- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Die Kanadierin Leslie Feist ist fünf oder sechs Jahre alt, als sie erstmals in einem Schulchor singt. Bis sie 15 wird, schult das Mädchen aus Calgary ihre Stimme in diesen Chören. Doch nicht nur der Gesang legt schon in der Kindheit einen Grundstein für eine Karriere als Musikerin. Mit 13 bekommt sie vom Vater ein ungewöhnliches Weihnachtsgeschenk: Ein Vier-Spur-Aufnahmegerät.
Sie noch zu jung, um das Gerät in Gang zu bedienen. Doch ihr vier Jahre älterer Bruder hilft. Und so setzt sich Leslie hin und nimmt mit ihrer Stimme Harmonien und Soundskulpturen auf.
Ein weiterer musikalischer Meilenstein kommt in Form von zwei Mädels auf Leslie zu: Auf dem Schulflur fragen sie die 15-Jährige, ob sie nicht im Schulchor singe? Tut sie, noch. Dazu hat sie gerade die Sex Pistols, den Punk und das zugehörige Outfit für sich entdeckt. Das finden die Mädels cool, und so machen sie sie kurzerhand zur Sängerin in ihrer Band. Hinzu kommt ein Drummer, in dessen Keller die Band namens Placebo (nicht mit den Briten zu verwechseln) die nächsten zwei Jahre probt.
Langsam ist es an der Zeit, aus dem Loch zu klettern und die Musik nach außen zu bringen: Placebo gewinnen den Schul-Bandwettbewerb und kurz darauf auch noch den "Battle Of The Bands" ihrer Stadt. Als Preis winkt ein Festival-Slot. So steht die Schülerband plötzlich vor den Ramones auf der Bühne. "Damals wusste ich allerdings noch nicht, wer die Ramones waren. Das waren wirklich Perlen vor die Säue", kommentiert Leslie diesen Gig heute.
Der Erfolg beflügelt, und so gehen die vier 18-Jährigen auf eine abenteuerliche Tour durch Kanada. Um das Benzin für die nächste Fahrtstrecke zahlen zu können, brauchen sie das Geld, das sie für einen Gig bekommen. Da darf niemand ausfallen. Doch Leslie fällt das Singen immer schwerer: Die Band, die sie supporten, spielt Metal, und dementsprechend laut ist die Gitarre auch schon bei der Vorband aufgedreht. Leslie versucht dagegen anzuschreien, verliert dabei aber immer mehr an Stimme, bis es kaum noch weiter geht.
Wieder daheim angekommen kriegt sie keinen Ton mehr raus und beschließt, nach Toronto zu einem 'Arzt für musikalische Verletzungen' zu gehen. Der erteilt ein striktes Singverbot. Leslie entsinnt sich der Gitarre und ihrem Vierspur-Rekorder und schwenkt von Punk auf leise Gitarrenmusik um. Mindestens ein Jahr singt sie nicht mehr. Doch alleine im Kämmerlein zu sitzen, ist auch nichts. So heuert sie als Gitarristin bei einer Rockband an, mit der sie drei Jahre lang auf Tour geht.
Die Zeit in Toronto bringt sie mit Peaches in engen Kontakt. Die beiden kennen sich zwar schon länger, doch nun wohnen sie auch in einer WG. Zu der Zeit spielt Leslie in einer Rock'n'Roll-Band, während Peaches tagsüber Kindern Musikunterricht erteilt und abends an dem Album arbeitet, das ihr später unter dem Titel The Teaches Of Peaches den Durchbruch verschaffen sollte.
Hier beginnt auch Leslies Karriere als Mitstreiterin auf den Alben anderer Leute. Es sollen später Gastauftritte auf den Alben von Gonzales und den Kings Of Convenience folgen. Sie steht mit Peaches in Toronto auf der Bühne und begleitet sie auf Tour nach Europa. Dort geht sie 2000 auch mit Gonzales auf Tour.
Um den langen, kalten kanadischen Winter zu überstehen, gründet sie 2001 mit einigen Freunden die Band Broken Social Scene. Das Ziel ist, einen Monat später eine Show zu spielen. Daraus entsteht dann ein komplettes Album: "You Forgot It In People" wird 2003 veröffentlicht. Eine größere Tour durch die Staaten folgt.
Im Winter 2002/2003 ist Leslie Feist wieder mal mit Gonzales auf Europatournee. Während dieser Zeit beginnen sie, gemeinsam Stücke aufzunehmen. Zunächst kommen Coverversionen in der ruhigen, eigenwilligen Art Feists aufs Band (die von den Bee Gees und Ron Sexsmith sind auf dem Album zu hören). Langsam beginnt sie auch, sich an ihre eigenen Songs heranzutasten: Gonzales hilft Leslie, die Melodien, die sie schon einmal auf einer Demo-CD eingespielt hatte, zuzuspitzen. Aus dieser Zusammenarbeit entsteht das Album "Let It Die", das 2004 in die Läden kommt.
