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Mit diesem Namen trägt ein Musiker eine gewaltige Hypothek mit sich herum. Dass automatisch Assoziationen zu Van oder Jim vor dem geistigen Auge erscheinen, ist noch das Geringste. Dass allerorten von einem neuen Soul-Wunderkind gesprochen wird, mag die größere Last sein, die ein so junger Mann zu tragen hat.
So geschehen im Sommer 2006, als der zu diesem Zeitpunkt gerade 21-jährige Engländer mit seinem Debüt "Undiscovered" quasi aus dem Nichts an die Spitze der britischen Charts schießt und binnen kürzester Zeit über 300.000 Exemplare seines Albums absetzen kann. Aber der Reihe nach.
James Morrison Catchpole kommt 1984 im englischen Rugby zur Welt. Als zweites von drei Kindern kann man seine frühen Jahre nicht unbedingt unter "idyllisch" abheften. Vielmehr ist der kleine James schon sehr bald auf sich alleine gestellt. Sein alkoholkranker Vater lässt die Ehefrau mit den drei Blagen recht bald sitzen, so dass James' Mutter für die komplette Familie den Lebensunterhalt bestreiten muss. Für Kinder, die in solch einer Situation aufwachsen, hat das mitunter fatale Folgen. Im Falle von James führt es zu einer frühen Form von kreativer Selbständigkeit.
Selbständigkeit zum einen deshalb, weil er selbst sehen muss, wie er zurecht kommt. So berichtet er, dass er schon im Kindesalter seine eigenen Sachen bügeln musste, Hausaufgaben machen etc. Die Kreativität tritt in sein Leben, als ihm sein Onkel beibringt, auf der Gitarre Blues-Licks zu spielen. Fortan ist der pubertierende James nicht mehr ohne Klampfe in der Hand anzutreffen.
Nach diversen Umzügen, die die kleine Familie kreuz und quer durch England führt, landen die Catchpoles 2000 in Porth. Dort passiert es ihm erstmals, dass er mit Musik in die Öffentlichkeit tritt. Vor Touristen und Spaziergängern gibt er Coverversionen bekannter Soul-Klassiker zum Besten. Als Straßenmusiker verdient er sich so ein nettes Zubrot. Nach Beendigung der Schule nimmt James diverse Gelegenheitsjobs an, um über die Runden zu kommen. Mit seiner ersten Liebe Gill zieht er nach Derby und verdient sein Geld dort - da alle Engagements in Sachen Musik zu nichts Handfestem führen - mit Autowaschen. Als er dort schließlich auch noch entlassen wird, steht James quasi vor dem Nichts.
Kurz bevor er die Brocken ganz hin wirft, läuft ihm bei einer Jam-Session ein Musiker mit dem nötigen Equipment über den Weg, der von James' Talent angetan ist. Er ermöglicht ihm die Aufnahme einiger Demosongs. Die Scheibe gelangt schließlich in die Hände eines gewissen Spencer Wells, der geschäftlich schon mit Schwergewichten wie David Gray und Beverly Night zu tun hatte und in Derby als Nachwuchs-Scout unterwegs ist. Von da an geht alles in rasendem Tempo voran.
Spencers Geschäftsfreund PauL McDonald verschafft James einen Plattenvertrag bei Universal Music, die ihn stehenden Fußes ins Studio verfrachten. Ihm zur Seite stellen sie ihm den erfahrenen Produzenten Martin Terefe, der neben Jobs für A-ha auch Künstler wie Ron Sexsmith und KT Tunstall betreute. Als er aus dem Studio heraus kommt, hat er elf Songs auf der Habenseite, die schließlich im Juli in seiner neuen Heimat erscheinen. Mit den bekannten Folgen.
Der britische Musiker über sein Image als Schmusesänger, Chris Martin-Doubles und Jessie J.
"Einfach, einfach wie ein Sonntag morgen." Ein Interview mit James Morrison hinzubekommen – das hingegen erweist sich als gar nicht mal so einfach.
Der Terminkalender des Briten ist voll. Gerade erschien sein drittes Album "The Awakening". Deswegen heißt es beim kurzen Berlinbesuch morgens Fernsehen, weiter zum Radio, dann schnell ab nach Zürich. Für ein Gespräch bleibt nur noch Zeit im Shuttle zum Flughafen. Aber: "Einfach... einfach wie ein Sonntag morgen." Gut drauf ist er, der 27-Jährige. Will nicht mehr als schnell eine Zigarette drehen, genüsslich rauchen während des Interviews. Von wegen Terminstress – einer wie Morrison lässt sich davon nicht beeindrucken.
