Porträt

laut.de-Biographie

I Wayne

"Es ist nichts Falsches daran, Sonne, Mond und Sterne, den Wind und das wunderbare Gleichgewicht der Schöpfung zu preisen. Leben bedeutet Liebe, und Liebe ist Leben." In Zeiten, in denen Reggae mehr und mehr auf Clubtauglichkeit produziert wird, mutet eine derartige Einstellung nahezu esoterisch an. I Wayne bewahrt sich ungeachtet herrschender Strömungen eine positive Weltsicht, führt das Genre zurück zu seinen Wurzeln und ebnet damit der Roots- und Culture-Tradition den Weg in die Hitlisten.

I Wayne erblickt das Licht der Welt als Cliffroy Taylor 1980 in Portmore in der Nähe der jamaikanischen Hauptstadt Kingston. Sein Umfeld gestaltet sich hochgradig musikalisch: Cliffroy wächst bei seiner Tante auf, deren Mann, Ansell Collins, ein namhafter Keyboarder ist. 1971 landete dieser zusammen mit Dave Barker mit "Double Barrel" einen Hit, der es bis in die britischen Charts schaffte. Früh ermutigt, versucht sich Cliffroy bereits mit sieben Jahren am Mikrofon.

Ein wenig später, Cliffroy besucht inzwischen die Greater Portmore High School, schließt er sich der Formation Vibes Machine an, die sich aus Sängern und DJs zusammensetzt. Gemeinsam treten sie in Clubs und bei Afterwork-Partys in und um Portmore auf. Als eines Abends sämtliche anderen Mitglieder der Crew mordsmäßig verspätet antreten, schaukelt Cliffroy die Show alleine. An diesem Abend keimt die Idee auf, es doch mit einer Solo-Karriere zu versuchen.

Im Verbund mit ortsansässigen Soundsystems, darunter The Legend und Diamond Cruise, entwickelt und perfektioniert Cliffroy, der sich unterdessen den Bühnennamen I Wayne zugelegt hat, seinen unverwechselbaren Gesangstil. Seine Stimme verführt Kritiker zu Vergleichen mit Sängern wie Junior Murvin oder Pinchers.

Produzent Ronald "Sonny Spoon" Wright, der sich zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon längst aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hat, erlebt I Wayne bei einem seiner Auftritte und ist platt: "Mit dem ersten Wort, das er ins Mikrofon sprach - 'lightning' - schien es, als sei ich von ebendiesem Blitz getroffen", erinnert sich Wright gegenüber der New Miami Times. "Ich hatte Gänsehaut, groß wie Warzen. Ich dachte, selbst wenn dieser Kerl keinerlei Lyrics liefert, außer diesem 'lightning' in seiner einzigartigen Stimme, selbst dann könnte ich mit ihm arbeiten. Aber er machte noch drei Stunden weiter, und ich habe so großartige Texte gehört, dass mir dieser Gedanke letzten Endes total peinlich war."

Ronald Wright und Patrick Henry produzieren im Sommer 2004 I Waynes erste Single "Can't Satisfy Her". Hier erweist sich I Wayne als glänzender Storyteller: Er packt den kompletten Teufelskreis von Armut, Prostitution und daraus resultierender neuer Not in einen berührenden Tune, der wie eine Bombe einschlägt. Als erster Roots Reggae-Track überhaupt schafft es "Can't Satisfy Her" in die Playlist des einflussreichen New Yorker Radiosenders WQHT, besser bekannt als Hot 97. Die Nummer schießt in New York und Florida an die Spitze der Reggae-Hitlisten und hält sich 22 Wochen lang in den Billboard-Hip Hop- und R'n'B-Charts.

I Wayne erklärt sich den Erfolg so: "Es liegt an den gehaltvollen Lyrics, an der Melodie, an der ganzen Stimmung. Es ist die Wahrheit, und die Wahrheit ist so stark, dass nichts sie aufhalten kann." Ronald Wright ergänzt: "Ich glaube, es handelt sich um einen Meilenstein, nicht nur für I Wayne und uns, sondern für die ganze musikalische Szene, dass ein Hardcore-Reggae-Song international erfolgreich sein kann, ohne, dass ein Rap- oder R'n'B-Künstler seine Finger im Spiel hat."

Tatsächlich zieht "Can't Satisfy Her" Kreise: Eine neue Welle von Roots- und Culture-Tunes schwappt über die Insel. "Ich ermutige andere, positive Musik zu machen", so I Wayne, der mit seinem zweiten Tune "Living In Love" auf dem sattsam bekannten Hard Times-Riddim nachlegt. Die dritte Single "Lava Ground" liefert den Titel zu seinem ersten Album, das im August 2005 bei VP Records erscheint. Hier hat man das Potenzial des jungen Sängers erkannt und diesen bereits im November 2004 unter Vertrag genommen. Den Riddim zur Single "Lava Ground" steuert übrigens I Waynes Ziehvater Ansell Collins bei.

Internationale Auftritte halten I Wayne nicht davon ab, weiterhin bei der jährlich am 24. Dezember in seiner Heimatstadt Portmore stattfindenden Veranstaltung Garveymaede mit von der Partie zu sein. Nebenbei komponiert er, verfasst Texte und singt diese im Studio aus dem Kopf ein, ohne jemals ein einziges Wort niederzuschreiben.

2007 ist die Zeit reif für den nächsten Longplayer. "Book Of Life" erscheint im November unter Beteiligung junger jamaikanischer Producer-Talente ebenfalls bei VP Records. I Wayne wartet im Vergleich zu seinem Debüt mit noch reichhaltigeren Melodien und noch dichteren Texten auf. Zwar scheut er sich immer noch nicht, auch ernste Themen anzusprechen und genau hinzusehen, wenn das gepriesene Gleichgewicht der Schöpfung einmal aus der Balance gerät.

An seiner positiven Grundeinstellung rüttelt dies jedoch nicht: "Ich schätze das Leben, so wie es ist, und ich preise es. Ich bin gegen jeden, der daran etwas zu ändern versucht. Liebt das Leben wie es ist und versucht, nichts zu zerstören. Wir müssen uns einfach mehr mit dem Leben befassen anstatt mit Zerstörung und Tod."

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