Im selben Jahr ist Feist auch auf einigen Songs der Kings Of Convenience-Platte "Riot On An Empty Street" zu hören, an denen sie mitgeschrieben hat. Außerdem schreibt sie einen Song für das Album von Jane Birkin, ein Duett.
Auf ihrem nächsten Album arbeitet Leslie Feist wieder mit Gonzales, Mocky und Jamie Lidell zusammen. Mit "The Reminder" erobert sie im Frühjahr 2007 nicht nur der Herzen der Feuilletonisten von der Süddeutschen bis taz und FAZ, sondern erstmals auch die Charts.
Gerade die Single "1,2,3,4" beschert Feist viel Aufmerksamkeit. Nicht nur Apple entdeckt den Song und untermalt damit eine farbenfrohe Werbung, auch die Macher der Sesamstraße laden die Sängerin ein. All die Erfahrungen, die sie mit ihrem Erfolgsalbum macht, sammelt sie 2011 auf der DVD "Look At What The Light Did Now". Sie ist gleichzeitig Vorbote für ihr Folgewerk "Metals".
Auch hier ist es eine Single, die Mitte September die Musikwelt ganz wuschig auf Leslies drittes Album macht. "How Come You Never Go There" überzeugt mit souliger Attitude und ausgesprochener Lockerheit. Sogar Beck lässt sich einen Remix des Tracks nicht nehmen.
Die vierjährige Pause zwischen den Alben erklärt die Künstlerin so: "Ich habe im 'National Geographic' einen Artikel über Böden und den modernen Ackerbau gelesen. Es geht dabei ja nur darum, dass Essen wächst auf diesem Boden – also nicht, dass alles auf einmal wächst und dann nie wiederkommt. Der Boden sorgt schon dafür, dass etwas kommt, nur musst du ihm Pausen gönnen, damit neue Nährstoffe in den Boden gelangen können, bis schließlich alles wieder von vorne beginnen kann. Er muss manchmal einfach so daliegen in der Sonne, austrocknen, nass werden, ruhen."
Die Ruhepause tat auch ihr gut, denn "Metals" begeistert wieder Presse und Fans, u.a. listetes die New York Times listet es als Album des Jahres. Leslie Feist baut ihren Ruf als anspruchsvolle Pop-Songwriterin ein weiteres Mal aus.
Leslie Feist über Erfolg, die Entstehung von "Metals" und ihre Berlin-Vergangenheit.
Leslie Feist empfängt zur Teilstrecke ihres Interview-Marathons in einem Luxushotel am Potsdamer Platz in Berlin. Nur 20 Minuten Gesprächszeit, keine Sekunde mehr kann die Plattenfirma mit der Singer-Songwriterin gewähren, zu sehr wird an der Kanadierin gezerrt.
Mit "The Reminder" aus dem Jahr 2007 ist aus dem Independent-Fräuleinwunder, das damals auch noch beim Indierock-Kollektiv Broken Social Scene mitgejammt hatte, eine unverwechselbare wie omnipräsente Figur der Poplandschaft geworden. Peaches und Gonzales, denen sie einst nach Berlin hinterhergezogen ist, hat das studentisch-bürgerliche Postergirl Feist in der Publikumsgunst längst hinter sich gelassen.
Das Video zum beschwingten "1234", in dem Feist im blauen Paillettenkleid durch eine bunte Choreographie getragen wird, hatte seinerzeit den öffentlichkeitswirksamen Werbespot zum iPod untermalt. Ihr mal gänzlich unbeschwerter, mal zutiefst melancholischer Indie-Pop mit der Empfindsamkeit von Folk und der Interpunktion des Jazz passte überhaupt ebenso wunderbar zum Zeitgeist der bunten Abspielgeräte wie zur Musikpädagogik der Sesamstraße, wo Feist mit dem Stück ebenfalls auftrat. Und hat nicht während ihrer Schaffenspause mit ihrem Song "Limit To Your Love" zuletzt schon wieder eine große Popkarriere ihren Anfang genommen, nämlich die des englischen Dubstep-Wunderkindes James Blake?
Beim einem großen Online-Versandhaus wird "Metals" dieser Tage im Bestseller-Ranking nur noch von Udo-Unplugged, der neuesten Kuschelrock-Compilation und den Alben von Rosenstolz und des Bundesvision-Songcontest-Siegers Tim Bendzko übertroffen. Ergo: Feist dürfte die wichtigste weibliche Popstimme dieses Herbstes werden. Dabei fehlt "Metals" auf den ersten Blick eigentlich die federnde Leichtigkeit der Songs von "Let It Die" und "The Reminder". Sie ist zärtlich-sinistren Universalreflexionen gewichen, die in ihrer kompositorischen Beflissenheit und ihrem bisweilen wuchtigen Ausdruck eine deutliche Sprache sprechen: Feist, mittlerweile 35 Jahre alt und im Interview entwaffnend locker, hat keine Probleme mit Erwartungshaltungen und dem Älterwerden.
Leslie, ich muss dir als erstes gleich gratulieren. Zumindest in Berlin bist du mittlerweile so etwas wie ein weiblicher Dave Grohl.