James Morrison: Heute hab ich Lionel Richie auf Deutsch gelernt. (Singt) Einfach ... einfach wie ein Sonntag moooooorgen (lacht).
Ahh, ok, ich weiß, welchen Song du meinst.
Ja, den deutschen Dialekt kann ich echt gut imitieren.
Ich merke schon. Aber nun los: dein Album nennt sich "The Awakening" - von was bist du erwacht?
Man kann sagen, dass ich zum Leben erwacht bin! Seit drei oder vier Jahren war ich nun auf Tour, habe zwei Alben herausgebracht, ohne dass viel Zeit dazwischen verging. Danach brauchte ich eine Auszeit, ein wenig Urlaub. Freunde treffen, die Familie sehen. Ich hab jetzt eine Tochter, habe meinen Vater verloren. All das zusammen ließ mich über mein Leben nachdenken. Was hatte ich erreicht? Was will ich noch erreichen? Wo will ich hin? Der Song "The Awakening" dreht sich um meine Kleine und wie ich durch sie zum Leben erweckt wurde. Hey, ich hab jetzt ein Kind!
Glückwunsch! Vor ein paar Jahren hast du in einem laut.de-Interview gesagt: Ich nehme das Leben ernst. Stimmt das also noch immer?
Es ist nicht so, dass ich das Leben damals weniger ernst nahm. Heute bin ich jedoch zufriedener mit mir selbst, meinen Gefühlen und dem, was ich tue. Ein Kind zu haben, hat mich ausgeglichener gemacht.
Und durch das Vatersein hat sich auch deine Musik geändert?
Ja, ein wenig schon. Ich bin jetzt 27, keine 21 mehr. Ich zieh nicht mehr jede Nacht durch die Clubs! Schließlich hab ich nun ein kleines Mädchen, da muss man über seine Taten nachdenken. Ich bin zwar immer noch die gleiche Person wie früher, aber eine, nennen wir es, fokussiertere Version davon.
Dann erzähl doch mal was über das Album!
Ich hatte dazu viele Ideen dabei. Es sollte zum einen etwas von dem Live-Feeling rüberbringen. Oft wurde mir gesagt, meine Auftritte seien super, aber meine Aufnahmen würden dem nicht gerecht. Daher wollte ich dies näher aneinander rücken. Mein Album sollte an die ganze alte Musik erinnern, die ich so sehr liebe. Es sollte mit Modernem vermischt werden, rockiger klingen als meine Vorgänger, mit funkigen Soulsongs. Es gibt eine Ballade, einen Track mit Hip-Hop-Beat. Das Album zeigt viele Facetten, die Themen aber bleiben beständig und verbinden alle Songs miteinander.
Der Song "Person I Should Have Been" stammt komplett aus deiner Feder. Wie fühlt es sich an, den nun auf dem Album zu haben?
Das wurde verdammt nochmal ja auch Zeit! (lacht) Na, fühlt sich großartig an. Das war schon lange mein Ziel, ich hab es mir vorher aber nie zugetraut. Der Glaube an mich fehlte. Seit dem letzten Jahr weiß ich genauer, was ich für Musik machen will. Eine Melodie zu finden, ist easy. Passende Texte zu schreiben, die auch Inhalt haben, ist schwieriger für mich. "Person I Should Have Been" war ursprünglich ein Gedicht, das ich nach einem Telefongespräch mit meinen Vater schrieb. Wir sprachen über die Vergangenheit, was wohl die bester Version von ihm gewesen wäre – so kam es zu dieser Idee.
Es kommt immer ganz auf meine Gefühlslage an: Wenn ich müde und gerade sehr emotional bin, und dann jemand etwas Falsches über das Thema sagt, dann kotzt mich das an. Dann sag ich auch: 'Fuck off.' Aber eigentlich rede ich gerne über meinen Dad, das hält ihn am Leben. Klar, manchmal ist es schwer. Hey, es war schließlich mein Vater, der da gestorben ist. In meinen Songs kann ich in einer Art und Weise darüber sprechen und mit der Situation klar kommen. So wurde das Album erst zu dem, was es ist.
