Porträt

laut.de-Biographie

Da Fource

"Die Härte, die Liebe, die Strasse ... alles ist hier irgendwie anders als in anderen Städten", umschreibt Charnell vom Hip Hop-Duo Da Fource sein Berlin.

Dieses Berlin entwickelt sich langsam aber sicher zum Rap-Schmelztiegel Deutschlands. Zwar gibt es in jeder Großstadt, ja sogar in fast jeder Kleinstadt, Gruppen und Künstler, doch die Berliner Vielfalt an Styles ist bundesweit absolute Spitze. Vergleiche zum Hip Hop-Mekka New York sind nicht von der Hand zu weisen. So treiben u.a. die GBZ'ler Spezializtz, der unfassbare Taktloss, King of Rap Kool Savas, die gesamte MOR-Clique, der Aufsteiger des Jahres Bektas, die Anarcho-Rapper vom Department, DeJaVue, KC Da Rookee, Harleckinz, die Analphabeten aus Ostberlin und eben die Streetpoets von Da Fource ihr Unwesen in Berlin.

Letztere gehen mit Gangsta-Styles an den Start, die aber eher lyrisch als posend zu verstehen sind. Ein Rapper ist trotz Hardcore-Texten selten ein richtiger Gangster. Er bewegt sich vielleicht im selben Milieu, ist dort aufgewachsen und hat unter den ganz harten Jungs auch ein paar alte Kumpel. Aber er hält der Ghetto-Romantik nur einen Spiegel vor bzw. erzählt Geschichten von dem Leben auf der Straße. Denn wie sagte Ice-T auf seinem 93er Album "Home Invasion" zum Thema Gangsta-Rap so treffend: "The real gangstas wanna see me end."

Die Afrodeutschen Timo Lourenzo da Silva und Charnell Taylor wachsen vaterlos im Sozialbau-Ghetto Moabit in Berlin auf. Gewalt, Banden und Drogenkonsum prägen ihre Kindheit. "Ein Leben, das nun mal nicht immer unbedingt reibungslos verlief, was wir aber auch nicht romantisieren wollen. Dort, wo wir aufgewachsen sind, bist du konfrontiert mit den größten Idioten. Da tragen die Kleinsten die größten Messer mit sich rum. Da schaut man auf zu den "Kriminellen", die mit Goldketten in den Spielhallen abhängen. Das hat auch uns geprägt", so Charnell.

Die zwei Rapper sind schon seit der zweiten Klasse die dicksten Freunde. Gemeinsam ist man stark genug, um in diesem Umfeld zu überleben. So gründet Charnell 1996 die Rapcrew 4-4 und veröffentlicht die Single "Mein Leben". Die Musik wird zum letzten Rettungsanker, wenn man ohne Schulabschluss nicht irgendwann im Knast enden will. Die Gruppe zerbricht aber und nur die "Vier" bleibt im neuen Bandnamen von Da Fource erhalten. Die Zahl steht für die vier Elemente des Hip Hop: Breakdance, Graffiti, DJing und Rap.

Im März 2001 steht die erste EP "Komm auf den Punkt" in den Läden. Gästen wie Afrob ("Auserkoren"), KMC und Meli ("Komm auf den Punkt") gewähren sie einen ersten Einblick in ihr Leben. Die Stuttgart-Connection kommt über die Spezializtz zu Stande, die Da Fource auch als Support auf ihre Tour mitnehmen. Im November des selben Jahres erscheint das Debut "Überlegen". Die Platte bietet hymnenhaft-orchestrale Beats und ungeschminkte Alltagsgeschichten von den dunklen Straßen Berlins. Mit dabei sind u.a. Samy Deluxe, Afrob, Bektas, Spezializtz, Bintia und der Plattenpapzt.

Anderthalb Jahre später wandeln TMO und Charnell auf Solopfaden. TMO veröffentlicht auf Indie-Wegen das Album "Das Jüngste Gericht", während sich Charnell dem Hamburger Eimsbush-Label anschließt. Doch gerade als Charnells Debüt "Nr. 1" veröffentlicht werden soll, muss Eimsbush Insolvenz anmelden. Charnell widmet sich daraufhin dem Aufbau seiner 030 Ganxta Clicc-Posse, die sich schon bald mit Diss-Attacken gegen Aggro Berlin und Mixtapes auf PX Records in Berlin einen Namen macht.

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