Feist: Was? (lacht) Du meinst wegen meinem Bartwuchs? Oder weil er wie ich in einer lauten Rock-Band war und später eine Solokarriere gestartet hat?
Nicht ganz, es ist noch viel einfacher: Du bist hier ein Rockstar.
Oh mein Gott, das wusste ich nicht.
Die Bohème und die Bürgerlichen, Frauenzeitschriften und das Feuilleton, Studenten und ihre Eltern, Indie-, Rock- und Pop-Fans: Sie alle finden dich und deine Musik gut.
Wow. Und Dave Grohl geht es in Deutschland genau so?
Sicherlich spielt er noch einmal in einer anderen Liga als du. Aber über "Metals" wird mindestens so viel zu lesen und zu hören sein, wie dieser Tage über das Lebenswerk von Dave Grohl.
Ich muss zugeben, dass ich mitbekommen habe, dass Berlin die Station auf meiner Europa-Tour ist, die am schnellsten ausverkauft war. Vielleicht liegt das auch an meiner "deutschen Vergangenheit".
Ist das heutige Berlin für dich noch die gleiche Stadt, in der du vor Jahren zwischenzeitlich gelebt hast?
Es ist schon seltsam, dass ich diese Interviews ausgerechnet in einem Hotel am Potsdamer Platz geben soll. Als ich 2001 nach Berlin kam, wurde hier überall gebaut. Es sah aus, wie die Kulisse zu einem skurrilen Science-Fiction-Film. Hierher bin ich allenfalls gekommen, wenn ich mir in einem der Kinos einen Film mit deutschen Untertiteln ansehen wollte. Ginge es nach mir, hätte ich die Interviews lieber in der Ankerklause gemacht (Szene-Kneipe am Maybachufer in Kreuzberg, Anm. d. Red.).
Aber da erkennen dich doch alle.
Ach, nein. Ich habe erst im letzten Herbst in einem kleinen Appartment in Kreuzberg gewohnt, um mit Mocky und Gonzales an "Metals" zu arbeiten. 40 Euro hat da die Nacht gekostet. Ich habe mir Mockys Fahrrad geliehen und saß fast täglich in der Ankerklause. Ein paar Meter weiter am Planufer habe ich übrigens die meisten Songs für "The Reminder" geschrieben. Mein Deutsch ist seitdem leider nicht besser geworden. Bis heute kann ich eigentlich nur meine damalige Adresse aufsagen (lacht).
Es war wohl eher so etwas wie eine Gartenlaube, ein Backsteinhäuschen, das hinter dem Appartment lag, das ich gemietet habe. Es war ziemlich heruntergekommen, das Dach war auch nicht mehr dicht. Mit etwas Aberglauben hatte dieser tote Ort aber etwas Feierliches. Ich habe noch nie so bewusst für einen Ort entschieden, um an meinen Songs zu arbeiten. Ich habe deshalb auch sehr genau darauf geachtet, welche Dinge ich in den Raum mitnehme.
Welche Dinge waren das?
Nun, der Raum war leer. An einer Wand war ein Fenster, damit zumindest etwas Licht in den Raum kam. Ich habe einen alten, zerkratzten Tisch hineingestellt, die Vorstellung, dass auf ihm früher physische Dinge hergestellt worden sind, war mir wichtig, weil das Songschreiben solch ein wenig greifbarer Prozess ist. Dazu mein Tour-Piano, einen alten Silvertone Verstärker aus den 50er-Jahren und meine Gibson "Les Paul Junior", eine Trommel, eine Melodica und ein Tamburin. Mehr Instrumente sollten auf der Platte auch nicht zu hören sein.
Und natürlich war auch noch deine Stimme mit im Raum. Eine Stimme, für die du geliebt wirst, von der du selbst aber sagst, sie sei noch ausbaufähig. Wie wolltest du sie auf dem Album einsetzen?
Es ist schon komisch, was ein Mikrofon mit einer Stimme anstellen kann, gerade wenn sie so schwachbrüstig ist wie meine. Das tolle an dem Raum war auch, dass er so klein und kahl war, dass ich mich quasi im inneren eines Verstärkers befunden habe. Daher habe ich auch kein Mikrofon als Medium gebraucht. Es mag kein großer Unterschied sein, aber ich habe das Gefühl, dass mit einem Mikrofon der ursprünglichen Klang der Stimme verfremdet wird. Für mich war es eine neue Erfahrung, genau das hören zu können, was ich beim Singen fühle.
Hast du auch versucht, diese Unmittelbarkeit zu bannen, als du "Metals" im kalifornischen Big Sur mit Produzent Valgeir Sigurðsson, Gonzales und Mocky aufgenommen hast?
Man muss dazu sagen, dass wir das Album eigentlich bereits fertig arrangiert haben, bevor wir nach Big Sur gekommen sind. Wir haben dort nur noch minimal an den Songs herumgeschraubt, und nach Cliffhangern zwischen den Songs gesucht. Wir haben uns dabei viele Gedanken darüber gemacht, ob die Songs am Ende ein Ausrufezeichen oder eher ein offenes Ende haben sollten.
