Porträt

laut.de-Biographie

Stefan Goldmann

Gerne macht man elektronischer Musik den Vorwurf, inhaltsleer und oberflächlich zu sein. DJs und Produzenten wird in dieser Argumentation gerne die Rolle des Hofnarren zugewiesen, der das Publikum mit seichter Unterhaltung durch den Abend bringt. Einer, der mit seiner täglichen Arbeit zeigt, dass House und Kulturtheorie, Technologie und künstlerischer Tiefgang sehr wohl zusammengeführt werden können, ist der in Berlin wohnhafte DJ, Produzent, Labelbetreiber, Veranstalter und Journalist Stefan Goldmann.

Dabei ist Stefan Goldmann kein Mann der lauten Töne, ganz im Gegenteil. Understatement spricht aus dem, was er als DJ, Produzent und Labelmacher macht. Aber auch ein hohes Maß an intellektueller Reflexion, was das eigene Schaffen angeht. Das mag mit ein Grund dafür sein, dass er er sich nicht scheut, Entwicklungen in der Musikbranche auf den Punkt zu bringen und die Rolle moderner Medien durchaus kritisch zu hinterfragen.

"Das typische Technolabel verbreitet heute den Ableton-Output von ein paar Kumpels des Betreibers, bis das Geld der Eltern ausgeht. Filter ist nur noch der Konsument, beziehungsweise derjenige, der die Mittel hat, seine Aufmerksamkeit möglichst oft auf sich zu ziehen. Damit sind wir eigentlich wieder beim Stand von 1960. Ein File heute 'für alle verfügbar' ins Internet zu stellen hat in etwa die Reichweite einer Garagenband von vor 50 Jahren. Beides nehmen nur die eigenen Freunde wahr, echte oder virtuelle", sagt Goldmann 2012 in einem Interview.

Differenzierung von der Masse ist deshalb so etwas wie das Leitmotiv seiner Arbeit. Bei Stefan Goldmann schlägt sich das in einem Hang zum konzeptuellen Arbeiten nieder. Seine ersten Releases, die ab 2001 unter anderem auf dem britischen House-Label Classic, später dann auf Josh Winks Ovum und Zips Perlon Label erscheinen. Mit dem Release von "Sleepy Hollow" auf Innervisions, dem Label von Âme und Dixon, steigt Goldmann endgültig in die Liga der Topproduzenten auf und veröffentlicht fortan unter anderem auf Sven Väths Cocoon.

Gleichzeitig gründet er mit Macro ein eigenes Label, das es ihm erlaubt seinen konzeptuellen Ansatz konsequent weiterzuverfolgen. Dort erscheint 2009 ein Edit von Igor Stravinskys "Le Sacre Du Printemps". Im Jahr darauf kooperiert Goldmann mit dem österreichischen Experimental-Elektroniker Christian Fennesz. Mit seinem 2012er Album "17:50" sucht er zwar wieder die Nähe zu tanzbaren Sounds, gibt seinen Tracks aber immer einen besonderen Touch mit und bleibt seiner Maxime der Differenzierung von der Masse treu.

Alben

Stefan Goldmann - 17:50: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2012 17:50

Kritik von Daniel Straub

Nerviger Peaktime-Techno aus der Panorama Bar. (0 Kommentare)

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