- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Primus kommen aus der Bay Area, so wird die Gegend (Alcatraz und Golden Gate Bridge) rund um San Francisco genannt. In den frühen 90ern, als harte Musik so richtig salonfähig wurde, wurde die Frickelkunst von Les Claypool (Bass), Larry "Ler" LaLonda (Git.) und Tim "Herb" Alexander (Drums) einem größeren Publikum bekannt. Einen gewissen Sinn für Humor kann man den Buben nicht absprechen, überhaupt ist die Musik nicht jedermanns Sache. Les bezeichnet sie als psychedelische Polka mit verschiedensten Einflüssen. Kurz gesagt Jahrmarktsgedudel gemischt mit harten Gitarren, treibendem Schlagzeug, Slapbass und nasaler Gesang, beides Claypools Markenzeichen.
Vorher spielten sie sich in kleinen Clubs ganz underground-mäßig den Arsch wund. Bezeichnender Weise ist ihre Platte "Suck On This" (bei Caroline erschienen) eine Liveaufnahme eines Gigs in Frisco. Der Sound ist nicht so dolle, dafür ist das Cover mal was anderes (hat sich bis heute auch nicht geändert): Ein Knetmänneken streckt dem Betrachter ne Nuckelflasche entgegen. Im selben Jahr erblickt "Frizzle Fry" das Licht der Welt. Ihr Hit "Too Many Puppies" dürfte den meisten Alternativeclubgängern (oder Abijahrgänge 91-94) ein Begriff sein.
Der sich bei kommerziellem Erfolg einstellende Wechsel zur Industrie ließ nicht lange auf sich warten. 1991 veröffentlicht Interscope den Meilenstein "Sailing The Seas Of Cheese". Primus sind erfolgreich, weil ihre Musik etwas anderes ist. 1993 erstürmen sie mit "Pork Soda" Platz 1 der amerikanischen Billboard Charts und die dazugehörige Single "My Name Is Mud" bekommt massiv Airplay in den einschlägigen Sendern.
Zwar nutzt sich auch die Primus'sche Exotik mit der Zeit ab, ihre Fangemeinde bleibt ihnen dennoch treu. "Tales From The Punch Bowl" (1995) und "Brown Album" von 1997 (mit dem neuen Drummer Brian "Brain" Mantra) können, was die Verkaufszahlen betrifft, mit den Vorgängern nicht mithalten, dazu wirken sie weniger inspiriert bzw. zu sperrig. Matt Stone, einer der Macher der Kultserie "South Park", ficht das alles nicht an, er holt seine Seelenverwandten an Bord. Leider ist der Titelsong in der deutschen Version unnötig verwurschtelt worden.
Für "Antipop", die Platte für das letzte Jahr im ausgehenden Millenium, holen sich Primus gestandene Musikerkollegen wie Tom Morello, James Hetfield oder Tom Waits ins Studio, was dem künstlerischen Output wieder auf die Sprünge hilft. Aber nach wie vor steht ihnen der Sinn nicht nach Popmusik.
Große Aufregung im Fanlager herrscht Ende 2000, als Claypool bekannt gibt, dass Drummer Brain ausgestiegen sei und er mit Gitarrist Larry im Moment nicht klar komme, weil der "in einer anderen Welt lebt." Tatsächlich dauert es beinahe elf Jahre, ehe Primus mit "Green Naugahyde" wieder ein sattes musikalisches Lebenszeichen von sich geben.
Die Idee zu einem neuen Album sei schon länger dagewesen, erzählt Gitarrist Larry LaLonda im Interview. Den Ausschlag habe aber die Rückkehr von Jay Lane gegeben: "Tim (Primus' Ex-Drummer, d. Red.) teilte nicht denselben Enthusiasmus wie Les und Ich; also fragten wir Jay. Er sagte ja und plötzlich war dieser Spirit von früher wieder da. Wir spielten einige Shows zusammen und irgendwie ging dann alles seinen Gang."
Larry LaLonde über das neue Album "Green Naugahyde" und die Faszination von Death Metal.