Ich hatte das Gefühl, dass ich die Songs mit all ihren rhetorischen Fragen nicht abschnüren sollte. In Big Sur haben wir uns ganz auf unser Vertrauensverhältnis und unsere Instinkte verlassen. Die Songs wurden so zu einer Art Karte: Mit jeder Aufnahme sind wir in vier Minuten auf einem anderen Weg an unser eigentliches Ziel gekommen.
Die alten Melodien und Geschichten, die Smithsonian Folkways (amerikanisches Label, das historische, nichtkommerzielle Musikmitschnitte archiviert und wiederveröffentlicht, Anm. d. Red.) sammelt, faszinieren mich seit langem. Früher waren Musiker und Sänger nicht ein und diesselbe Person, beide griffen auf mündlich überlieferte Geschichten zurück. Dagegen ist die individualistische Figur des Singer-Songwriters eine recht neue Erscheinung der Musikgeschichte.
Auch die "Sacred Harp"-Gesänge der Shape-Note-Bewegung aus den amerikanischen Südstaaten im 19. Jahrhundert finde ich sehr spannend. Diese traditionellen Gesänge der Pilgerer über Himmel und Hölle haben etwas unheimlich dunkles, ekstatisches. In den Gesängen ging es eigentlich immer um die Apokalypse und die Wiedergeburt des Herrn (lacht). Man kann sich online Videos ansehen, wo Chöre diese alten Gesänge singen. Diese Harmonien sind in mein Blut übergegangen.
Wie müssen wir uns den Beitrag von Gonzales und Mocky zu "Metals" vorstellen? Beide begleiten dich ja bereits seit Beginn deiner Solokarriere.
Wir drei sind so etwas wie ein Triumvirat. "Caught A Long Wind" haben wir zusammen geschrieben, während wir mit den Arrangements der Songs beschäftigt waren. Das Schöne ist: Wenn ich ihnen eines meiner skelettalen Demos vorspiele, können sie mir sofort sagen, in welche Richtung der Song gehen könnte. Ihr unerschöpfliches Genie bereichert meine Musik ungemein, sie schaffen es immer, mich zu überraschen. Ihr Beitrag ist dabei nicht nur musikalischer und technischer, sondern auch emotionaler Natur.
Oh, die Zeit ist schon vorbei. Eine letzte Frage: Magst du eigentlich dein "Limit To Your Love" in der Version von James Blake?
Ja, seine Version ist fantastisch.
Würdest du lieber einen Song mit Blake aufnehmen – oder mit Dave Grohl?
Ich würde mich für James Blake entscheiden. Er hat mit seiner Musik einen ganz eigenen Kosmos erschaffen. Seine Version von "Limit To Your Love" ist keine Kopie, sondern im Grunde ein neuer Standard wie "Fly Me To The Moon" von Frank Sinatra. Auch "Secret Heart" habe ich vor Jahren jede Nacht gesungen, als hätte ich es selbst geschrieben (Das Original stammt von Ron Sexsmith, Anm. d. Red.). James Blake hat "Limit To Your Love" zu seinem Song gemacht, er gehört jetzt ihm.
Mit Feist erscheint ein Soloalbum einer Frau, die bisher vor allem durch ihre Arbeit mit anderen Künstlern bekannt wurde. Für die Musik das Leben und Leben Musik zu bedeuten scheint. Auch sie kommt aus Kanada. Das erinnert sehr stark an Melissa auf der Maur. Nur die Musik, die geht in eine komplett andere Richtung.
In einer versteckten, kleinen Bar am Ostrand der Spree treffe ich Leslie Feist zum Interview. Das Ambiente passt perfekt zu ihr und den Geschichten, die sie erzählt: zusammengestückelte Sofagarnituren teilen sich den Platz mit antiken Schaukelpferden, und die untergehende Sonne wirft einen rötlichen Goldschimmer auf die Spree. Nach solcher in Melancholie getauchter Romantik haben sich auch ihre Stücke am Vorabend angehört. In der Passionskirche eröffnete sie die Berliner Show der Kings Of Convenience mit den von ihrer beeindruckenden Stimme dominierten Songs.
Hat dir das Konzert gestern Spaß gemacht?
Feist: Nein ...
Warum das?
Ich möchte mich nicht beschweren. Das war eine wirklich schöne Location. Die Leute waren in der Kirche nur ein bisschen eingeschüchtert. Wenn die Leute in der Bar ruhig sind, dann hast du was erreicht, du denkst, dass alles super läuft, weil du die Leute in der Bar eben dazu gebracht hast, dass sie ruhig sind. Aber in dieser Kirche war so eine unterschwellige Nervosität der Leute zu spüren. Es war so, als ob sich die Leute nicht mehr trauen würden zu reden, zu atmen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich vorher noch nie wirklich in Deutschland gespielt habe. Und in Frankreich kommt ziemlich viel vom Publikum, während du spielst. Ich hatte auch den ganzen Tag Interviews. Das war ein bisschen hart.
