Porträt

laut.de-Biographie

DJ Logic

Es wäre ein Fehler, DJ Logic rein dem Hip Hop zuzuordnen - ein Fehler, der niemandem, der halbwegs des Hörens mächtig ist, unterlaufen wird. Logic reißt Genre-Schranken nieder und verschafft sich in den unterschiedlichsten musikalischen Kreisen Respekt. Er leistet bei der Kombination von DJing mit Live-Instrumenten Pionierarbeit und prägt damit das Bild des Turntablisten als Musiker. Als erster DJ überhaupt tritt er im legendären New Yorker Jazz-Club Blue Note auf.

"Ich bin in der Bronx aufgewachsen, zu der Zeit, als Hip Hop aufkam. Ich hatte es im Trinkwasser und hab' es im Blut." Geboren 1972 erlebt Jason Kibler die Geburtsstunde des Hip Hop hautnah mit. Er sieht die Gründerväter des Genres, Kool Herc, Afrika Bambaataa und Grandmaster Flash. Als DJ Red Alert und Mr. Magic die ersten Hip Hop-Sendungen über den Äther schicken, klebt Jason am Radio. Auf Partys ziehen ihn die DJs in ihren Bann. Bald ist klar: "Das will ich auch!"

Die Eltern haben ein Einsehen und schenken dem 14-Jährigen zu Weihnachten die ersten Plattenspieler. Billige Modelle damals noch: Mehr ist nicht drin. Für Jason bilden diese Decks das Sprungbrett zum Ruhm. "Ich war das einzige Kind, das Turntables besaß", erinnert er sich. "Deswegen fragten sie für Partys und Schulveranstaltungen und so immer mich." Bald spielt er nicht nur auf lokalen Events in der Bronx, sondern auch in Queens und Manhattan.

Aufgewachsen mit Jazz, Funk, R'n'B und Hip Hop, beeinflusst ihn die Musik von Miles Davis, Grover Washington und Eddie Harris, später auch Sun Ra. Den ersten Jazzalben folgen Funkplatten, Rockplatten, Instrumentalplatten, und und und. Jason bewegt sich in Hip Hop-, Funk-, Jazz-, Rock-, später in Jungle-, Trance- und House-Kontexten. Die Vielfalt der einfließenden Stilrichtungen avanciert zu seinem Markenzeichen.

Ein wenig später, Jason ist 16 und besucht die High School, stellt ein Anruf sein Leben auf den Kopf. Am Apparat: Schlagzeuger Richie Harrison. Er habe Jason auf einer Schulparty auflegen sehen, plane, seinem Rockprojekt ein wenig Hip Hop-Flavour einzuhauchen. Ob Jason nicht mal eben mitsamt seinen Plattenspielern in den Probenraum kommen könne. Er kann: Erstmals arbeitet der junge DJ mit Live-Musikern. "Ich wusste gar nicht, was mich da erwartet. Aber alles lief wie von selbst." Jason, bis dahin vielversprechender Basketballspieler an seiner Schule, schlägt mehrere Sportstipendien in den Wind und wird Mitglied von Harrisons Rockband Eye & I.

Ob als Opener für Living Colour, mit Body Count oder den Psychedelic Furs: Eye & I touren ausgiebig. Ein Album wird aufgenommen. Die Bekanntheit der Combo wächst. Da geht es ja mal gar nicht, befindet Sänger DK Dyson, dass der Plattendreher ohne angemessenen Bühnennamen daher kommt. Gemeinsam brüten sie über diversen Magazinen, schließlich wird ein Wörterbuch studiert. Beim L angekommen, verkündet Dyson: "Logic. That's you!" Die Sache ist entschieden. Jason dazu: "Es war ... nun, ja. Es war logisch."

Nach zwölf Monaten schier ununterbrochener Tourneen lösen sich Eye & I auf. Im Jahr darauf entschließen sich auch Living Colour, getrennte Wege zu gehen. Deren Gitarrist, Vernon Reid, bittet DJ Logic, in seiner neuen Band, My Science Project, mitzuarbeiten. Durch die Kollabo mit Reid werden zahlreiche New Yorker Jazzmusiker auf dessen Turntablisten aufmerksam. Mitte der 90er verzeichnet er bereits Live-Gigs in allen Ecken der Stadt und blickt auf Aufnahmen mit Vernon Reid, dem Blue Note-Klarinettisten Don Byron und dem Trompeter Graham Haynes zurück, mit dessen Band er Europa und Südamerika bereist.