Die Spannung steigt und Freunde des elektrischen Viersaiters sehnen sich den Herbst herbei. Die Heerscharen leiden aber weder an kollektiver Sonnenallergie, noch sind sie passionierte Drachensteiger, vielmehr warten sie seit über zehn Jahren auf ein neues Album ihrer Helden Primus. Im September ist es so weit.
Als sich Mitte der Neunziger der Crossover mit Bands wie den Red Hot Chili Peppers, Faith No More, Rage Against The Machine und Konsorten hierzulande seinen Weg von den dunklen Keller-Clubs bis in die Charts ebnete, feierten auch die Frickel-Fanatiker von Primus ihre größten Erfolge. Ihre Sound-Melange aus Funk, Metal und Jazz sowie das unvergleichliche Bass-Spiel ihres Frontmanns Les Claypool sorgte bei Flanellhemd-tragenden Grungern, langhaarigen Metalisten, sowie tätowierten Baggy-Trägern gleichermaßen für Begeisterungsstürme.
Um so enthusiastischer reagierten sämtliche Avantgarde-Rock-Jünger rund um den Globus, als die Nachricht durchsickerte, dass die Helden von einst sich elf Jahre nach ihrem letzten Output wieder im Studio versammelt hatten. Mit "Green Naugahyde" kehren die Crossover-Veteranen wieder zurück zu ihren Wurzeln. Im schnieken Grand Hyatt Hotel in Berlin trafen wir Gitarrist Larry LaLonde kurz vor ihrem Gig im Huxleys und sprachen mit ihm über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Band.
Ein nettes Plätzchen habt ihr euch hier in Berlin als Residenz ausgesucht. Fühlt man sich da als Rock-Veteran nicht etwas fehl am Platz zwischen all den Bankern und Anzugträgern hier?
Larry: (Lacht) Oh, das wirft vielleicht ein falsches Licht auf die Band. Es geht hier keineswegs um Allüren oder typisches Rockstar-Gehabe. Hier gibt es einfach gutes Essen, die Leute sind nett und ich habe beispielsweise meine Frau und meine Kids mit an Bord hier. Da sollte es dann schon etwas gediegener zugehen.
Das klingt sehr verantwortungsbewusst und nachvollziehbar. Nimmst du die Kleinen heute Abend mit zur Show?
Larry: Das weiß ich, ehrlich gesagt, noch nicht. Da hat meine Frau auch noch ein Wörtchen mitzureden. Es kommt natürlich auch darauf an, wie sie sich fühlen. So eine Reise ist natürlich auch für die Kinder ziemlich aufregend und anstrengend. Wahrscheinlich werden sie wohl eher schon im Bett liegen, wenn es nachher losgeht.
Ihr werdet auf jeden Fall hellwach sein, oder?
Larry: Absolut. Wir freuen uns schon sehr auf die Bühne.
Das glaube ich dir gerne, zumal es ja schon eine Weile her ist. Kannst du dich noch an euren letzten Deutschland-Besuch erinnern?
Larry: Lass mich nachdenken. Das müsste schon zehn oder zwölf Jahre her sein. Eine verdammt lange Zeit.
Das sehe ich auch so. Es haben wohl die Wenigsten, mich eingeschlossen, damit gerechnet, die Band überhaupt noch mal in Deutschland zu Gesicht zu bekommen. Beide Shows, heute hier in Berlin und morgen in Hamburg, sind restlos ausverkauft. Habt ihr einen solchen Zuspruch erwartet?
Larry: Nein, nicht wirklich. Natürlich wissen wir, dass wir auch in Deutschland noch viele Fans haben, aber so eine Reaktion haben wir nicht erwartet.
Vor elf Jahren kam euer letztes Album raus. Nun meldet ihr euch mit "Green Naugahyde" zurück. Die Frage liegt natürlich auf der Hand: Was hat euch zum Studio-Comeback bewogen?
Larry: Da kamen einige Faktoren zusammen. Letztlich war es ein ganz natürlicher Prozess. Wir haben uns in der Zeit davor nie unter Druck gesetzt. Es ging um das richtige Gefühl, verstehst du? Alles hat sich irgendwie in die richtige Richtung entwickelt und irgendwann wussten wir, dass die Zeit reif ist.