Trotzdem war dein Gesang wirklich super!
Danke! Das ist gut zu hören, denn ich habe mich gar nicht so gut gefühlt.
Ich fand eigentlich, dass die Leute dir als Support-Act außergewöhnlich viel Aufmerksamkeit gegeben haben. Das ist beim Berliner Publikum nicht oft der Fall, dass sie der Vorband wirklich zuhören.
Das macht die Sache schon besser.
Wann hast du ernsthaft angefangen zu singen? Wann hast du gemerkt: Ich habe eine Stimme, mit der ich Sängerin werden kann?
Ich habe mit fünf oder sechs angefangen, in Schulchören zu singen. Bis ich fünfzehn war habe ich dort gesungen. Aber da hatte ich schon die Sex Pistols und andere Punk-Bands für mich entdeckt. Ich begann immer mehr solche Musik zu hören und sah ein bisschen punkiger aus als der Durchschnitt meiner Mitschüler. Also kamen eines Tages diese beiden Mädchen auf dem Gang auf mich zu und fragten: Du bist doch im Chor, oder? Und ich sagte 'Ja'. Sie fanden, dass ich ziemlich cool aussähe und fragten mich, ob ich in ihrer Band singen möchte. Ich sagte 'Ja, klar'. Ich hatte da schon ein paar Jahre mit einer Vierspur-Maschine rumgespielt. Die hat mir mein Vater gegeben, als ich ca. dreizehn war. Ich habe da immer reingesungen und mit meiner eigenen Stimme Harmonien gebastelt. Ich habe mit dem Sound gespielt. Dann dachte ich: Ich kann jetzt in ner Band sein. Ich werd's versuchen. Da habe ich aufgehört, in Chören zu singen und habe stattdessen in Bands weiter gemacht.
War das die Zeit, zu der du auch für die Ramones als Vorgruppe gespielt hast?
Ja, diese Mädchen, ein Typ und ich haben eine Band gegründet, die Placebo hieß. Wir haben zwei Jahre im Keller des Drummers gespielt. Und dann gab es an unserer Highschool einen Contest, so eine Talent-Show. Wir haben da gespielt und gewonnen. So kamen wir in die Talent-Show der Stadt. Diesen "Battle Of The Bands" haben wir auch gewonnen. Und der Preis für den Sieger war, auf einem Sommer-Festival zu spielen. Den Slot, den wir hatten, war eben genau vor den Ramones. Damals wusste ich allerdings noch nicht, wer die Ramones waren. Das waren wirklich Perlen vor die Säue.
Hast du sie denn da getroffen?
Nein, sie wurden ein- und wieder ausgeflogen. Ich habe vor einem Monat auch für The Cure eröffnet. Die wurden mit dem Speedboat auf die Insel gefahren, auf der der Gig statt fand, und während das Publikum noch klatschte, wurden sie schon wieder mit dem Speedboat weg gefahren.
Oh mein Gott ...
Naja, sicher weiß ich nur, dass Robert Smith das gemacht hat.
Haben deine Eltern eigentlich auch was mit Musik zu tun? Es ist ja nicht so gewöhnlich, dass man mit dreizehn von seinem Vater ein Vierspurgerät bekommt!
Nein, mein Vater ist Maler, er hat angefangen, seine Bilder gegen anderes Zeug einzutauschen. Er hat so Zahnarztbesuche und die Wohnzimmereinrichtung bekommen. Manchmal hat er auch Musikinstrumente eingetauscht. Ein Jahr an Weihnachten bekamen mein Bruder und ich jeder eine Box. Darin war ein farbiges Bändchen. Wir sollten nun das Geschenk finden, das mit dem Bändchen in derselben Farbe eingepackt war. Ich fand also das Vierspurgerät und mein Bruder eine Gitarre. Damit hat das alles begonnen.
Hast du dir dann selbst beigebracht, wie das Gerät funktioniert?
Nein, mein Bruder, der vier Jahre älter ist als ich, hat herausbekommen, wie es funktioniert. Er hat gelernt, wie man es benutzt und es mir dann erklärt.
Hast du da schon Gitarre gespielt?
Vielleicht kannte ich schon ein paar Akkorde, aber ich konnte nicht wirklich spielen. Ich habe mir mit 16 einen Bass gekauft. Ich hatte damals so kirschrote Doc Martins, die ziemlich hoch geschnürt waren. Als ich in einem Laden war, in dem ein Bass hing, kam der Verkäufer zu mir, zeigte auf meine Schuhe und fragte mich, wie viel ich dafür haben wolle. Ich hatte nie daran gedacht, meine Schuhe zu verkaufen. Ich sagte: 'Ich tausche sie gegen den Bass'. Und er hat das gemacht! Er hat den Bass gegen meine Schuhe getauscht. Das war ein Fender. Ich habe erst viel später herausgefunden, wie wertvoll dieser Bass ist. Der kostet eigentlich um die 400 Dollar ... Aber das war in Calgary, Alberta. Mitten in der Prärie. Und ich hatte die Schuhe in Toronto gekauft. Ich denke, keiner hatte die in Calgary. Der Typ hat sich damit wahrscheinlich ein riesen Geschäft vorgestellt. Aber ich hatte den Bass, und das war cool. Ich habe nicht wirklich Bass spielen gelernt. Ich habe mehr so Sound-Strukturen aufgenommen.