Nach New York heimgekehrt, spielt Logic 1996 ab und an bei Vernon Reids wöchentlicher Impro-Nacht im CBGBs. Dort hört ihn Billy Martin, Drummer der Funk-Jazz-Formation Mendeski, Martin & Wood (kurz MMW), und entsinnt sich seiner, als die Truppe drei Monate später für einen Auftritt in der Knitting Factory einen Warmup-DJ braucht. Logic macht seine Sache mehr als ordentlich. Obwohl als Vorprogramm eingeplant, behält ihn die Band während ihres kompletten Auftritts auf der Bühne. Am Ende des Abends ist bereits klar: MMW haben sich ein inoffizielles viertes Mitglied einverleibt. Gemeinsame Touren, unter anderem mit den Grateful Dead, sowie die Aufnahmen zu einem gefeierten Album ("Combustication", Blue Note, 1998) folgen.

1999 wird DJ Logic für seinen ersten Solo-Gig in die Knitting Factory gebucht. Nach so langer Zeit der Zusammenarbeit mit Live-Musikern scheinen ihm diese wohl zu fehlen: Er stellt für den Auftritt seine erste eigene Band zusammen. In den Reihen seines Project Logic finden sich, aus Eye & I-Tagen, Bassist Melvin Gibbs und Drummer Skoota Warner. In den Folgejahren soll das Trio zum Quintett anwachsen. Spätestens im Rahmen von Project Logic etabliert sich ein DJ als Jazz-Improvisateur.

Die Jams von Project Logic werden mitgeschnitten. Mit zahllosen Gastbeiträgen versehen entsteht ein Debüt-Album, das von der Kritik begeistert aufgenommen wird. "Project Logic" erscheint 1999 auf Ropeadope. Die Liste der Beteiligten umfasst (unter anderem) John Scofield, Marc Ribot, Vernon Reid, John Mendeski, DJ Olive und DJ Spooky. Zahlreiche Konzerte schließen sich an und zeigen der Welt, wie exzellent sich Turntables in eine Live-Band integrieren lassen.

Gleiches gilt für das Nachfolge-Album "The Anomaly" von 2001, das bei Atlantic erscheint. Auch hier geht eine beeindruckende Reihe von Gästen an den Start. DJ Logic erarbeitet sich nicht nur den Respekt von Kritikern. Zahlreiche Musikerkollegen zeigen sich gleichfalls beeindruckt. Logic, mittlerweile gefragter Remixer und Produzent, kollaboriert daraufhin unter anderem mit Joshua Redman, den Allman Brothers, Weather Report, Mitgliedern von Phish, Mos Def, Prince Paul, Ursula Rucker, Ahmir ?uestlove Thompson von den Roots, dem Sun Ra Arkestra und mit Roberta Flack.

2002 ist DJ Logic in zwei Projekte involviert: Zum einen bildet er mit Rob Wasserman von den Grateful Dead ein Duo, zum anderen schließt er sich mit seinem alten Mitstreiter Vernon Reid zu den Yohimbe Brothers zusammen, um Hip Hop, Hardrock und Electronica zu fusionieren. Die Yohimbe Brothers veröffentlichen 2002 das partylastige "Front End Lifter" bei Ropeadope. Der Nachfolger "The Tao Of Yo", ein wenig ernsthafter geraten und mit reichlich Dub-, Drum'n'Bass-, Futurejazz- und Dancehall-Anklängen versehen, folgt zwei Jahre später. Die Yohimbe Brothers touren als sechsköpfiges Live-Ensemble.

Ab 2003 besinnt sich Logic auf seine Wurzeln. Er spielt verstärkt Solo-DJ-Gigs. Eine Sommer-Tour mit Ben Harper und Jack Johnson sowie eine weitere mit John Mayer und Maroon 5 erschließt ihm ein noch breiteres Publikum als bisher: Oldschool-Vibes für junge Indie-Fans. Logics Shows im Blue Note und Greenwich Village sind ausverkauft.

Nach weltweiten Tourneen und zahllosen Remix-Aufträgen arbeitet Logic 2005 an einem Ray Charles-Tribute-Album und an seiner dritten Solo-LP. Diese erscheint mit Unterstützung von Wu-Tang-Producer Scotty Harding im Sommer 2006 unter den Titel "Zen Of Logic". Afro-Dub, Ghetto-Funk, Jazz und Hip Hop verbinden sich in der stark DJ-orientierten Produktion und stellen einmal mehr klar: Dieser Turntablist ist weit mehr als ein schnöder Plattenaufleger. DJ Logic ist Musiker - durch und durch.

Alben

  • DJ Logic

    Offizielle Homepage: News und Termine, derzeit im Umbruch.

    http://www.djlogic.com
  • Ropeadope

    Labelhomepage mit News und Infos, Musik und Videos.

    http://www.ropeadope.com
  • Project Logic bei MySpace

    Logics Blog und Musik.

    http://www.myspace.com/projectlogic

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