Porträt

laut.de-Biographie

Deph Joe

Bei der Frage nach dem Wieso und Weshalb wollte man sich nie lange aufhalten. Resigniert hat man hinsichtlich der Realität - Rap aus Österreich will man in Deutschland nicht hören - nie. Obwohl vom großen bundesdeutschen Bruder mit Ignoranz bestraft, hat sich in der Austro-Hauptstadt Wien eine Rap-Szene entwickelt, die sich in Größe und Erfolg zwar nicht mit anderen Metropolen messen kann, aber dennoch von der eigenen Berechtigung, völlig zurecht, überzeugt ist.

Deph Joe bildet eine Säule dieser Wiener Rap-Szene. Seit Mitte der Neunziger steht der 1977 als Joseph Boyewa geborene Sohn nigerianischer Einwanderer als Aushängeschild für Hip Hop Made in Austria. Gemeinsam mit den Waxolutionists und Manuva hat sich Joe als treibende Kraft der Wiener Szene etabliert und bewiesen, dass die Alpenrepublik wenn es um qualitativen Rap geht, auf den Nachbarn nicht angewiesen ist.

Leicht ist der Weg dorthin nicht, kurz schon gar nicht. Trotzdem ist sich Deph Joe schon früh darüber im Klaren, dass Musik die Hauptaufgabe im Leben sein soll. Bereits begeistert von Rap stößt Joseph auf Advanced Chemistrys "Fremd Im Eigenen Land" und erkennt, dass es auch auf Deutsch funktioniert. Eine Initialzündung.

Mit der Volljährigkeit tritt der Hobby-Musiker in die Öffentlichkeit und schließt sich 1997 mit Funk MC zum Duo Die Symbiose zusammen. Schon dann gibt der Rapper, der sich noch Skaraab nennt, den Verkopften. Die Lyrics sind durchdacht, fast nebulös, der Sound musikalisch und zurückhaltend.

1999 veröffentlicht das Wiener Produzententeam Waxolutionists ihr Album "Smart Blip Experience", auf dem Skaraab seinen Einstand auf Vinyl feiert. Mit Feiern hat das jedoch eher wenig zu tun. Der Rapper präsentiert sich als intellektueller, fast dichterischer Erzähler, was während des aktuellen Deutschrap-Hypes weder jemand so richtig hören will, geschweigedenn versteht.

Über die Grenzen Wiens wird es also nichts mit dem Ruhm, obwohl man in der Donaumetropole selbst wichtiger Teil einer florierenden Künstlerszene ist. Dort hat man zumindest die Möglichkeit, sich als Live-Act im Rahmen des Supercity Soundsystems einen Namen zu machen. Dem Live-Aspekt wird somit immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt, die Arbeit im Kollektiv aus ansässigen Künstlern steht über jeglichen Solo-Ambitionen.

Auf Waxolutionists zweitem Werk "Plastic People" erscheint mit Joes Unterstützung der Track "Supercity", der für einen Teil der Wiener Rap-Szene fast sinnstiftend wirkt. Er beschreibt die Geburt der Supercity-Crew, eines künstlerischen Kollektives von Freunden, die musikalisch und anderweitig kreativ motiviert sind. Trotz dieser lokalen Verwurzelung begibt sich Joe außerhalb von Wien auf Label-Suche, wird dabei halbwegs fündig, aber nicht glücklich.

2002 erscheint zwar die 12" "Bohemian Rapzodeez" und vier Jahre später die EP "Nenn Mich Deph" (beide auf unterschiedlichen Labels), doch sowohl Erfolg als auch Freude über eine gefundene Label-Heimat bleiben aus. Für den Rapper und Sänger, der sich nebenher als Journalist, Werber und Lagerarbeiter durchschlägt, bedeutet das nichts weniger als eine Enttäuschung.

Deph Joe landet erneut im Schoß der Supercity-Meute. Dort kennt man aus eigener Erfahrung die Probleme bei der Label-Suche und entscheidet sich gemeinsam dazu, einfach selbst ein Label zu gründen. Gesagt, getan. Supercity wird, neben vielem anderen, zu einem Label. Deph Joe soll dort alsbald sein Solo-Debüt veröffentlichen. Zudem schließt er sich mit den Produzenten Brenk und Fid Mella als Quasi-Trio Soul Cats zusammen und arbeitet gemeinsam an dem vorläufig als "Mic Souloist" betitelten Werk.

Probleme gibt es als Indie-Künstler jedoch immer und deswegen braucht auch das Debüt seine Zeit. Pläne werden verworfen, Ideen geknickt, Titel verändert. Im Oktober 2008 steht "Hey Playa" aber schließlich in den Regalen. Deph Joe ist 31 Jahre alt, weit davon entfernt als Newcomer zu punkten.

Dennoch tritt er ausgerüstet mit einer Platte an, die mit beeindruckender Qualität dem Philly- und Detroit-Sound frönt, ohne dabei eine spezielle Wiener Note vermissen zu lassen. Zu den naheliegenden Vorbildern zählen Clueso oder Max Herre. Synthie-lastig, aber dennoch soulig weich rappt und singt sich Deph Joe über die Sample-Produktionen und stellt sich in eine Sound-Tradition von Slum Village.

Alben

  • Deph Joe bei MySpace

    Videos, Kurz-Bio und Freunde.

    http://www.myspace.com/dephjoe
  • Supercity

    Die informative Heimat des Wiener Kollektivs.

    http://www.supercity.at/

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