In den Bands hast du also nur gesungen, kein Instrument gespielt?
Nein, ich bin nach Toronto gezogen, nachdem ich mit der besagten Punkband auf Tour war. Auf dieser hatte ich meine Stimme verloren.
Wie kann denn so was passieren?
Mein Gitarrist war viel zu laut und ich konnte mich selbst nicht mehr hören. Also habe ich sehr laut gesungen. Es war meine erste Tour, ich war da vielleicht 18. Wir haben einen Van gekauft und sind durch ganz Kanada getourt. Jeder Gig, den wir gespielt haben, zahlte uns das Benzin, um zum nächsten zu kommen. Wir haben als Vorgruppe für eine Metalband gespielt. Die waren alle älter als wir. Und wir waren eine Mädchen-Band, bis auf einen Typen. Und die waren all Männer. Wir haben die ganze Zeit Party gemacht, wie Teenager das eben tun. Rock'n'Roll live usw.. Dazu habe ich dann jeden Abend zu laut gesungen, und irgendwann war dann meine Stimme weg. Aber wir mussten weiter jeden Abend die Gigs spielen, damit wir wieder nach Hause kamen. Wir hatten ja kein Geld für Benzin, wenn wir keine Shows spielten. Es wurde also alles immer schlimmer, ich wurde immer kränker. Und als wir wieder zuhause waren, konnte ich nicht mal mehr sprechen, um mein Ticket nach Toronto zu buchen, um diesen "Arzt für musikalische Verletzungen" aufzusuchen. Ich ging zurück nach Toronto und sang mindestens ein Jahr lang nicht mehr. Aber ich habe mir eine Gitarre gekauft. Weil meine Stimme so schwach war, habe ich da angefangen, diese leise Musik zu machen. Ich habe Bands aus Chicago, wie Tortoise, für mich entdeckt. Melodische, ruhige Musik. Da habe ich einige Songs geschrieben, die dann auf mein erstes Album kamen, das ich 1999 rausgebracht habe. Außerdem bin ich als Gitarristin in eine Rockband gegangen, war drei Jahre mit denen auf Tour.
Also hast du dich nicht bewusst dazu entschlossen, solo zu spielen, es ist eher so passiert?
Es war ein glücklicher Zufall. Ich war eigentlich glücklich in der Band. Aber ich war gezwungen, von der Band weg zu gehen. Ich war ja sozusagen stumm, diese Umstände führten einfach zu dieser ruhigeren Musik. Ich nenne das jetzt meine Zuflucht zur Melodie. Ich weiß nicht, ob ich sonst je frei genug gewesen wäre, mich in diese ruhigere Richtung zu bewegen. Als Punk-Teenie fühlst du dich bescheuert, wenn du introvertiert bist.
Auf deinem Album kombinierst du so viele verschiedene Stile, welche Einflüsse hattest du?
Ich war nie ein Style-Purist. Ich habe nie alles über einen bestimmten Stil gewusst. Ich würde mir viel alberner vorkommen, wenn ich versuchen würde, ein ganz pures Album einer Stilrichtung machen würde. So ist Musik für mich nicht. Eine Melodie ist wie ein nackter Mensch. Es kommt nur darauf an, in was für Anziehsachen du ihn kleidest. Für jeden Song suchten Gonzales und ich also die Instrumente aus, die die Melodie am besten kleiden.
Auf deinem Album hast du Ron Sexsmith und die Bee Gees gecovert. Wie passen die denn zusammen auf ein Album?
Vielleicht passt es nicht, ich weiß nicht. Wir haben die Platte Song für Song aufgenommen. Wir waren uns nicht mal im Klaren darüber, ob wir nun wirklich eine Platte machen würden. Erst, als wir fast alle Songs aufgenommen hatten realisierten wir, dass das, was wir da machten eine Platte werden könnte. Unser Experiment begann mit dem Einspielen von Cover-Versionen. Wir haben mit Stevie Wonder und den Pretenders angefangen. Und zwischen den Coverversionen und meinen Originalen stand Ron Sexsmith. Denn ich liebe diesen Song. Es war ein Schritt in die Richtung, etwas zu machen, was mir viel bedeutete, aber noch keinen von meinen Songs. Die BeeGees-Version aufzunehmen, war die Idee von Gonzales. Da musst du ihn fragen, was ihn da geritten hat. Ich war einfach nur bereit, das einzusingen.
Wie war das überhaupt, das Album mit Gonzales zu machen. Der kommt ja eigentlich aus einer ganz anderen Richtung! Wie groß war sein Einfluss?
