Porträt

laut.de-Biographie

Gyptian

Mit dem ersten Titel gleich die versammelte Konkurrenz, darunter Junior Gong Damian Marley, Vybz Kartel und Jah Cure, vom Thron zu stoßen und den Preis für den "wichtigsten Song des Jahres" einzuheimsen - dazu gehört schon etwas. Gyptian gelingt dieses Kunststück 2005 mit seiner ersten Single "Serious Times".

Dabei gehört er nicht zu den Zeitgenossen, die von Kindesbeinen an eine Karriere als Sänger im Sinn haben - eine solche versuchte ihm eher sein Umfeld aufzudrängen. Windel Beneto Edwards wird am 25. Oktober 1983 im ländlichen jamaikanischen Distrikt King Weston in eine höchst musikalische Familie hinein geboren.

Die Mutter singt im Chor der Kirchengemeinde, sein der Rastafari-Religion anhängender Vater betreibt das Sugar Stone Soundsystem. So singt der Sohn bereits in zartem Alter mal im Gottesdienst der Mama, mal bei des Papas Dances.

Immer wieder karren ihn seine Eltern nach Portmore, um ihn mit dem Produzenten Ravin Wong zusammen zu bringen, der unter anderem I Wayne zum Erfolg verhalf. "Ich habe das gar nicht ernst genommen", erinnert sich Gyptian. "Ich habe mich meistens verdrückt. Eines Tages haben sie mich quasi bei seinem Studio ausgesetzt. Damit hat alles angefangen."

Den Spitznamen, unter dem er später auch zum Mikrofon greifen soll, handelt sich Gyptian mit seiner Angewohnheit ein, sich T-Shirts um den Kopf zu winden. Zusammen mit seinem gezwirbelten Kinnbart erinnert sein Erscheinungsbild an das Aussehen ägyptischer Pharaonen.

In Ravin Wongs Studio kommt Gyptian mit dem Gitarristen Earl 'Chimma' Smith in Kontakt. "Er war der erste echte Produzent, mit dem ich gearbeitet habe. Das war großartig, er hat einen enormen Musikverstand." Gemeinsam nehmen sie bereits 1999 eine erste Version von "Serious Times" auf, die allerdings nicht veröffentlicht wird.

Gyptian zieht sich zunächst in seinen Heimatort und von der Musik zurück. Nur gelegentlich absolviert er Auftritte. Einem Talent-Scout fällt er dennoch auf; dieser schleppt ihn wieder in Wongs Studio. Unter dessen Regie grast Gyptian nun verschiedene Talentwettbewerbe ab.

Der Sieg bei der "Portmore Star Search Competition" verschafft ihm 2004 einen Auftritt beim Sting, einem Reggae-Festival, das für sein besonders ungnädiges Publikum berüchtigt ist. "Ich wusste eigentlich gar nicht so genau, was ich dort verloren hatte", erinnert sich Gyptian.

"Es war schwierig. Ich wusste, dass ich keinen stürmischen Beifall ernten würde. Aber Musik ist das, woran seit langer Zeit mein Herz hängt. Also habe ich mich durchgekämpft." Wer die harte Crowd beim Sting überlebt, hat im Grunde nicht mehr viel zu fürchten.

Noch immer bietet die Musik kein Auskommen für Gyptian. Er arbeitet gerade auf einer Baustelle, als Kenneth 'Spragga' Wilson ihn bittet, sich einen Tag frei zu nehmen, um "Serious Times" neu einzusingen. Die Nummer bedeutet für Gyptian den Durchbruch.

Die Presse lobt seine "Stimme wie aus flüssigem Gold", sieht in dem jungen Singjay einen zweiten "Bob Marley in seiner politischsten Zeit". "Eine ganze Menge Leute dachten, ich wäre ein One-Hit-Wonder. Ich hab' das nie geglaubt."

Weitere Erfolgssingles, darunter "Beautiful Lady", "School Girl" oder die Ballade "Mama", bestätigen Gyptian in seinem Selbstbewusstsein. Sein Debüt-Album "My Name Is Gyptian" erscheint im Herbst 2006, wird allerorten positiv aufgenommen und ausgerechnet vom Playboy als bestes Weltmusik-Album nominiert.

Darin zeigt sich bereits: Neben eindringlichen Appellen an die Vernunft der Jugend und berichten aus der harten Realität stehen für Gyptian große Gefühle an erster Stelle. Entsprechend schlafzimmertauglich geraten viele seiner Tunes.

Der Titel seines Zweitlings, "I Can Feel Your Pain" von 2008, lässt ahnen: Gyptian hat einiges durchgemacht. Das Jahr 2006 beutelte ihn besonders: Erst verliert er seine Zwillingssöhne nach einer Frühgeburt, wenig später stirbt ein enger Freund an einem Herzanfall. Dass dann noch ein Feuer große Teile seines Studios verwüstet, fällt da schon kaum noch ins Gewicht.

Um so erstaunlicher, dass sich Gyptian seine offene, positive Attitüde bewahrt hat: "Weißt du, das Leben ist nicht einfach. Was passiert, passiert. Die Wege des Herrn sind oft unbegreiflich. Es war sein Wille."

Gyptian stürzt sich in seine Musik, in die er Liebe und Schmerz verpackt. Er entwickelt sich zu einem Sänger, der sich in die Gefühlswelt seiner Hörerschaft eindenkt und bewegt sich damit in der Tradition von Kollegen wie Sizzla, Luciano und Beres Hammond.

"Es gab einen Punkt in meinem Leben, ab dem ich Musik lebte, aß, atmete. Mit jedem Atemzug entströmen meinem Mund Worte voller Kraft und Weisheit. Ich habe das Verlangen, meine Brüder und Schwestern zu lehren, in Ewigkeit." Amen.

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