Also quasi Songwriting als Therapie?
Ja, auf jeden Fall! Und schließlich geht es vielen anderen Menschen genauso wie mir. Wenn es mein Job ist, über Dinge zu schreiben, mit denen sich die Leute identifizieren können, dann ist es genauso mein Job, dabei ehrlich zu sein. Andere in einer ähnlichen Situation können ihre Gefühle vielleicht nicht so ausdrücken, aber meine Songs helfen ihnen – deswegen tue ich das gerne.
Du musst also Leiden, um Songs schreiben zu können?
Definitiv! Ich bin eine geplagte Seele.
Gibt es noch Themen, an die du dich bisher nicht herangetraut hast?
Ja, ich will tanzbare Songs. Nicht so ein Buff-Buff-Dancy, sondern auf die Oldschool-Art. Da komm ich gerade erst rein. Es soll sich nicht immer alles um meine Gefühle drehen. Die eine Hälfte des Albums handelt davon, die andere macht einfach Spaß und dreht sich eher um die Musik. Ja, lustige Sachen reizen mich sehr.
Passt aber, ehrlich gesagt, nicht so gut mit deinem Image zusammen ...
Da hast du Recht. Es ist halt schwierig, die Wahrnehmung der Leute über dich zu ändern. Ich bin eine aufgeschlossene, humorvolle Person. Meine seriöse Seite gibt es natürlich auch – man ist doch von allem ein wenig. Ich kann nicht nur dieser schmusige James Morrison sein, der immer nur Balladen singt.
Ich finde, auf deinem Album gehst du wieder einen Schritt weg von der Radio-Popmusik des Vorgängeralbums, das gefällt mir gut. Ein Song allerdings ist ein Duett gemeinsam mit dem Popsternchen Jessie J. Warum sie?
Wegen ihrer außergewöhnlichen Stimme, das war der einzige Grund. Ist mir egal, ob sie in den Charts oben steht oder der heißeste Newcomeract ist. Ich wollte einfach jemanden mit ein großartigen Stimme. Jemanden, der dem Song etwas gibt, was ich selbst nicht geben kann. Nur weil sie Popsongs singt, vergessen die Leute ihre tolle Stimme. Für mich war sie die einzige Wahl – eine naheliegende, nicht naheliegende Wahl. Klar hätte ich jemanden wie Adele fragen können. Aber ich wollte, dass die Leute sich fragen, wie diese zwei Künstler zusammen passen.
Abgesehen von ihrer Stimme – wie war die Arbeit mit Jessie J?
Jessie J ist eine starke Persönlichkeit und sieht auch so aus. Ich war sehr nervös und ein wenig eingeschüchtert. Daher hielt ich mich anfangs zurück und war still. Aber sie ist witzig, eine sehr, sehr lustige Person. Auf dem Boden geblieben genug, um mich zu verstehen. Das mag ich an ihr: sie hat einerseits diese amerikanische Art an sich, diese Superstarqualitäten, mit denen man Platten verkauft. Andererseits ist da immer noch das britische Mädchen aus Essex in ihr. Eine tolle Kombination.
Wie definiert man einen "wahren Musiker"?
Das würde ich gerne von dir wissen!
Wenn man singt, ein Instrument spielt oder Musik schreibt ... Jessie J tut das. Ich weiß jetzt nicht, ob sie auch ein Instrument spielt, aber sie ist eine wunderbare Sängerin und Schreiberin. Sie ist kein austauschbarer Popact. Ich möchte mit Menschen zusammen arbeiten, die ein Gefühl für sich selbst haben. Was ich nicht mag, sind Leute, deren Rolle mehr im Mittelpunkt steht als ihre wahre, ihre eigentliche Persönlichkeit. Die Stimme sollte im Fokus stehen. Da muss man nicht so was denken wie: 'Ohh, das ist doch der von X-Factor, das muss doch der heißeste Sänger aller Zeiten sein.' Ich will lieber mit Menschen arbeiten, die ihr Instrument beherrschen und singen können ...
... aber du kannst doch nicht behaupten, dass alle Leute aus Castingshows nicht singen können.
Nein, nein, nein! Das wollte ich damit nicht sagen. Es geht mir darum, Leuten um mich zu haben, die eine Ahnung davon haben, was für Musik sie machen wollen und die ihre Musik auch schreiben können.
