Porträt

laut.de-Biographie

Small Faces

Zeit und Ort: die Swinging Sixties in Großbritannien. The Beatles treten eine Lawine los, die viele weitere Bands nachhaltig beeinflusst bzw. ihnen den Weg ebnet. Neben dem Beat entsteht eine eigenständige Musikszene, die eine Menge der alten Rock'n'Roll-Elemente sowie Rhythm And Blues mit dem Beat vermengen. Eine Band mit ganz spezieller Koloratur sind dabei - besonders in ihren Anfangsjahren - die Small Faces.

Gelten gerade John, Paul, George und Ringo trotz aller zur Schau gestellten Aufmüpfigkeit doch als recht brave Jungs, fühlen sich Formationen wie die Rolling Stones und eben die Small Faces in den nicht allzusehr glattgebügelten Ecken zuhause. Die Gründungsformation besteht aus: Steve Marriot (Gesang/Gitarre), Kenny Jones (Drums), Jimmy Winston (Keyboards) und Ronnie Lane (Bass).

Erste Gigs stoßen bei Musik-Fans auf großen Zuspruch, und es dauert nicht lange, bis die Plattenindustrie aufmerksam wird: die Small Faces erhalten 1965 beim Decca-Label einen Vertrag. Im selben Jahr erreicht die erste Single "Whatcha Gonna Do It" Platz 14 der englischen Hitparade.

Doch trotz des Anfangserfolges und einer weiteren Song-Veröffentlichung ("I've Got Mine") herrschen Zwistigkeiten unter den Band-Mitgliedern. Jimmy Winston überwirft sich mit Steve Marriot und steigt aus. Nachfolger an den Tasteninstrumenten wird Ian McLagan. Im Januar 1966 startet die erste Single in neuer Formation voll durch: mit "Sha-La-La-La-Lee" entwickeln sich die Small Faces zu Lieblingen der Szene, längst nicht mehr nur in Großbritannien.

Das erste Album - schlicht unter dem Bandnamen betitelt - mausert sich zum entgültigen Durchbruch: Platz 3 in den Longplay-Charts, die Single-Auskopplung "All Or Nothing" belegt Platz 1. Kurioserweise sind auf dem Alben-Debüt auch noch Einspielungen mit Jimmy Winston enthalten.

Der Karriere-Fortlauf bleibt von Unrundheiten und Strittigkeiten begleitet, eine kontinuierliche Ruhe und Arbeitsweise kehrt nicht ein. Nach dem Label-Wechsel zu Immediate Records 1967 sieht sich die Band gezwungen, die dort aufgenommene Single "I Can't Make It" noch von Decca veröffentlichen zu lassen. Decca bringt dann mit dem Album "From The Beginning" eine Art Resteverwertung noch in ihrem Besitz befindlicher Small Faces-Songs auf den Markt.

Ebenfalls in diesem Jahr erfolgt der Output des ersten Albums für die neue Plattenfirma - erneut nur mit "Small Faces" betitelt. Auch hier belegen Longplayer wie spätere Singleauskopplungen ("Itchycoo Park", "Here Comes The Nice") vorderste Chartsplätze. Die wohl kreativste Phase der Band bedeutet die Zeit während/um 1968 herum. "Ogden’s Nut Gone Flake" zeigt sich als großer künstlerischer Erfolg.

Interessant hierbei die Cover-Präsentation: das Album steckt in einer Art Tabaksdosen-Hülle. Seite A enthält separate Songs, während die B-Seite die musikalische Vertonung eines Märchens des Dichters Stanley Unwin bietet. Lohn für das ungewöhnliche Konzept: die Spitze der Alben-Charts, eine goldene Schallplatte und Begeisterung unter Fans und Kritikern.

Dieses Werk bedeutet aber auch einen entscheidenden Bruch im Karriere-Fortgang. Die Live-Umsetzung des Konzepts gelingt nicht überzeugend, und Band-Leader Marriot entschließt sich, zu Beginn des Jahres 1969 die Band zu verlassen. Er findet bei den Bluesrockern von Humble Pie (zusammen mit Peter Frampton) eine neue Heimat.

Die Small Faces gelten vermeintlich als Geschichte, die restlichen Mitglieder formieren sich unter dem Namen The Faces und holen als Blutauffrischung Rod Stewart und Ron Wood mit ins Boot. Doch von einem gemeinsamen Aufbruch zu neuen Ufern kann keine Rede sein - vielmehr nimmt besonders Stewart das Heft in die Hand, und bereitet indirekt seine später folgende Solo-Karriere vor.

Konzeptlosigkeit macht sich breit. Als sich die Band dann 1975 auflöst, ereilt auch Humble Pie dasselbe Schicksal. Die Folge: bereits 1976 kommt es zu einer sehr kurzfristigen Wiedervereinigung der Small Faces. Doch die steht unter keinem guten Stern. Ronnie Lane wirft bereits in der Anfangsphase das Handtuch, und dessen Platz nimmt der ehemalige Humble Pie-Bassist Rick Wills ein. In den Jahren 1977 und 1978 erscheinen bei Atlantic Records die Alben "Playmates" und "78 In The Shade". Doch diesen Arbeiten ist kein großer Erfolg beschieden.

Die Band-Mitglieder zerstreuen sich. Stewart hat sich längst zum Superstar entwickelt, Ian McLagan arbeitet als Studio-Musiker, und Kenney Jones wechselt zu The Who. Im Alter von nur 44 Jahren kommt Steve Marriot 1991 bei einem Brand in seinem Haus ums Leben, 1997 verstirbt Ronnie Lane im Alter von 51 Jahren an multipler Sklerose.

Das Vermächtnis der Band besteht vor allem aus den herausragenden Song-Arbeiten der sechziger Jahre, die Pop, Rock, Blues und Psychedelik in eine ganz besondere, eigene Stil-Form goss. Viele der damaligen Titel sind seither von neuen Bands einem jüngeren Publikum wieder nähergebracht worden, darunter "Lazy Sunday" (The Libertines, Toydolls, Thunder), "Song Of A Baker" (Ocean Colour Scene) oder "Watcha Gonna Do 'Bout It" (Pretenders, Sex Pistols).

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