Porträt

laut.de-Biographie

Linda Perry

Linda Perry kommt am 15. April 1965 in Springfield/Massachusetts zur Welt. Ihre Kindheit war neben dem spießigen Kleinstadtflair der Neuengland-Staaten von einem heftigen Nierenleiden geprägt. Und von einem musikalischen Haushalt - so etwas hinterlässt bekanntlich Spuren.

Anfang und Mitte der 80er scheitert Perry beim Versuch, in der Gegend von San Diego eine stabile Band zusammen zu bekommen. Dazu kommen die üblichen Drogenprobleme, die ein schnelleres Fortschreiten ihrer Karriere verhindern. So muss sie erst nach San Francisco ziehen, um etwas Auftrieb zu bekommen. Hier kann sie ihre musikalische Zukunft ernsthaft vorantreiben, und hier entwickelt sie sich zu einer technisch versierten Sängerin, zu einer Diva mit grandioser Stimme.

Sie verdient ihre Brötchen mit kleineren Auftritten in Nachtclubs und macht sich schnell einen Namen. Bald gesellen sich auch Musiker zum Stammpublikum der Lokale, die das Stimmtalent live erleben wollen. Eine davon heißt Christa Hillhouse, spielt Bass und ist durch und durch brünett. Ihre Kollegen in der Hinterhand, eine komplette Rockbandbesetzung, ebenfalls. Also benutzen sie die biologischen Gegebenheiten einfach als Taufpaten: 1990 erblicken die 4 Non Blondes das Licht der Öffentlichkeit.

Nachdem sie mit Interscope ein Label finden, veröffentlichen sie 1992 das Debütalbum. "Bigger, Better, Faster, More!" fristet jedoch ein Ladenhüterdasein, bis die Single "What's Up" in die Charts einsteigt. Die Folgezeit ist wie ein zweijähriger Rauschzustand: Sechs Millionen Mal verkauft sich das Album weltweit, die Gruppe staubt nahmhafte Preise ab und geht mit Genre-Größen wie Pearl Jam und Neil Young auf Tour. Vergleiche Perrys mit der legendären Janis Joplin werden laut. Beiträge auf den Soundtracks für "Waynes World 2" und "Airheads" bilden den Ausklang, dann löst sich die Band auf.

Auslöser für den plötzlichen Split sind - je nach Quelle - entweder persönliche Differenzen oder Lindas Erkenntnis, der Weg der Band zu sehr in Richtung Pop tendiere. Vermutlich führt das eine zum anderen. 1995 ist mit den 4 Non Blondes der vermutlich kürzeste aber intensivste Hype der Neunziger zu Ende. Und mit ihm die Kollegen: Weder Roger Rocha, noch Christa Hillhouse oder Dawn Richardson treten ernsthaft öffentlich in Erscheinung.

In Linda Perry erwachen nun Mastermind-Qualitäten. Während sie energisch an ihrem Solodebüt "In Flight" arbeitet, erledigt sie das Vorprogramm für Jethro Tull und The Who und spielt auf diversen Festivals. Da der Vertrag über zwei Alben mit Interscope noch nicht erfüllt ist, wählt das Label den Produzenten für ihr Erstlingswerk aus, obwohl Perry sich seit dem Split selbst dem Produzieren widmet. Bill Bottrell hatte zuvor Sheryl Crows "Tuesday Night Music Club" zu zwei Grammys verholfen. "In Flight" gerät zu einem ebenso großartigen wie unbeachteten Stück Musikgeschichte. Ob es am sphärischen, psychedelischen Rocksound des Albums liegt oder an Interscopes Versäumnis, die Scheibe zu promoten, ist eine ungeklärte Frage.

Perry zahlt die folgende Tour aus eigener Tasche und macht sogar in der Howard Stern-Show mit einer Lesben-Date-Nummer mit, um in die Medien zu kommen. 1997 gründet sie das Independent-Label Rockstar-Records, auf dem sie befreundeten Bands Veröffentlichungen ermöglicht. Hier erscheint 1999 auch ihr zweites Solowerk, "After Hours". Von der folgenden Tour kehrt sie mit Anhang zurück: Die Reunion mit Christa Hillhouse und Neubesetzung Claudia Page schlägt allerdings keine großen Wellen.

Perry schreibt Songs - massentaugliche diesmal - und versucht, erneut an einen Majordeal zu gelangen. Die Arbeit als Labelchefin zermürbt die Sängerin, sie möchte ihre Zeit lieber auf der Bühne als im Büro verbringen. Doch wie so oft kommt alles anders: "Cruz" und "Beautiful", der Track, mit dem sie ihr Comeback geplant hatte, landen letztendlich auf Christina Aguileras "Stripped". Als wenig später Rock-Girlie Pink um Tipps fürs Songwriting bittet, wittert Perry ihre große Chance: Sie bekommt den Job als Pinks Produzentin und Co-Writerin für "Missundaztood", komponiert alleine die Stücke "Lonely Girl" und den Smash-Hit "Get The Party Started".

Der Achtungserfolg katapultiert Perry wieder mitten in die Szene. Als angesagte Produzentin arbeitet sie in den nächsten Jahren mit Musikern wie den Sugababes, Robbie Williams, Melissa Etheridge, Lisa Marie Presley, Kelly Osbourne, Enrique Iglesias und Courtney Love, an deren "America's Sweetheart" sie maßgeblich beteiligt war. Auch die erste Single des Gwen Stefani-Debüts, "What You Waiting For?", geht zu Teilen auf das Songwriting der Ex-Frontfrau zurück.

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