Porträt

laut.de-Biographie

DCS

"Man wird diese Hip Hop-Sache nicht los", so Schivv. "Die Liebe zu Rap, das Gefühl, mitmischen, was machen zu wollen." Besagtes Gefühl hat die Herren von DCS spätestens 2012 fest im Griff. Nach über zehnjähriger Funkstille entsteigen sie mit neuem Album "Silber" im Gepäck der Versenkung.

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Alles neu, alles noch einmal von vorne: Diese Situation stellt für Sebastian 'Schivv' Möllmann, Philip 'Ro Kallis' Löffel, Peer 'Peer Formance' Bießmann und Mike Haagen alias DJ Lifeforce kein Neuland dar. Das kennen sie längst.

DCS gründen sich zu Beginn der 90er noch unter dem ausführlichen Namen Die Coolen Säue in Köln. Die Mitglieder der Crew waren zuvor bereits in anderen Formationen aktiv, starten aber erst in der neuen Besetzung richtig durch.

Mit diversen Samplerbeiträgen machen Die Coolen Säue auf sich aufmerksam. Zusammen mit der Fresh Familee, den Reimbanditen, den Fantastischen Vieren und Maximale Lautstärke bekommen sie bald das Etikett "die Deutsche Reimachse" aufgeklebt, das ihnen nicht überall Freunde macht.

1995 stellen sie ihr Debüt-Album "Kinderphantasien" fertig. Zu einer Veröffentlichung soll es allerdings nicht kommen. Streitigkeiten mit dem Label katapultieren das erste Werk der Coolen Säue ins Nirvana des Vergessens.

Doch die Schweine entpuppen sich als zäh, um nicht zu sagen "Stärker Als Das Schicksal": Unter diesem Titel erscheint 1996 doch noch ein Longplayer. "Eine Sammlung von Stückwerk und alten Sachen", reden Die Coolen Säue das Werk klein. Kritik und Fans reagieren dennoch überwiegend freundlich.

Die Coolen Säue haben keine Berührungsängste: Für den Nachfolger, das Konzept-Album "Ungesund Und Teuer", lassen sie R'n'B und Pop in den Sound einfließen und arbeiten auch mit Soul-Sängerin Brooke Russell zusammen.

DCS - Silber Aktuelles Album
DCS Silber
Reden ist Silber, die Beats sind Gold.

Es hilft nix: Die Verkaufszahlen gestalten sich in den Augen der Verantwortlichen bei BMG Ariola nicht üppig genug. Die Coolen Säue stehen ruckzuck wieder ohne Vertrag auf der Straße, wo ihnen zudem der kühle Gegenwind aus einer Szene um die Nasen weht, die in der Anbiederung an den Mainstream Ausverkauf wittert.

Die Coolen Säue ziehen die Konsequenzen. Sie streichen ihren Namen auf das ohnehin gebräuchlichere Kürzel DCS zusammen, kommen beim Ruhrpott-Indielabel Deck8 unter ... und fangen, jetzt wieder deutlich untergrundiger, schon wieder neu an: "1999 ... Von Vorne".

Mit Tefla & Jaleel, Curse, Pyranja und Lenny begeben sich DCS unter dem Banner "Swingerclub" gemeinsam auf Tour. Unterdessen geht Deck8 pleite. Wieder wars nix mit der großen Deutschrap-Karriere.

Die Wege von Schivv, Peer, Ro Kallis und DJ Lifeforce trennen sich. Der eine oder andere versucht sich noch an einer Solo-Veröffentlichung oder produziert Beats für Kollegen. Im Großen und Ganzen hält aber das richtige Leben Einzug und fordert seinen Tribut.

Das Ende einer deutschen Rap-Geschichte, könnte man meinen, liefen sich die inzwischen erwachsen gewordenen Jungs nicht im September 2010 bei Kumpel Curse' zehnjährigem Jubiläums-Konzert seines Albums "Feuerwasser" wieder über den Weg.

Kontakt haben sie ohnehin gehalten. Aus dem vagen Gedanken, "irgendwann mal wieder irgendwas machen" zu wollen, entwickeln sich nun konkrete Vorstellungen. "Man musste einen konzeptionellen Ansatz finden", erinnert sich Schivv. "Wir sind im Leben angekommen, haben Berufe, Familie und sind trotzdem Rap-Köppe geblieben."

Im Leben angekommen: Das kann man wohl sagen. Peer und Schivv haben ihr Jurastudium abgeschlossen, arbeiten beide als Anwälte für Medienrecht. DJ Lifeforce ist als Abteilungsleiter bei einem Hersteller für DJ-Equipment beschäftigt. Ro Kallis hat als Werbetexter seine Berufung gefunden.

"Nur, weil man sich mit der Kultur von Hip Hop identifiziert, ist man ja nicht unfähig, sich ernsthaft zu verhalten und aufzutreten. Und nur weil man Jurist ist, muss man nicht zum Lachen in den Keller gehen", erklärt Peer Bießmann im Interview mit dem Spiegel.

Am erstaunlichsten gestaltet sich eigentlich, dass erwachsene Männer in Vollzeitberufen, die zudem Familien haben und über die ganze Republik verstreut leben, das Fieber wieder dermaßen packt, dass sie tatsächlich noch einmal ein Album auf die Beine gestellt bekommen.

"Silber" erscheint Anfang 2012. "Wir haben ohne jedes Budget mit den unglaublichsten Typen gearbeitet", erklärt Schivv. Unter den Produzenten finden sich Roe Beardie, Crada und Adlib. Für Gastauftritte schauen der alte Weggefährte Olli Banjo und Sido vorbei. Bei der ein Jahr später erscheinenden Remix-Version mischen unter anderem die Dramadigs, Herr von Grau und die Funkverteidiger mit.

"Letztlich geht es im Rap wie in Jura darum, den eigenen Standpunkt zu vertreten und mit sprachlichen Mitteln durchzusetzen. Natürlich ist das Vokabular ein anderes, aber die rhetorische Auseinandersetzung nach bestimmten Regeln bleibt zentrales Thema beider Bereiche", erklärt Schivv dem Spiegel den Spagat zwischen zwei Welten, die seiner Meinung nach so unterschiedlich gar nicht sind. "'Silber' ist unser Beweis, dass man mit Hip Hop auch erwachsen werden kann."

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DCS - Silber: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2012 Silber

Kritik von Dani Fromm

Reden ist Silber, die Beats sind Gold. (0 Kommentare)

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