Porträt

laut.de-Biographie

Lefties Soul Connection

"Wenn man erzählt, man spiele in einer Funk-Band, dann denken die meisten entweder sofort an Disco-Zeug oder an P-Funk. Eine Menge Leute auf der Bühne, durchgeknallte Outfits, drei Backgroundsängerinnen, eine fünfköpfige Bläser-Sektion ... das übliche Earth, Wind & Fire-Image. Wir machen das nicht. Wir sind das genaue Gegenteil", so Alviz, Gründungsmitglied der Lefties Soul Connection, im Interview mit beyondjazz.net. Aber was genau tun sie dann, die vier Herren aus Amsterdam?

Lefties Soul Connection - Skimming The Skum Aktuelles Album
Lefties Soul Connection Skimming The Skum
New Orleans-Funk aus Amsterdam, dynamisch und teuflisch tanzbar.

Nun, sie spielen Funk. Rohen, ungeschliffenen, unzivilisierten, knackigen Funk, und das seit August 2001. Da nämlich beschließen Onno Smit und Alviz, die gemeinsam in den Reihen einer Band aktiv sind, dass das an Curtis Mayfield und Sly & The Family Stone angelehnte Repertoire der Gruppe und die eigenen Vorstellungen doch erheblich divergieren.

Alviz organisiert zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Monaten gemeinsam mit den DJs Taco Fett und Lord Fader im Amsterdamer Club Mazzo die sonntägliche Struttin'-Party. Hier kommen ausschließlich alte Funk-Singles zum Einsatz. der Wunsch, vergleichbares Material selbst live auf die Bühne zu bringen, wächst.

Alviz, der ursprünglich zur Gitarre greifen wollte, bleibt bereits als Musikschüler an der Orgel hängen. Ihn fasziniert die Vielfalt der Sounds, die einem einzigen Instrument zu entlocken sind. Mit dem breitgefächerten Musikgeschmack des Vaters aufgewachsen, der von Jazz bis hin zu französischen Chansons reicht, entwickelt sich Alviz zu einem musikalisch überaus aufgeschlossenen Teenager: Rock, Soul, Punk, Garage, Hip Hop ... von Otis Redding über Janis Joplin zu den Jurassic 5 ist alles drin. Über Jazz und Acid-Jazz gerät er an sein großes Vorbild Lonnie Smith - und damit an die Hammond-Orgel.

Alviz und Onno beschließen also, sich von den übrigen, weniger motivierten und talentierten Kollegen ihrer Band zu trennen, steigen aus und ziehen ihr eigenes Ding auf. Die Suche nach einem Drummer und einem Bassisten erweist sich als nicht ganz so einfach.

Während sich im September 2001 mit Cody Vogel, der zuvor in einer P-Funk-Band trommelte, am Schlagzeug gleich der erste Kandidat als Treffer herausstellt, zeigt sich der Mann am Bass, mit dem die anfänglichen Auftritte in Amsterdamer Clubs bestritten werden, nicht als die beste Wahl. "Ihm fehlte das richtige Gefühl für das, das wir machen wollten", blickt Alviz zurück. Im Februar 2002 trennen sich die Wege. Cody weiß Rat und bittet Bram Brosman, am Bass einzuspringen. Die Besetzung des Quartetts ist damit komplett. Live sichert man sich gerne dann und wann die Unterstützung eines weiteren Gitarristen.

"Eine Menge Leute glauben, wir bewegen uns auf der ultra-linken Seite des politischen Spektrums, aber in Wirklichkeit sind wir einfach nur Linkshänder", erklärt Alviz die Wahl des Bandnamens. "Drei von vier Mitgliedern sind 'Lefties'. Eine ziemlich gute 'connection'."

Gemeinsam versucht man sich am Funk der 60er und frühen 70er Jahre. Booker T und die MGs, die Mighty Imperials und insbesondere die Meters dienen als Inspiration für die instrumentalen Coverversionen der Lefties Soul Connection. "Allerdings wollten wir mehr sein als eine reine Meters-Imitation", so Alviz. Von Anfang an legen die Lefties den Schwerpunkt auf eigenes Material, um dem häufig etwas angestaubt wirkenden Genre Funk neues Leben einzuhauchen. Ab und an begleitet von MC Gee spielen die vier auf diversen Soul- und Funk-Partys in Amsterdam.

Im Sommer 2002 - wieder stellt ein Struttin'-Abend den passenden Rahmen - läuft Alviz Oliver "Olski" von Felbert über den Weg. Dieser steht soeben im Begriff, sein Label Melting Pot Music aus der Taufe zu heben. der Funke springt über. Olski nimmt Lefties Soul Connection als ersten MPM-Act unter Vertrag. Das handfeste Ergebnis dieser Zusammenarbeit erscheint im Dezember in Form einer 7"-Single mit dem Titel "Doin' That Thing", die schon nach wenigen Wochen vergriffen ist und bereits einige Jahre darauf als gefragtes Sammlerstück gehandelt wird.

2003 legen die Lefties den Grundstein für ihr Image als eine der "hardest working bands" im Geschäft. Ihr Auftrittsradius weitet sich aus. Das Quartett spielt mittlerweile auch Shows in Deutschland und Belgien und teilt sich die Bühnen mit Kollegen wie den britischen Soul Destroyers oder den Sugarman Three aus den USA.

"Bouncing Ball", die zweite Single, erscheint Anfang 2004. Wenig später, im April, folgt mit "Dutch Soul Food" eine sieben Tracks starke Promo-CD. Im November legt MPM noch eine 12"-EP nach. Inzwischen feiert man die Combo auch in der Schweiz, in England und in Frankreich. Zu den Bühnenpartnern gesellen sich Breakestra sowie die großartige Sharon Jones samt ihrer Dap Kings. "Peacock Strut" bildet den nächsten Streich. Lefties Soul Connection rocken sich vom Supernatural-Festival in Utrecht über diverse Club- und Festival-Gigs bis ins legendäre Londoner Jazz Café.

Für ihre Live-Sets entschließen sich Lefties Soul Connection dazu, einige Klassiker einzuspielen. Neben einem Isley Brothers/Meters-Medley fällt die Wahl auf DJ Shadows "Organ Donor". Die Single erscheint im Januar 2006, verkauft in Windeseile tausende von Kopien und dreht sich auf dem Plattenteller so gut wie jeder Funk-Party. Gilles Peterson dürfte nicht der Einzige sein, der die Nummer zu seinen Favoriten rechnet. Nachdem die Lefties bereits auf dem ersten MPM-Labelsampler doppelt vertreten waren, landet ein Remix ihres "Organ Donor" auf Ausgabe Nummer 2.

Nach beinahe fünf Jahren wird es höchste Zeit für ein Album in ordentlicher Länge. Im März 2006 macht "Hutspot" die bisher in limitierten Vinyl-Ausgaben unters Volk gebrachten Singles der vergangenen drei Jahre auch einem Publikum zugänglich, das der vermeintlich anachronistischen Technik eines Plattenspielers nichts mehr abgewinnen kann. Drumbreaks und Basslines begeistern gleichermaßen Tänzer und Hip Hop-Produzenten. Nach zahllosen großen und kleinen Festivals im Sommer spielen Lefties Soul Connection im Herbst diverse kleinere Touren in Deutschland und Großbritannien.

Wann bei all dem Zeit gefunden wurde, um das Material für das nächste Album einzuspielen - wir wissen es nicht. Tatsache: "Skimming The Skum" wirft in Form der Vorab-Single "Fais Do-Do" mit schwerem Drum-Funk seine Schatten voraus. Nachdem für Ende April eine 14-tägige Japan-Tour auf dem Plan steht, erscheint Album Nummer zwei Mitte Mai.

Zwischen Einflüssen aus 60es-Garage, Breakbeat und Hip Hop bleibt der typische Lefties-Sound erhalten. "Die Leute erwarten bei einer Funkband immer einen singenden Frontmann oder eine Sängerin und eine Bläsertruppe", so Alviz. "Wir wollen mit diesem Klischee brechen. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche des Funk-Sounds, roh und dreckig. Nur eine Rhythmus-Sektion, und keinerlei Schnickschnack mit schicken Anzügen oder solchen Mist."

Alben

  • Offizielle Homepage

    Ausführliche Infos, Termine und Bilder.

    http://www.leftiessoulconnection.com
  • Melting Pot Music

    Oliver von Felberts Schmelztiegel.

    http://www.mpmsite.com
  • LSC bei MySpace

    Der übliche MySpace-Auftritt inklusive Kostproben.

    http://www.myspace.com/leftiessoulconnection

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