gehen. Dort erblickt Sulke in Shanghai das Licht der Welt. 1947 verstirbt der Vater, der eigentlich die Heimreise nach Deutschland plant. Doch die Mutter heiratet ein zweites Mal in der Schweiz, die somit - neben Besuchen bei den Großeltern in Berlin - Stephans eigentliche Heimat ist.

Mit vierzehn Jahren kauft sich der Heranwachsende von selbst zusammen gespartem Geld eine Gitarre und beginnt, eigene Songs zu komponieren. 1963 erscheint in Frankreich die erste Single. "Mon Tourne-Disque" verschafft Sulke auf Anhieb eine Preisauszeichnung, nämlich den Grand Prix Du Premier Disque. Verliehen wird er aus den Händen des großen Entertainers Maurice Chevalier.

1965 während eines Familienbesuchs in Atlanta kommt er mit einem Produzenten in Kontakt. Fortan veröffentlicht er Country-Alben, die allerdings nur mittelmäßig erfolgreich sind. Sulke ist die ganze Szene ohnehin ein Graus: "Country-Musik ist die amerikanische Version von Umpa-Umpa-Volksmusik. Nashville könnte in Bayern liegen".

1969 wieder zurück in der Schweiz gründet der Umtriebige in Biel ein eigenes Tonstudio. Dort arbeitet er mit verschiedenen Künstlern aus der Jazz- und Popszene zusammen. 1974 beginnt Sulke mit der Veröffentlichung eigener Songs in deutscher Sprache, 1976 erscheint das schlicht mit "Stephan Sulke" betitelte Alben-Debüt.

Mit 33 Lenzen erhält er dennoch den Preis "Nachwuchskünstler Des Jahres". Auch andere Kollegen zollen seinem Können Respekt und lassen sich von ihm Songs schreiben, darunter Katja Ebstein und und Erika Pluhar. Der Song "Ich Hab' Dich Bloß Geliebt" erfährt eine Umsetzung von Herbert Grönemeyer.

1982 enthält das Album "Kekse" Sulkes größten eigenen Single-Hit: die verschrobene "Uschi" belegt Spitzenplätze in den deutschsprachigen Charts. In den Folgejahren veröffentlicht der Songwriter weitere Alben und betätigt sich auch als Zeichner und Buchautor. Ein Kriminalfall sorgt 1994 für Aufsehen: Sulke wird an der polnischen Grenze zu Frankfurt/oder von der Auto-Mafia entführt und misshandelt. Mit Kopfverletzungen wird er später von der Polizei aufgefunden. Nach einer daraus resultierenden längeren Pause erscheint erst 1999 mit "Moll Und Dur" wieder ein Lebenszeichen.

Die Charts-Musik ist schon längst nicht mehr der Lebensmittelpunkt des vielseitigen Schweizers. Er betätigt sich als Maler und Bildhauer, schreibt 2005 das Kindermusical "Heidi" (in Zusammenarbeit mit Christian Berg). In unregelmäßigen Abständen bringt der Sänger weiterhin Alben auf den Markt. Stets mit den besonderen Stephan Sulke-Kennzeichen ausgestattet: eine schwyzerisch-schnurrige Sicht aufs Weltgeschehen, eingebettet in ein musikalisches Umfeld aus Liedermacher-Style, Singer/Songwriter-Attitüde, und das Ganze mit einer guten Prise Pop abgerundet.

Alben

60 (2004)
13 (1987)

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