Es war eine Zusammenarbeit, wo jeder die Hälfte beigetragen hat und am Schluss mein Name drauf stand. Aber für mich fühlt es sich an wie unser Album. Ich hätte genau dieses nie selber machen können. Er genau so wenig. Es ging immer um uns beide, darum, wie gut und lange wir uns kennen. Als Freunde, auf der Bühne mit Peaches, ich im Publikum seiner Gigs in Kanada. Da hatte er eine Band mit Mocky und Taylor Savvy, sie spielten jede Woche einen Gig in einer Bar als instrumentelles Jazz-Trio. Das ist eine meiner Lieblingsbands. Wir kennen uns so gut. Und irgendwann fängst du an, in so einem vertrauten Menschen Dinge zu sehen, die er an sich selbst noch nicht entdeckt hat. Was ich in ihm gesehen habe, was, dass das i-Tüpfelchen seiner Gigs immer der Teil war, an dem er sich hingesetzt und Klavier gespielt hat. Das schockte die Leute in seiner extravaganten Show am meisten. Ich wusste einfach, dass er diese zwei Seiten hat. Und ich wollte diesen einen Teil von ihm. Ich wollte den aus ihm rausholen. Und er hatte diese Demo-CD von mir. Er hörte diese einfachen Melodien, die ich da so low-fi eingespielt hatte. Er wollte diese Melodien ein bisschen klarer machen. Das wollte er aus mir herausbekommen: Dass ich diese Melodien etwas vereinfache. Wir gingen also mit dem Wissen ins Studio, dass wir die Stärken des anderen gut kannten. So arbeiteten wir erst mal an den Cover-Versionen und verteilten die Rollen. Es war eine neue Herangehensweise. Ich vertraute ihm. Ich wusste, das er dass Projekt nicht in irgendeine komische Richtung hin verändern wollte. Viele der Entscheidungen waren seine. Aber ich veröffentliche die Platte jetzt, spiele sie live.
Du wirst ja auch immer viel mit Peaches in Verbindung gebracht. Stimmt es, dass du sie kennen gelernt hast, weil ihr in einer WG wohntet?
Ich habe sie schon Jahre vorher getroffen, aber da waren wir nur so befreundet. Erst später sind wir zusammen gezogen.
Eure Musik könnte ja nicht verschiedener sein. Menschlich scheint das aber ganz gut zwischen euch zu klappen ...
Das ist das Ding zwischen Leuten wie Peaches, Mocky, Taylor Savvy, Gonzales ... Es ist eine große Gruppe von Freunden. Mocky und Taylor haben einen Abschluss als Jazz-Bassist; Gonzales hat einen Abschluss in Jazzklavier-Komposition. Als ich Peaches das erste Mal getroffen habe spielte sie in einer 80er geprägten Rock'n'Roll-Band. Aber das war in den frühen Neunzigern. Davor hatte sie ein Duo, das Mermaid Café. Das waren zwei Mädels, die zu akustischen Gitarren sangen. Sie waren eine kleine Kult-Band. Wir haben alle so verschiedene Arten von Musik ausprobiert. Jeder hat sich immer weiter in seine eigene Geschichte verstrickt, wurde dabei aber immer klarer darüber, was er wirklich machen wollte. Als ich mit Peaches zusammen gelebt habe, war ich in einer Rock'n'Roll-Band, während sie kleinen Kindern Musik beigebracht hat und nachts am Peaches-Album arbeitete. Leute fragen mich immer, ob es crazy war, mit Peaches zusammen zu leben. Aber nein, nicht jeder ist immer, was er auf der Bühne vorgibt zu sein. Jeder hat doch verschiedene Gesichter. Als wir zusammen lebten, arbeitete sie eben gerade an der "Teaches Of Peaches"-Platte. Deshalb war ich in den ersten Shows. Da probierte sie noch rum. Mocky, Taylor Savvy, Gonzales, ich und andere waren alle immer im Haus, jackassing around in the livingroom. Also sahen auch die ersten Peaches-Show so aus: Wir haben genau dasselbe auch auf der Bühne gemacht. Ihre Show hat sich dann immer weiter entwickelt. Die ist jetzt hieb- und stichfest. Da kannst du nichts mehr dran rütteln. Die ist jetzt genau so klar wie ihre Songs und ihre Persönlichkeit schon immer waren. Das passt jetzt alles zusammen. Natürlich ist unsere Musik anders. Wir sind andere Menschen, befinden uns an verschiedenen Punkten. Aber ich habe diese ganzen Leute schon in verschiedenen Rollen gesehen. Aber das ist normal. Hätte vor zwei Jahren jemand gedacht, dass Gonzales mal ein Producer sein wird? Von Jane Birkin? Dass er ein akustisches Piano-Album einspielen wird? Da kann man denken: Das überrascht mich jetzt total. Oder du kannst denken: Das ist doch das Normalste der Welt, dass man sich verändert. Eine neugierige musikalische Persönlichkeit wird immer nach einem neuen Weg suchen, sein Ding zu machen.
Singst du auf Jane Birkins Album, weil Gonzales es produziert?
