Porträt

laut.de-Biographie

Durstlöscher

"Neu" und "deutsch" sind die Kampfbegriffe, mit denen hiesige Rapzirkel spätestens seit Fler Mitte der Nullerjahre Land erobern möchten. Mindestens alt ist die Idee, aus dem Hip Hop-Kontext auszubrechen und sich auf partytaugliche Dance Music zu spezialisieren.

Was Deichkind hierzulande dereinst ausformulierten und mittlerweile selbst vor einem vermeintlichen Ghetto-Spross wie Massiv nicht ganz halt macht ("Mas Techno"), adaptieren 2012 schließlich auch die so genannten Durstlöscher: Hedonismus, Four-to-the-floor, gewagte Kostüme und überhaupt jede Menge Farbe.

Hinter dem selbsternannten "Neuen Deutschen Elektro" stehen Melanie Wilhelm und Alexandra Prince. Wilhelm ist seit vielen Jahren als Hip Hop-Produzentin Melbeatz (u.a. Kool Savas, Features mit Ol' Dirty Bastard und Kanye West) bekannt. Als eine der ganz wenigen Frauen im Business hat sich Melbeatz behauptet, diverse Awards vom Juice Magazin und hiphop.de abgestaubt und den inoffiziellen Titel "Queen of Beats" erhalten.

Alexandra Prince wiederum verdient sich ihre Sporen zunächst in den Neunzigern als Sängerin von Nana ("Lonely"), bevor sie 2005 mit dem Housetrack "So Many Times", auf dem sie von Gadjo gefeatured wird, Platz eins der weltweiten Dancecharts erobert. Dem Hamburger Projekt Durstlöscher leiht sie ihre Stimme, obgleich sich die Vocals pro Track genrebedingt meist auf wenige Zeilen begrenzen.

Zusammen machen Prince und Melbeatz, die ihre elektronischeren Produktionen aus Scham früher in der Schublade versteckt hielt, überkandidelten Eurodance-Trashpop für die Großraumdisco, der hier in die NDW reinlugt, dort etwas Technowumms absägt. In sinnig betitelten Stücken wie "Druck Im Club" und "Tanz Bis Zum Ende" frönen die beiden junggebliebenen "Feierbiester" (Titel des Debütalbums) simplen Beats und drückenden Bässen. "Bunt, laut, schrill und extrovertiert" finden sich die beiden selbst.

Der Erfolg gibt ihnen Recht: 2012 klettern Alex und Mel die iTunes Dance Charts bis in die TopTen ab. Durch pastell- und neonfarbene Videos voller Eurotrash-Insignien erobern neues Publikum, während Melbeatz sinniert: "Unser Sound ist ein bisschen Kraftwerk-mäßig, sehr reduziert und minimalistisch."

Sie sei abgeturnt gewesen von der immergleichen Hip Hop-Produktionsweise, habe deshalb irgendwann einfach mal auf 120 BPM hochgeschraubt "mit komischen technoiden Melodien". Dann stieß Prince dazu, "die macht schon lange Singsang-Musik", und der Rest ist Landeroberungsgeschichte: "Queen of Beats" trifft "Queen of House" = "Neuer Deutscher Elektro". So isses eben.

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