Meinst du, es ist schwierig, im Musikbusiness "echt" zu bleiben?
Ich glaube, es ist einfach, sich vom Erfolg fehlleiten zu lassen. Und davon, was du glaubst, was die Leute sehen wollen. Es ist nicht schwer, du selbst zu bleiben – es ist vielleicht nur einfacher, sich aufsaugen zu lassen. Aber wenn du eine starke Person bist, mit festen Werten und guten Leuten um dich herum, die dich immer wieder in die Realität zurückholen, dann kannst du so sein und bleiben, wie du immer warst.
In Interviews hört es sich häufig so an, als wäre berühmt sein eher eine Last als eine Freude für dich. Stimmt dieser Eindruck?
Ja, kann sein. Es kommt eben immer auf die Persönlichkeit an. Ein Beispiel: in einem Raum voller Leute bin ich nicht derjenige, der in der Mitte stehen will. Berühmtheit zwingt dich dazu, plötzlich hast du keine Wahl mehr. Das geht einfach gegen meine Natur. Wann immer ich die Gelegenheit dazu habe, mein Ego zu pushen – dann lass ich es sein. Das kann ich nicht genießen.
Aber du stellst dich doch auch vor Tausenden von Menschen auf die Bühne – wie passt denn das zusammen?
Da geht es um die Musik. Der Hauptgrund für meine Liveauftritte ist diese fantastische Stimmung. Dieses universelle Gefühl, dass in diesem Moment alle das gleiche fühlen und alle miteinander verbunden sind. Aus diesem Grund mache ich Musik! Deswegen mach ich den ganzen Bulllshit mit dem Berühmtsein mit.
Du findest das alles Bullshit?
Ja, vieles davon ist doch Schwachsinn. Ehrlich wahr! Ich will berühmt sein wegen meiner Musik, nicht als Chris Martin Look-A-Like oder so was in der Art.
Das Soul-Wunderkind über Erwartungsdruck beim 2. Album, Straßenmusik und Madonna.
Im Interview spricht James Morrison über Vorbilder wie Stevie Wonder, eine unangenehme Begegnung mit Madonna und seine neue Rolle als Vater.
James Morrison ist ein energiegeladener 23-Jähriger. Er lacht viel, gestikuliert lebendig und strahlt eine jugendliche Unbekümmertheit aus, mit der er die Menschen schnell für sich einnimmt. Ich treffe ihn in der Pro-Bier Stube, in einem Berliner Hotel. Sehr deutsches Ambiente, aber man merkt sofort, dass es sich hier um einen Engländer handelt. Von den Getränken nimmt er sich weder Cola noch Fanta, sondern gießt sich eine Tasse Tee ein. Dazu ein Schuss Milch.
Freust du dich auf die Veröffentlichung deines zweiten Albums oder hast du Angst?
Ja Mann, ich bin nervös, aber auch aufgeregt. Ich habe vorhin schon daran gedacht, es kommt näher und näher. Es ist beängstigend, ein Album mit persönlichen Liedern zu veröffentlichen. Besonders wenn man sein Herzblut hinein gesteckt hat, und wenn es die Leute dann nicht mögen - uuh fuck! Ich bin zuversichtlich und leicht nervös.
Es geht viel um Liebe.
Ja, viel. Ich war eine Menge unterwegs, ich war lange weg, und das ist es, was mich auf dem Boden hält.
Liebe?
Ja, wirklich. Das hilft viel.
Du willst auf dem Boden bleiben, weil du so plötzlich erfolgreich wurdest?
Ja, ich bin abgegangen wie eine Rakete! Und das ist das Problem, was es so beängstigend macht. Ich wusste nicht, dass es sich so gut verkaufen würde. Ich wusste nicht, wie man ein Album macht, das sich drei Millionen Mal verkauft. Ich hab einfach ein Album gemacht, mit dem ich mich gut gefühlt hab, und dann hat es sich so verkauft! Und diesmal ist es viel schwieriger. Weil dir jeder sagt, es muss wieder zwei Millionen verkaufen. Ich weiß nicht wie das geht! Ich glaube nicht, dass irgendjemand weiß, wie das geht.
Aber deine Produzenten helfen dir?