Ja, deshalb sind sie auf mich zu gekommen. Das ist ein Album, auf dem sie Duette singt. Das sind alles Songs von anderen Leuten, die sie singt. Also fragten sie mich, ob ich einen Song schreiben könnte. Ich schrieb ihn, und mit Hilfe von Gonzales fand er seinen letzten Schliff.
Und wie bist du auf die Kings Of Convenience getroffen? Auf deren Album singst du ja auch!
Ich weiß gar nicht mehr so genau, was das war ... so ein Dj-Noise-Festival. Ich erinnere mich nur, dass Gonzales und ich da um vier Uhr morgens ein Live-Set spielen sollten, und Erlend hatte um Fünf oder Sechs ein DJ-Set. Der Backstage-Raum war auf der Bühne, nur durch ein Stück Stoff abgetrennt. Auf diesen Stoff wurden von der Bühnenseite auch noch Filme und Visuals projeziert. Also sah man in seinem Dressing Room die ganze Zeit Kriegsszenen, Flugzeuge, die ins World Trade Center flogen und andere Bilder der Zerstörung. Und die Musik war hart. Wir saßen also im Backstage, fertig von dieser Umgebung. Da kam Erlend rein, er kannte Gonzales, und ich wurde vorgestellt. Wir schrieen uns über den Sound hinweg an. Ich fragte ihn, was er mache. Und er sagte, dass er da auflegt, aber normalerweise so eine eher leise Akustik-Band habe. Und ich erzählte ihm, dass ich so leise Gitarrenmusik mache. Ich hatte glücklicher Weise ein Paar Demos von mir dabei und gab ihm eins. Und er schrieb mir den Namen seiner Band "Kings Of Convenience" auf. Aber ich vergaß die Sache irgendwie wieder. Bis ich nach vier Monaten E-Mails aus Deutschland, Amerika und Asien bekam. Alle von Leuten, die eine Kopie meines Demos gehört haben. Ich verfolgte diese Kette zurück und fand heraus, dass ein Typ namens Eric dafür verantwortlich war. Dieser Eric, der bei den Kings Of Convenience spielte. Und ich erinnerte mich wieder an mein Treffen mit Erlend. Eric hatte es also von ihm und mochte es. Also kaufte ich mir das Kings-Album. Dann ich dachte: Wenn er auf meine Demos so reagiert, muss das, was er macht ja eigentlich auch sehr schön sein. Ich dachte, dann muss das doch irgendwie mit meiner Musik zusammen passen. Nachdem ich seine Musik gehört hatte, fühlte ich mich bereit, Eric zu schreiben. Wir blieben so in Kontakt. Der Gitarrist von Erlends Soloband schrieb mir irgendwann eine E-Mail, und sagte: 'Wenn du das nächste Mal in Berlin bist organisiere ich dir eine Show.' Und er tat es, im White Trash. Ich spielte einen Akustik-Gig. Erlend und Eric waren auch da und spielten auch ein Paar Songs. Am Ende der Show sagten wir uns: Hey, wir sollten mal zusammen arbeiten! Ein Jahr später kam eine Mail, und sie fragten mich, ob ich zu ihnen nach Norwegen kommen möchte, um mit ihnen an einigen Songs zu schreiben. Und das tat ich. Die Songs sind jetzt auf ihrem Album. Gestern, als ich am Schluss des Konzerts mit ihnen spielte, war es, als ob sich ein Kreis schließt.
Ich finde deine Videos sehr stylish, besonders das zu "Mushaboom".
Oh, ich habe bei beiden selber Regie geführt.
Siehst du dich vielleicht eher als Gesamtkonzept, und nicht einfach nur als Sängerin?
Ich denke, wenn du so einen großen Teil von dir selbst in die Platte legst, dann ist es lächerlich, die jemand anders zu übergeben und zu sagen: mach das mal fertig. Du willst das selber verpacken. Außerdem komme ich von dieser "Do it yourself"-Schiene, diesem Indie-Zeug. Und ich glaube, ich bin die erste Nicht-Französin, die Polydor in Frankreich gesignt hat. Sie sind dort dran gewohnt, mit Leuten zu arbeiten, denen die visuellen Aspekte nicht so wichtig sind. Die Künstler, die ich da kennen gelernt habe, denken, dass sie nur für die Musik zuständig sind. Um den Rest kümmert sich dann das Label. Für mich ist das aber alles eins. Also war Polydor ein bisschen überrascht, dass ich das alles selber machen wollte. Aber sie waren sehr offen. Für mich gehört das alles zusammen. Man könnte das mit Kaffe vergleichen: Da hast du einmal den Espresso. Ein kleiner Schuss tiefschwarze Flüssigkeit. Oder du machst dir einen schönen Café-Latte. Mit schönem Schaum drauf und einem bisschen Zimt. Du präsentierst also denselben Schuss Kaffee einfach anders. So ähnlich kann man das auch bei meiner Musik sehen: Ich möchte nicht, dass meine Songs über das Artwork falsch rüber kommen.
Das Interview führte Vicky Butscher
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
|
1234 IrishPhil |
5 |
11.10.07, 19:18 Bodennebel |
Format
Homepage: