Porträt

laut.de-Biographie

Sick Jacken

Freitag, 29. Januar 1999, ein Burgerladen am Beverly and Rampart Boulevard mitten in Los Angeles: Ein Schuss ertönt, ein junger Mensch geht zu Boden, eine riesige Blutlache breitet sich aus.

Gustavo Gonzalez, besser bekannt als Big Duke, möchte eigentlich nur einen Streit schlichten und endet im Krankenhaus. Diagnose: Nackenschuss, die Hauptarterie ist verletzt, er ist vom Hals abwärts gelähmt, kann nicht mehr sprechen.

Es besteht die Chance, dass eine gewisse Heilung einsetzt, voll auf den Dampfer wird er jedoch nie wieder kommen - sofern er die Nacht überhaupt übersteht. In diesem Moment ist die Latino-Rap-Kapelle Psycho Realm Geschichte.

Sick Jacken, bürgerlich Joaquin Gonzales, ist zu sehr gezeichnet vom Schicksal seines Bruders, als dass er ohne ihn weitermachen wollte. Doch Duke kämpft, findet seine Stimme schon bald wieder und überredet Jacken, ihr gemeinsames Projekt nicht einfach so sterben zu lassen.

"Ich habe alles gestoppt, bis es ihm wieder besser ging. Das ist mein Bruder, der ganze Musikscheiß steht da hinten an. Ich musste einfach sicher gehen, dass es ihm gut geht."

Duke kümmert sich fortan um die Website der Brüder, hilft beim Schreiben und koordiniert das Merchandise, während Sick Jacken beginnt, sich einen Namen zu machen. Schon vor der Tragödie taucht er in den Dunstkreis der Cypress Hiller ein.

"Black Sunday" bricht gerade alle Rekorde, als B-Real auf Jacken, Duke und deren DJ FM aufmerksam wird. Auf einer Veranstaltung namens End Barrio Warfare, die sich gegen die Gangschlachten in Downtown Los Angeles richtet, begeistert ihn der Auftritt Psycho Realms derart, dass er sogar als Mitglied in die Band einsteigt.

In einer Zeit, in der Cypress Hill bestimmen, wo im Hip Hop oben ist, dauert es nicht lange bis der erste große Plattenvertrag an Land gezogen ist. Sony veröffentlicht 1997 das selbstbetitelte Debüt, kurz darauf endet die Zusammenarbeit jedoch wieder.

Jacken fühlt sich zensiert und vom Majorlabel in seiner Kreativität eingeschränkt. Mit Sick Symphonies gründen die beiden Brüder ihr eigenes Label, allerdings ohne den vertraglich an Sony gebundenen B-Real. Jacken wird später in einem Joint Venture mit Universal Latino außerdem die Rebel Music Group gründen.

"B-Real kam für das erste Album an Bord, weil wir eigentlich keine Gastauftritte haben wollen. Das sagten wir ihm, deshalb stieg er einfach komplett mit ein. Aber als er dann schließlich dabei war, gab es immer häufiger Probleme wegen seiner Verpflichtungen gegenüber Cypress Hill und dem Zeug, das wir machen, schließlich hatten wir damals viele Promotouren und ähnliches. Das kostete massig Zeit, also beschlossen wir, dass er sich um Cypress Hill kümmert, während wir Psycho Realm durchzogen. Nach dem ersten Album ist er nur noch auf einem Song auf 'A War Story Book 1' zu hören."

Der Kontakt zu den Hillers freilich bricht nicht ab. Im Gegenteil, 2007 kollaborieren DJ Muggs und Sick Jacken gar für "The Legend Of The Mask And The Assassin", zuvor steht mit "The Terror Tapes Vol. 1" außerdem eine Gemeinschaftsarbeit mit Cynic in den Läden. Hinzu kommen Features bei Planet Asia, Immortal Technique, Cormega, DJ Babu, den Swollen Members und La Coka Nostra neben Touren mit Muggs und Murs. "Stray Bullets" bietet 2009 eine kleine Übersicht über Jackens Gastauftritte.

Sick Jacken solo ist also ein gefragter Mann, im Falle Psycho Realm bleibt allen Fans nur die Hoffnung. Big Duke gegenüber brownpride.com: "Ich werde oft gefragt, ob es jemals wieder einen neuen Track oder ein neues Album mit meinem Bruder gibt. Ich möchte nicht sagen, dass ich das Mic auf jeden Fall wieder rocken werde, aber wenn du weißt, wie ich über Musik denke und fühle, weißt du schon, was passieren wird. Meine Stimme wird jedenfalls immer kräftiger."

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