Porträt

laut.de-Biographie

Andreas Dorau

"Ich glaube eigentlich nicht, dass ich lustige Sachen mache", sagt er ganz unlustig. Andreas Dorau macht Kunst. Große Kunst sogar. Als alberner Blödelpopbarde will er sich nicht abtun lassen. Schon mit 15 landet er den NDW-Hit "Fred Vom Jupiter", und irgendwie ist er dieser Schiene treu geblieben. Immer in modifizierter Form, versteht sich.

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Schon in frühester Jugend unterweist ihn der ehemalige Palais Schaumburg-Hero Holger Hiller in der Kunst des Gitarrezupfens. Sein Image als Plastik-Star behält er auch nach seiner Zeit als Jugendidol in den 80er Jahren bei. Die Synthesizer fehlen selten bei seinen abgedrehten Stücken. Anfang der 90er setzt er bei den Scheiben "Ärger Mit Der Unsterblichkeit" und "Neu" auf vollelektronische Sounds.

Nicht zuletzt seine Texte machen das Dorausche Gesamtkunstwerk aus. Scheinbar als Beiwerk arrangiert, ohne tiefere Aussage, stecken sie doch voller Genialität und philosophischer Qualität. "So ist das nun mal" – wie könnte man es treffender sagen? Profanen Dingen wie der Liebe widmet er sich eigentlich nie, Blaumeisen und Kleingetier aller Art liefern ihm eher seine bevorzugten Themen.

Sein filmisches Schaffen passt in ähnlich aberwitzige Kategorien. Sein Abschlusswerk an der Münchner Filmhochschule im Fach Spielfilm hieß seinerzeit "Schlag Dein Tier". In diesem Meilenstein der Filmgeschichte treten Tierbesitzer in einer Fernsehshow gegen ihre Lieblinge an.

Mit blondiertem Haupthaar, modisch streng seitengescheitelt, präsentiert sich Dorau auf dem Cover von "70 Minuten Musik Ungeklärter Herkunft". Danach lässt er seine Fans erst einmal acht Jahre warten. Er selbst wartet auch, singt er doch in seinem Stück "Ärger": "Mein Warten, das hat Stil. Keiner kann es besser."

Erst 2005 hat die Durststrecke ein Ende, und ein Kreis schließt sich. Mit seinem neuen Album "Ich Bin Der Eine Von Uns Beiden" kehrt Dorau zu Mute zurück, dem Label, auf dem 1982 bereits "Fred Vom Jupiter" erschien. Die Scheibe ist nach eigenem Bekunden ein opulenter Strauß aus Chanson-Moritaten, Dampfwälzern, Hit-Dampfwalzen und dünnhäutigen Songwriter-Balladen, gebunden in knackigen Tanzrhythmen und verstiegenen Harmoniewechseln. Das darf man ruhig wörtlich nehmen.

Dorau nimmt sich immer viel Zeit, zwischen seinen Werken vergehen locker sechs Jahre. 2011 klingt "Todesmelodien" gleich ein wenig düster. Doch sowohl inhaltlich als auch musikalisch bleibt das Gesamtwerk des nordischen Poeten amüsant und beschwingt. Er besingt "Edelsteine" und bezwingt "Stimmen In Der Nacht". Ein Diamant wie Andreas Dorau bleibt eben unvergänglich.

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2014 macht der Entertainer mit "Aus der Bibliothèque" Werbung für die Bibliothek. Regelmäßiger Besucher des oft vergessenen Ortes, findet er dort Ruhe und Inspiration zwischen Büchern, DVDs, Lexika und Lektoraten. Hier schreibt er seine Anekdoten und Träumereien auf und spielt sie exklusiv mit einer kompletten Band ein.

Mit Dorau wollen viele Künstler zusammenarbeiten und umgekehrt. Immer wieder gibt es kreative Kooperation von Label-Mates und anderen Musikern und Produzenten. Vor allem mit dem Longplayer "Die Liebe Und Der Ärger Der Anderen" holt der Anarcho-Sänger ordentlich aus. Er will endlich in die Album-Charts, zahlreiche Produzenten sponsern dafür Tracks und Zeilen, darunter Carsten Friedrichs (Superpunk, Liga der gewöhnlichen Gentleman), Stereo Total, Luka Anzilotti (SNAP!), Moses Schneider, T Raumschmiere, Mense Reents, Andreas Spechtl (Ja, Panik!) und Ramin Bijan (Die Türen).

Dorau erfindet Geschichten oder schnappt sie irgendwo auf und macht daraus wunderbare, sentimentale Pop-Dance-Disko-Lieder zwischen Liebe und Ärger und dem ganzen anderen Scheiß. Dorau bleibt der Beobachter mit der Begabung, schlimme Geschehnisse in idyllische Harmonie zu verpacken.

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