Porträt

laut.de-Biographie

Roots Manuva

Bei der Frage nach Hip Hop aus England blickte man lange Jahre in ratlose Gesichter. Zwar bildet der Inselstaat die Heimat einiger bedeutender Bands aus der D'n'B- Trip Hop- Reggae- oder Dub-Szene. Hip Hop bleibt hier jedoch eher unterrepräsentiert. Das ändert sich schlagartig, als 1999 Roots Manuva auf den Plan tritt.

Roots Manuva: Neues Video zu "Crying"
Roots Manuva Neues Video zu "Crying"
Wenn Roots Manuva Cornflakes kaufen geht, dann renn' besser: Der Clip zu "Crying" beschert Beklemmungen und macht Lust auf seine EP zum Record Store Day.
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Seine Eltern stammen aus Jamaika, und da sein Vater Pastor ist, werden in der Familie christliche Ideale hochgehalten. Rodney Smith muss seinen Hang zum Hip Hop deshalb zunächst heimlich ausleben: Mit Platten seiner Idole Rakim oder KRS-One erwischt zu werden, bedeutet Ärger. Statt dessen werden im Hause Smith Gospels gesungen.

Das hindert den Knaben, der sich den Bühnennamen Roots Manuva zulegen soll, nicht daran, sich mit Süd-Londoner Reggae-Soundsystems einzulassen. Mit 15 steht er erstmals in einem Aufnahmestudio, 1996 absolviert er auf Black Twangs "Queens Head" das erste Feature. Wenig später kommt seine Debüt-Single "Next Type Of Motion" auf den Markt.

Ein Vertrag bei Big Dada Recordings, der Kopfnicker-Abteilung von Ninja Tune, bedeutet das große Glück. Für beide Seiten: Roots Manuvas erstes Album "Brand New Second Hand" mit der Single "Juggle Things Proper" fegt wie ein Orkan durch England. Die Fachpresse steht Kopf ob der Verbindung aus Rap, Reggae und Dub mit tiefschürfenden Texten.

"Die bedeutendste und authentischste neue Stimme im Hip Hop", jubelt beispielsweise The Independent. Roots Manuva weckt in Großbritannien gar Nationalstolz: Manch ein Kritiker sieht bereits das Ende der US-amerikanischen Vormachtstellung im Hip Hop am Horizont heraufziehen. Trotz der positiven Resonanz lässt der finanzielle Erfolg zunächst auf sich warten: Bis ins Jahr 2001 verkaufen sich vom Debüt gerade mal 40.000 Einheiten.

Roots Manuva bleibt Underground. Für sein zweites Album "Run Come Save Me" verzichtet er auf prominente Hilfe. Drei Viertel des Werks gehen auf seine eigene Kappe. Der Durchbruch in den Mainstream belohnt die Strategie.

Die Single "Dreamy Days" wird zum besten UK-Rap-Track aller Zeiten erkoren, das Album erhält eine Nominierung für den Mercury Music Prize. Beim Guardian rangiert Manuva 2003 auf Platz fünf der besten Bands Großbritanniens. Die Leser von Hip Hop Connection wählen "Witness" zum "greatest UK hip hop tune of all time".

Am Künstler selbst zieht der Ruhm weitgehend vorbei: Rodney Smith setzt nach der Geburt seines Sohnes andere Prioritäten. Sein Label Big Dada versorgt die dürstende Fangemeinde derweil mit dem Remix-Album "Dub Come Save Me". Erst 2005 meldet sich Root Manuva mit "Awfully Deep" zurück.

Roots Manuva - Bleeds
Roots Manuva Bleeds
Im Würgegriff der Dreifaltigkeit Worte, Bass, Vibe.
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Da bei den Aufnahmen über 50 Tracks entstanden, fällt ein Jahr darauf zusätzlich "Alternately Deep" ab, ein zwölf Tracks starker Sampler. Neben einigen Nummern, die schon zum freien Download bereitstanden, finden sich hier Kleinode, die sonst wohl auf Manuvas Festplatten verschimmelt wären.

Im August 2008 erscheint, angeführt von der ordentlich in die Beine fahrenden Uptempo-Single "Buff Nuff" der Longplayer "Slime & Reason": Roots Manuva setzt auf seinen bewährten Rap-Stil, fährt darüber hinaus jedoch erfreulich ungewohnte Mixturen aus Dancehall-Bässen, Breakbeats und elektronischen Effekten auf.

Sein Status als einer der innovativsten Hip Hop-Künstler Großbritanniens bleibt gesichert, wenngleich auf sein Dub-Kollabo-Album mit Wrongtom, das er 2010 unter dem Titel "Duppy Writer" veröffentlicht, das doch nur äußerst mittelprächtig geratene "4everevolution" folgt. Es kann ja nicht immer alles glücken.

Das Vertrauen in längst unter Beweis gestellte Fähigkeiten erschüttert ein Fehltritt nicht gleich. Die Produzenten der Serie "Skins" fragen bei ihm um Musik nach: eine Bitte, der Roots Manuva mehrfach nachkommt. Für sein sechstes Studioalbum "Bleeds" kooperiert er hernach unter anderem mit Four Tet und Adrian Sherwood.

Roots Manuva nimmt seine Hörer in einen Würgegriff. Die Kraft dafür zieht er aus der ewigen Dreifaltigkeit: Worte, Bass und Vibe. Die bescherten ihm seinen verdienten Legendenstatus: Schließlich leistete er die Pionierarbeit und rodete die Pfade, auf denen nach ihm Kollegen wie The Streets oder Dizzee Rascal flanieren.

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Roots Manuva - Bleeds: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2015 Bleeds

Kritik von Dani Fromm

Im Würgegriff der Dreifaltigkeit Worte, Bass, Vibe. (0 Kommentare)

Roots Manuva - 4everevolution: Album-Cover
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2011 4everevolution

Kritik von Dani Fromm

Schade um Roots Manuvas Stimme und sein unverkennbares Rap-Talent. (0 Kommentare)

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