Larry: Das war auf jeden Fall ein ganz wichtiger Punkt. Der Grundgedanke an ein neues Album war schon vorher da, aber Tim (Ex-Drummer) teilte nicht denselben Enthusiasmus wie Les und Ich; also fragten wir Jay. Er sagte ja und plötzlich war dieser Spirit von früher wieder da. Wir spielten einige Shows zusammen und irgendwie ging dann alles seinen Gang. Irgendwann landeten wir dann im Studio und heute sitze ich hier in Berlin (lacht).
Die neuen Sachen gehen unüberhörbar zurück zu euren Wurzeln. Für mich klingt "Green Naugahyde" wie eine Mischung aus "Frizzle Fry" und "Sailing The Seas Of Cheese" mit einem Schuss zeitgemäßer Elektronik. Wie siehst du das?
Larry: Das kann man durchaus so stehen lassen. Auch hier hat sich der Einfluss von Jay bemerkbar gemacht. Er hatte ja damals bei den "Frizzle Fry-Sessions" jede Menge Ideen und auch Songs beigetragen, und so kam es uns manchmal ein bisschen vor wie bei einer Zeitreise, obwohl wir kein Konzept verfolgten. Es ergab sich einfach so. Elektronische Elemente hatten wir damals ja auch schon vereinzelt. Heute hat man natürlich ganz andere Möglichkeiten. Mein Guitar-Pedal-Case hat sich in seiner Größe seit den Anfängen jedenfalls ganz schön verändert (lacht).
Spürt ihr diesmal einen anderen Druck, als noch zu Zeiten, in denen ihr konstant Alben veröffentlicht habt?
Larry: Nein, nicht wirklich. Es geht mittlerweile nicht mehr so sehr um den kommerziellen Erfolg. Vielmehr sind wir gespannt, wie die Leute auf die neuen Sachen reagieren werden. Ich meine, wir waren schon eine ganze Weile weg; ich denke, das wird schon spannend zu beobachten sein, wie die Reaktionen ausfallen. Ich würde sagen, der Druck ist weniger, aber dafür liegt der Anspannungspegel weitaus höher als bei früheren Alben.
Ihr habt auch diesmal wieder auf einen Produzenten von außerhalb verzichtet. Les Claypool stand die ganze Produktion über an den Reglern. Man könnte das Gefühl bekommen, bei euch traut sich keiner an die Knöpfe, oder?
Larry: Es ist natürlich so, dass wir schon einen ziemlich eigenständigen Sound haben und nicht jeder daran seine Freude hat (lacht). Nein, im Ernst: Wir haben schon sehr klare Vorstellungen wie sich eine Primus-Platte anhören sollte, und was liegt da näher, als die Dinge selbst in die Hand zu nehmen? Les hat wieder einmal einen tollen Job gemacht und wir sind alle sehr zufrieden. Wir hatten auf der "AntiPop" ziemlich viel Besuch im Studio und es war eine gute Erfahrung. Wir haben viel experimentiert und wollten sehen, was dabei rauskommt. Wir hatten alle viel Spaß, aber es war auch eine andere Dynamik.
Du hast euren eigenständigen Sound angesprochen. Ihr seid sicherlich eine der wenigen Bands, denen man kaum jemals mangelnde Originalität vorwerfen würde. Ich kann aus eigener Erfahrung in etwa sagen, wie ein herkömmlicher Rock-Song "entsteht", oder "entstehen" könnte. Aber ich habe keine Ahnung wie ihr bei einem Primus-Song auf einen Nenner kommt. Kannst du mir helfen?
Larry: Sehr gerne (lacht). Die Texte stammen alle aus Les' Feder. Bei der Musik ist es letztlich nicht viel anders als bei anderen Bands, denke ich; wobei wir diesmal einen anderen Weg beschritten haben. Früher haben wir bei den Proben viel gejamt, und so ergaben sich die Fragmente für die Songs. Jeder innerhalb der Band trug seinen Teil dazu bei. Vieles entstand aus dem Moment heraus. Beim neuen Album haben wir es etwas anders gemacht. Wir haben während der Shows vor den Aufnahmen die kompletten Soundchecks mitgeschnitten. Am Ende hatten wir massig Material mit unglaublich inspirierenden Momentaufnahmen, aus denen wir dann den Großteil des Albums zusammengebaut haben.
