Porträt

laut.de-Biographie

Jay Haze

Vor einigen tausend Jahren tauschte der Mensch das Nomadentum gegen die Vorzüge der Sesshaftigkeit ein. In der modernen Mediengesellschaft sei es an der Zeit, einige liebgewordene Gewohnheiten neu zu überdenken, fordern die beiden Philosophen Gilles Deleuze und Felix Guattari in ihrem monumentalen Manifest "Kapitalismus und Schizophrenie. Band 2: Tausend Plateaus". Ihr Ideal: moderne Nomaden in einer weitgehend hierarchielosen Gesellschaft.

Der im US-Bundesstaat Pennsylvania aufgewachsene Jay Haze könnte einer dieser Nomaden aus der Jetztzeit sein. Die Umweltverschmutzung der Industrieanlagen direkt vor der Haustür, sucht Haze schon bald das Weite und schlägt sich bis nach San Francisco durch.

Zwischendurch macht er in Colorado und Washington Halt und verdient sich seinen Lebensunterhalt an der Ostküste als anerkannter Glasbläser. Schließlich landet er 1998 wieder in seinem Heimatstaat und stürzt sich in Philadelphia in die Musik. Neben den New Yorker Sonic Groove-Urgesteinen Frankie Bones und Adam X zählt auch Richie Hawtin zu Hazes großen Einflüssen.

Ein Jahr später entsteht mit Tuning Spork das erste Label, auf dem Jay Haze unter dem Pseudonym The Architect eigene Tracks veröffentlicht. Mit im Boot sind Bjoern Hartmann und Sean O'Neal, die gemeinsam mit Haze in Clubs wie dem Fluid oder der Silk City minimalistische Techno- und House-Scheiben zum Sound der Zeit machen. Gleichzeitig finden Haze' Vorlieben für dubbiges à la King Tubby und experimentierfreudige Electronica auf den Labels Future Dub und Contexterrior eine Heimat.

Elektronische Liebeserklärungen an Jamaika veröffentlicht Haze in Gestalt von Dub Surgeon, Dub Cord oder Montage Spiral, während er sich auf Contexterrior ganz bürgerlich gibt. Nach der Übersiedlung von Philly nach Berlin mit Zwischenaufenthalt in Amsterdam scheint sich der Nomade Haze in Deutschland sichtlich wohl zu fühlen. Auf Contexterrior schart er mit Ricardo Villalobos, Jeff Samuel, Peter F. Spiess und Robag Wruhme die Minimal-Prominenz um sich.

Zudem experimentiert er auf dem gleichnamigen Internet-Label Contexterrior sowie auf seinem zweiten Online-Label Textone mit unabhängigen, nomadischen Vertriebsmöglichkeiten von Musik. Neben den erwähnten Produzenten unterstützen Haze' Idee auch Hakan Lidbo, Rene Breitbarth oder Mikael Stavostrand mit eigenen Tracks.

Nach Remixen für Villalobos' "Easy Lee" und Mamboturs "Vamos Viende" erscheint 2005 mit "Love For A Strange World" sein erster Longplayer, der den Amerikaner von einer experimentellen Seite zeigt - Vocals inklusive.

In der Folge arbeitet er unter anderem mit Yann Tiersen und Saul Williams. Unter dem Titel "Love & Beyond" vertreibt er auf seiner Homepage "House- und Techno-Tracks", "Futuristische R'n'B-Titel fürs Schlafzimmer" und "Instrumentals für Freigeister".

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