Ja, es hilft, mit guten Leuten zusammen zu arbeiten. Ich habe mit den meisten Leuten vom ersten Album gearbeitet, weil es einfacher ist, Songs mit jemandem zu schreiben, den du kennst. Ich mag es, mit anderen Menschen zu arbeiten. Es ist gut, die Ideen herumzuwerfen und wenn ich feststecke, dann kennen sie mich und wissen wo ich ankommen möchte. Es ist einfacher mit Leuten zu arbeiten, die du kennst. Ich hab aber auch neue Leute ausprobiert, wie Ryan Teddar von One Republic, mit dem ich einen Song geschrieben habe.
Es ist ein gutes Album, nicht nur weil ich mit Leuten gearbeitet habe, die ich schon kenne, und die mit guten Ideen kamen, sondern weil ich auch mit anderen Künstlern gearbeitet habe. Das ist ein gutes Gefühl. Als Künstler Leute zu bekommen, die mit dir arbeiten wollen, ist immer eine gute Sache.
Also bist du zufrieden?
Ja, ich hab das Gefühl es hat schon eine Karriere gemacht, selbst wenn es noch nicht veröffentlicht wurde. Ich hab das Gefühl, dass es definitiv wächst.
Warum machst du Musik?
Ich fühl mich einfach besser, wenn ich Musik mache. Ich kann Musik hören und mich dabei wohl fühlen, nur die Musik zu hören. Wenn ich keine Musik machte, würde ich Däumchen drehen und pfeifen (pfeift). Es ist gut um deine Gefühle los zu werden und deine Frust. Wenn du ein Gefühl spürst und nicht genau weißt, wie du es beschreiben sollst, dann kannst du immer ein Song daraus machen. Ich liebe es, Lieder zu schreiben.
Und warum sollten die Leute deine Musik hören?
(Lacht) Fuck it out! … Ähm, ich versuche ehrlich in meinen Liedern zu sein. Ich versuche Lieder zu schreiben, die das reflektieren, was ich fühle und mit denen sich die Leute identifizieren können. Du kannst die Lieder mitsingen, die Texte auf dich beziehen, und außerdem ist Nelly Furtado auf dem Album. Es ist eine gute Balance zwischen frischen Sachen und Sachen, die ich immer geliebt habe. Ich glaube, die Leute sollten es hören, weil Musik eine gute Sache ist. Und wenn ich es richtig gemacht habe, dann sollte sie ihre Aufgabe erledigen: dass die Leute sich besser fühlen.
Sollten die Leute dich ernst nehmen?
Ich will nicht zu ernst sein, aber es stimmt schon. Ich scherze nicht rum, wenn ich einen Text singe. Ich nehme das Leben ernst, aber ich versuche es zu genießen. Ich nehme es nicht zu ernst! Aber das Leben ist ernst. Du hast nur ein Leben und du solltest wissen, ob das, was du machst, auch gut für dich ist. Anstatt nur so poppigem Scheiß mag ich es, wenn die Dinge bedeutungsvoll sind.
Es haut mich sogar jetzt noch um, weil es so schnell passiert ist! Wenn du nicht erfolgreich bist, musst du noch einen anderen Job haben. Was ich schon hatte! Ich hab Plakate geklebt und dann bin ich ins Studio gegangen, um Lieder aufzunehmen. Geld gibt dir viel mehr Möglichkeiten, etwas zu machen, etwas zu erreichen. Das macht es dir komfortabler.
Und was ist das Problem am Erfolg?
Viele Leute um dich herum verändern sich!
Ja?
Ja. Die Wahrnehmung der Leute verändert sich. Da ist es manchmal schwierig, ein normales Gespräch mit Leuten zu führen, die dich nur als James Morrison kennen. Die sind dann ständig so: (verstellt die Stimme) "Wie hast du bloß diesen Song geschrieben, der … (Stimme normal, sauer) Woh, woh, woh, sccchhhht! Red einfach normal, ja!"
Und abgesehen davon macht es dir auch eine Menge Druck, den Erfolg zu wiederholen. Aber naja, das ist Teil des Spiels! Du musst dir Druck machen, weil es so viele gute Musiker da draußen gibt. Du musst dir Druck machen, um im Spiel zu bleiben.
Bist du die selbe Person wie vor dem Erfolg?
Ja, definitiv! Ich hab mich nicht verändert, ich hab mich nur an die Situation angepasst. Ich vermute irgendwie, der größte Unterschied ist, dass ich mir keine Sorgen mehr um Rechnungen machen muss. Ich hab Geld auf der Bank, ich hab mir ein Haus gekauft, ich bin viel ruhiger. Aber ich bin immer noch die selbe Person, hab die gleichen Sorgen über die gleichen Dinge.
Magst du die Leute, die du jetzt triffst? Die ganzen Musiker, von denen du vorher nur gehört hast?
Ich habe viele Leute getroffen. Viele Musiker von denen ich vorher nichts wusste und Leute, die meine Idole sind. Das ist unglaublich, jemanden zu treffen, der dich musikalisch so beeinflusst hat. Ich hab immer Stevie Wonder gehört und Ray Lamontagne, Rod Stewart, Cat Stevens, und ich hab sie alle getroffen! Das ein unglaubliches Gefühl.
Sind sie ehrlich?
Ja, die meisten Musiker sind ehrlich. Echte Musiker! Es gibt aber auch viele Faker. Die so: (verstellt die Stimme) "Ich bin so verdammt cool ..." (schlägt den Kragen hoch) Und du so: "Was auch immer, Mann!". Ich hab Madonna getroffen, sie war nicht sehr nett. Aber ich mag Madonna nicht, also hat es mich nicht überrascht. Ich mag Leute, die gute Musiker sind. Und zu 95 % sind es nette Leute. Ich fühle das durch ihre Musik. ... Ja, Musik erzählt dir viel über eine Person, glaube ich.
Ja, das war gut. Ich habe es geliebt, auf der Straße zu singen. Es ist eine gute Möglichkeit, Geld zu verdienen. Und du kannst vor sie vielen verschiedenen Leuten spielen, du weißt nie, wer kommen wird. Es ist eine ziemlich direkte Art, Musik zu spielen. Sie müssen dir nicht zuhören und wenn sie es machen, dann weißt du, dass du etwas richtig machst. Eine entspannte Möglichkeit, Lieder und deine Stimme zu testen.
Es war eine gute Möglichkeit für mich, selbstbewusst zu werden. Ich war nicht sehr selbstbewusst, als ich jünger war. Und auf der Straße zu spielen, hat mich selbstbewusster gemacht. Davor hab ich nur gesagt: "Nein, ich werd nicht vor dir spielen, das macht mir Sorgen!" Und die Straßenmusik hat das ein bisschen vereinfacht.
Hast du Geld gemacht?
Ja! Manchmal wenig, aber manchmal ziemlich viel. Einmal 65 ... in Euro wären das wahrscheinlich 80 Euro in einer Stunde! Das war gut.
Ich habe diese Geschichte über deine Stimme gehört, könntest du die kurz erzählen?
Naja, ich hatte Keuchhusten als ich geboren wurde (keucht und hustet heftig, um es nachzumachen). Ich wäre vier Mal fast gestorben.
Wie alt warst du da?
Ich war so ungefähr sechs Wochen alt. Sie sagten, ich werde bleibende Hirnschäden haben. Aber zum Glück kam ich dann wieder in Ordnung, und das hat mir meine heisere Stimme eingebracht.
Was sind deine Pläne für die nächste Zukunft?
Auf Tour gehen, eine gute Zeit haben ...
Wann startet die Tour?
Ich hab im November einige Gigs in England und ich werde eine große Tour im Januar/Februar machen. Außerdem hab ich ein Kind, ich hab ein Baby. Seit ungefähr zwei Wochen.
Oh, herzlichen Glückwunsch!
Ich werde also auch Vater sein in Zukunft.
Hast du Zeit dafür?
Ich muss mir Zeit nehmen.
Kannst du das?
Ja, definitiv! Ich kenne viele Leute die Kinder haben, in der Musikindustrie sind und für lange Zeit weg sind. Das hat die Kinder nicht zu stark beeinflusst. So lange es weiß, dass ich der Dad bin und ich es regelmäßig sehe und es liebe, ist das in Ordnung!
Wir machen schnell ein Foto, und während ich mich noch vom Manager verabschiede, malt James schon Strichmännchen auf eine Papier-Leinwand.
| Do | 27.06.2013 | James Morrison Dortmund (Westfalenhalle) | |
| Di | 23.07.2013 | James Morrison CH-Blue Balls Festival (Luzern) |
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30.01.10, 20:15 Rosapoesie |
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