Larry: Oh, das ist schwierig. Ich will ja auch niemandem zu nahe treten. Ich denke, dass Bands, die eine überdimensionale Bass-Komponente in ihrer Musik pflegen, zumindest schon einmal von uns gehört haben (lacht).
Ich habe mir gestern nach langer Zeit wieder einmal die "Seven Churches" von Possessed angehört. Die hatten auch einen ziemlich derben Bass-Sound, oder?
Larry: Oh, die hast du doch nicht wirklich, oder?
Doch, kein Scherz. Das war sogar eine meiner ersten Platten überhaupt.
Larry: Unglaublich. Mein Gott, ich war jung (lacht).
Du warst seinerzeit (1984 – 1987) Gitarrist bei Possessed. Die Band war damals Mitbegründer der Death-Metal-Szene. Wie kommt man von einer derart brachialen Baustelle zum experimentellen Avantgarde-Rock von Primus?
Larry: Das hatte eigentlich weniger mit persönlicher Veränderung zu tun. Ich war damals in der High-School und ich war wie viele andere Kids fasziniert vom Gesamtpaket "Death Metal"; mit den "funny" Texten und der provokanten Außendarstellung. Das hielt aber auch nicht lange an. Wir lösten uns irgendwann auf und ich landete mit Les zusammen bei Blind Illusion. Das ging in die progressive Thrash-Richtung. Irgendwie hatten Les und ich aber andere musikalische Visionen, und so gründeten wir Primus.
Von einem Extrem ins andere könnte man sagen. Les und du, ihr habt beide eine sehr extravagante und außergewöhnliche musikalische Laufbahn hinter euch. Man müsste meinen, ihr seid auch privat für jede Verrücktheit zu haben. Stattdessen geht Les leidenschaftlich gerne zum Fliegenfischen und betreibt nebenbei einen gediegenen Weinhandel. Wie sieht es da bei dir aus?
Larry: Ich war früher viel mit dem Skateboard unterwegs. Heute kann ich am besten abschalten, wenn ich gemütlich am Strand liege, ein bisschen surfe oder mit meiner Familie etwas unternehme. Wir sind ja auch alle keine zwanzig mehr (lacht).
Zum Abschluss würde ich gerne noch eine gute Tat tun wollen. Ich würde gerne vielen Primus-Fans die Angst nehmen und ihnen berichten, dass das neue Album keinen "Abschluss" bedeutet. Kriege ich dafür dein ok?
Larry: Nicht schriftlich (lacht). Nein, im Ernst. Ich habe keine Ahnung. Im Moment fühlt es sich toll an. Wir fühlen uns wieder wie eine richtige Band und haben viel Spaß. Es ist alles sehr aufregend, fast schon wie bei unserem Debüt damals. Wir haben schon viele Shows hinter uns, viele liegen noch vor uns und im Herbst kommt das neue Album. Im Moment läuft alles wunderbar. Wir werden sehen.
Larry, hab Dank für das Gespräch und viel Spaß heute Abend.
Larry: Danke, gern geschehen.
Rhinoplasty (1998), Brown Album (1997), Tales From The Punchbowl (1995), Pork Soda (1993), Miscellaneous Debris (1992), Sailing the Seas Of Cheese (1991), Suck On This (1990), Frizzle Fry (1990)
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
|
Was ist euer favorisiertes Primus Album? chillisoup |
1 |
22.08.11, 20:10 chillisoup |
|
|
Ihre Musik gefällt mir nicht Anonymous |
16 |
25.08.04, 15:28 PUMperstilzchen |
|
|
Primus PsychoDavis |
2 |
15.05.04, 10:22 bloody sugar |
|
|
Brain geht und Herb kommt wieder Anonymous |
2 |
13.09.01, 14:07 Anonymous |
Format
Homepage: